
Schon in Versailles am Hofe von Sonnenkönig Louis XIV. genossen die Menschen Schokolade. Damals teures Luxusgut, das sich nur die Hautevolee leisten konnte, ist das dunkle Vergnügen mit dem seidig-süßen Geschmack heute in jedem Supermarkt erhältlich. Doch nicht bei allen Marken kann man guten Gewissens sündigen. Häufig geht dem dunklen Vergnügen ein noch dunkleres Geschäft voraus.
Viele Schokoladenhersteller können oder wollen ihre Lieferketten nicht zurückverfolgen, um zu garantieren, dass bei der Produktion weder Menschenrechte verletzt noch Umweltzerstörung in Kauf genommen wird. Damit Verbraucher sich selbst ein Bild der Hersteller machen können, bewertet die sogenannte Schokoladen-Scorecard alljährlich Schokoladenhersteller hinsichtlich Umweltfreundlichkeit und fairer Produktion. US-Produzent Mondelez, dem unter anderem auch Milka gehört, schneidet dabei schlecht ab; ebenso wie ein weiteres beliebtes Unternehmen.
„Wir benennen die Nachzügler, zeichnen die Vorreiter aus und feiern jeden Fortschritt“
Die Schokoladen-Scorecard wird – unterstützt vom WWF – von der Organisation Be Slavery Free herausgegeben. „Wir benennen die Nachzügler, zeichnen die Vorreiter aus und feiern jeden Fortschritt“, heißt es dazu auf der Website. Als Grundlage für die Einordnung dienen Befragungen der Hersteller und Kakaoverarbeiter, wie der WWF schreib. 2026 erscheint die Scoregard bereits zum siebten Mal. 49 Teilnehmer werden aufgelistet, darunter 34 große und mittlere Unternehmen, fünf kleine Unternehmen und zehn Einzelhändler. Angefragt waren insgesamt 80 Unternehmen, 31 gaben keine Auskunft.
Anhand dieser Daten werden die Unternehmen nach den Kriterien Rückverfolgbarkeit und Transparenz der Lieferkette, existenzsicherndes Einkommen, Kinder- und Zwangsarbeit, Entwaldung, Pestizideinsatz und Agroforstwirtschaft Klima und Gendergerechtigkeit bewertet und in der Rangliste aufgeführt.
Köstlich, fair und nachhaltig: Die besten Hersteller 2026
Auf den besten drei Plätzen der Choccolate Scorecard 2026 landen Halba (Schweiz), Tony‘s Chocolonely (Niederlande) und Ritter Sport aus Deutschland. Dabei bewegt sich HALBA mit einer Gesamtwertung von 85 Prozent in allen untersuchten Kategorien im grünen Bereich, hat Tony‘s Chocolonely mit einer Gesamtwertung von 83 Prozent weist Nachholbedarf in punkto & Klima und Pestizideinsatz, und Ritter Sport befindet sich mit nur 71 Prozent trotz des dritten Platzes bereits nicht mehr im grünen Bereich. Das schwäbische Familienunternehmen im Bereich Pestizideinsatz habe sich im Vergleich zum Vorjahr zwar verbessert, schneide dafür aber beim existenzsichernden Einkommen schlechter ab.
Bei den kleinen Herstellern setzt Original Beans neue Standards. Das niederländische Unternehmen erreicht mit einer Gesamtwertung von 90 den ersten Platz. In den Bereichen existenzsicherndes Einkommen und Pestizideinsatz werden die volle Punktzahl erreicht. Nachhaltiger geht nicht. Nur in Sachen Geschlechtergerechtigkeit bestehe Verbesserungsbedarf. Der zweite Platz geht ebenfalls in die Niederlandean Chocolate Makers mit 83 Prozent, gefolgt von der schwedischen Malmö Chokladfabrik mit 80 Prozent.
Abgestraft wurden hingegen einige deutsche Hersteller. So erreicht der Berliner Süßwarenhersteller Storck, bekannt für Marken wie Toffifee und Merci, lediglich einen Nachhaltigkeitswert von 39 Prozent. Der einstige Kölner Schokoladenhersteller Stollwerk, der mittlerweile zur belgischen Baronie-Gruppe gehört (Marken wie Alpia und Sarotti) wurde ebenfalls mit nur 37 Prozent bewertet.
Milka mit massiven Datenlücken: Verbraucherschützer kritisieren Intransparenz
„Leider gibt es immer noch genügend Firmen, die nicht offenlegen wollen oder können, ob ihre Schokolade frei von Kinderarbeit, Armut und Abholzung ist und unter welchen Bedingungen der Kakao dafür angebaut wurde.“, so der WWF. Äußerst negativ fällt der US-amerikanische Megakonzern Mondelēz auf, der Marken wie Milka, Oreo, Toblerone, Cadbury, Marabou, Côte d‘Or und Suchard produziert. Kritisiert werden erhebliche Datenlücken – insbesondere bei Kinderarbeit, der Bezahlung der Kakaobauern und beim Einsatz von Pestiziden. Wie groß die Probleme in diesen Bereichen tatsächlich sind bleibt deshalb im Unklaren, eine Platzierung konnte nicht vorgenommen werden.
Auch Starbucks bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm. In den vergangenen Jahren rangierte das Unternehmen speziell in den Kategorien Kinder- und Zwangsarbeit sowie existenzsicherndes Einkommen regelmäßig auf den unteren Bereichen. 2026 verweigerte Starbucks die Teilnahme an der Schokoladen-Scorecard komplett, auch hier konnte aus diesem Grund keine Platzierung vorgenommen werden.