Kaikenried - 25 Vier-Sterne-Wellnesshotels gibt es alleine im Landkreis Regen im Bayerischen Wald – fast alle familiengeführt. Das Hotel Oswald ist eines davon, es steht für den Wandel, den die Gastronomie dort durchlaufen hat.

Das feine Kunstwerk wird serviert, es duftet verführerisch. Wir sitzen in Kaikenried, einem Dorf mit gerade mal 550 Einwohnern mitten im Bayerischen Wald. Draußen knattern Traktoren vorbei, im Ort stehen ein paar Häuser - sonst gibt es hier viel Natur und Wald. Drinnen speisen wir im Zwei-Sterne-Restaurant des Landromantik-Hotels Oswald, wo früher der Urgroßvater noch Würste verkaufte und Bauern in seinem Wirtshaus einkehrten.

Andreas Oswald, einer von drei Brüdern, die inzwischen das Familienunternehmen führen, erzählt uns die Geschichte: „Mein Vater Alfons hat 1980 den Gasthof mit nur fünf Tischen und einer Metzgerei übernommen. Er war gerade mal 23.“ Damals war das typisch für den Bayerischen Wald: Es gab einfache Pensionen oder Gasthöfe, die Urlauber kamen vor allem zum Wandern - ein Klischee, das den Bayerwald bis heute prägt.

Hotel Oswald Bayerischer Wald Niese
Viele Promis stiegen hier schon ab - unter anderem Helmut Kohl, hier auf einem Bild der Galerie neben Gründer Alfons Oswald. © Matthias Niese

Doch Andreas‘ Vater wollte alles anders machen. Er hatte als junger Mann seinen Bruder am Tegernsee besucht, der dort im berühmten Hotel Bachmair arbeitete. „Das war sein Erweckungserlebnis. Mit 16 schwor er sich: Ich möchte auch Hotelier werden.“ Er riss den alten Gasthof ab, baute ein kleines Hotel mit 15 Zimmern. Seine Frau kochte, er metzgerte und spielte nebenbei Musik, um die mageren Anfangsjahre zu überbrücken.

Die Metzgerei expandierte mit mehreren Filialen, 2006 kam der eigentliche Durchbruch: Das Hotel wurde erweitert – mit viel mehr Zimmern, großem Restaurant, Hallenbad und Sauna. Plötzlich kamen auch Wellness-Gäste. 2014 verdoppelten sie noch einmal die Kapazitäten, das Hotel erreichte nahezu den heutigen Stand: 4 Sterne Superior, 2500 Quadratmeter Spa-Fläche, vier Pools, sieben Saunen. Und die Metzgerei? „Die haben wir 2022 zugemacht“, sagt Andreas Oswald. „Wir wollten uns voll aufs Hotel konzentrieren.“ Dafür kommt das Fleisch nun vom Metzger aus dem Nachbarort, „der kann das genauso gut“, sagt Andreas Oswald.

Sterneküche auf dem Dorf – ein Wagnis

Er selbst hatte beim Drei-Sterne-Koch Heinz Winkler in Aschau die Hochgastronomie gelernt. Als er nach Hause kam, brachte er den stellvertretenden Küchenchef Thomas Gerber mit und hatte einen verwegenen Plan: „Ein Gourmetrestaurant auf dem Dorf zu eröffnen, das war schon ein Wagnis.“

Hotel Oswald - Gourmetstube
Mit Kreationen wie dieser hat sich Thomas Gerber zwei Michelin-Sterne erkocht. © Annette Sandner

Im Februar 2015 eröffneten sie Oswalds Gourmetstube. Ein halbes Jahr später hatten sie den ersten Michelin-Stern. 2025 kam der zweite dazu. „Wir hatten das gar nicht wirklich auf dem Schirm“, lacht Andreas. „Michelin hat uns zu seinem Event eingeladen – und erst auf der Bühne erfuhren wir von den Sternen.“

Wellness UND Wandern

Das Haus steht für den Wandel im Bayerischen Wald, den auch andere Häuser mitgemacht haben: „Früher stand die Region für Billigtourismus“, so Andreas Oswald. Auch durch gemeinsame PR-Arbeit der Hoteliers hat sich das Image aber gedreht: weg von Pension und Wandern, hin zu Wohlfühlen, Entspannen, Genießen. Allein im Landkreis Regen gibt es inzwischen 25 Vier-Sterne-Wellnesshotels, fast alle sind familiengeführt - im Gegensatz zu Südtirol oder Tirol, wo mancherorts große Ketten dominieren. „Hier ist es noch nicht überlaufen“, sagt Andreas. „Und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist viel besser.“

Foto: Matthias Niese - gesp. 8/2022 - Motiv: Bayer
Ein Sprung übers Wasser am höchsten Punkt der Rißlochwasserfälle bei Bodenmais. © Matthias Niese

Rund ums Hotel kann man einiges unternehmen: Wir fahren zum Waldwipfelweg in Sankt Englmar, spazieren dort 30 Meter über dem Waldboden zwischen den Baumkronen und steigen auf den 52 Meter hohen Waldturm – die Aussicht reicht bis zu den Alpengipfeln. Die Kinder lieben das „Haus am Kopf“, in dem alles verkehrt herum steht, und die Alpakas und Kängurus, die auf dem Gelände grasen.

An einem anderen Tag wandern wir am Geiskopf bei Bischofsmais – die Wege führen durch dichten Fichtenwald, über Almwiesen und vorbei an der Kammerhütte. Mit den Kindern besuchen noch den Bayerwald-Tierpark in Lohberg – Wölfe, Elche, Luchse, alles heimische Tiere, die früher hier lebten oder wieder angesiedelt wurden. Danach sausen wir auf der Sommerrodelbahn den Hang hinunter.

Hotel Oswald Bayerischer Wald Niese
Im „normalen“ Hotelfrühstück schneidet Charlotte Organen für frischen Saft aus der Presse. © Matthias Niese

Gerade die älteren Gäste besuchen gern eine der Glashütten – die Region ist berühmt für ihre Glaskunst. In Zwiesel oder Bodenmais kann man den Glasbläsern bei der Arbeit zusehen und in den Manufakturen stöbern. Und wer gutes Bier liebt, fährt zur Brauerei Ettl im Nachbarort Teisnach – dort wird noch traditionell gebraut, vor allem die helle „Woidlerei“ schmeckt würzig und frisch.

Kein Geheimtipp mehr

Der Bayerische Wald ist längst kein Geheimtipp mehr – aber im Vergleich zu den hochpreisigen und gerade in den Ferien überlaufenen Alpenregionen immer noch angenehm ruhig. Hotels wie das Oswald stehen für den Wandel, der auch hier stattgefunden hat und den sie in den Alpen mit ein paar Jahren Vorsprung vorgemacht haben.

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© gute reise Infografik

Mehr Informationen:

www.bayerwaldportal.de,www.bayerischer-wald.de, www.arberland-bayerischer-wald.de
Hotel Oswald, www.hotel-oswald.de, Tel.: 0049/9923/84120 - das Zwei-Sterne-Restaurant „Oswalds Gourmetstube“ (Küchenchef Thomas Gerber) ist auch für Nicht-Hotelgäste offen offen und serviert Fine Dining. Reservierung erforderlich.

Anreise: Ab Nürnberg mit dem Auto ca. 185 Kilometer in zweieinhalb Stunden via A6 Richtung Amberg, dann Landstraße via Cham, Regen bis Kaikenried. Mit der Bahn rund dreieinhalb Stunden – Umstieg in Plattling und Gotteszell, von dort Waldbahn bis Teisnach (2 km zum Hotel, Abholung möglich).

Aktivitäten: • Waldwipfelweg Sankt Englmar: www.waldwipfelweg.de, Tel.: 0049/9965/90546. Eintritt Erwachsene 11,50 Euro, Kinder 9,50 Euro. • Bayerwald-Tierpark Lohberg: www.bayerwald-tierpark.de • Sommerrodelbahn Lohberg: www.hohenbogen.de • Wandern: Geiskopf bei Bischofsmais, Kammerhütte, Wanderwege im Nationalpark Bayerischer Wald • Glashütten: Zwiesel, Bodenmais • Brauerei Eggl: www.eggl-bier.de

Beste Reisezeit: Ganzjährig. Im Sommer Wandern und Baden in Naturseen, im Winter Langlauf und Skifahren am nahen Arber. Frühjahr und Herbst ideal für Wellness und Ruhe.

Redaktioneller Hinweis: Die Recherche wurde z.T. unterstützt.