
Das Kleeblatt steckt in einer prekären Lage und ist akut abstiegsgefährdet. Doch Abseits der Tabellensituation dominiert eine andere Nachricht die Schlagzeilen um den Ronhof: Wie der Verein am Dienstag vermeldet, geht der Kapitän von Bord. Branimir Hrgota wird die Fürther nach Saisonende verlassen. Der Angreifer hat ein Angebot zur Verlängerung seines auslaufenden Vertrags laut Verein nicht angenommen und „den Verein darüber informiert, sich eine neue Herausforderung suchen zu wollen.“ Medienberichten zufolge hätte Hrgota finanziell aus seiner Sicht zu große Abstriche machen müssen. Sieben Jahre lang war der Ausnahmekönner ein Aushängeschild des Kleeblatts - mit ihm endet eine Ära in Fürth, ein besonderes Kapitel in der Vereinsenzyklopädie unter das auch der zweite Aufstieg in die Bundesliga fällt.
Als der technisch hochveranlagte Offensivmann 2019 aus Frankfurt kam, dürften sich viele Beobachter gedacht haben „der ist doch zu gut für die zweite Liga“. Und in seiner Zeit beim Kleeblatt bewies der Schwede oft genug sein fußballerisches Geschick, das in der tat über das eines gewöhnlichen Profis im deutschen Fußball-Unterhaus hinausging. 238 Spiele, 69 Tore und 41 Vorlagen stehen in der Bilanz. Hrgota ist einer der prägendsten Spieler der jüngeren Vergangenheit. Doch die Jahre vergingen und mittlerweile ist er 33 Lenze alt. Das Alter ist nicht unbedingt der beste Freund des Profisportlers und hat auch an ihm - wenn auch technisch genauso versiert wie eh und je - Spuren hinterlassen. Immer seltener kann er seine Stärken in einer taumelnden Mannschaft einbringen, immer mehr machen sich seine Tempodefizite bemerkbar.
Und so kommt es, dass sein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird - auch, weil er noch einmal in seiner Karriere eine Luftveränderung anstrebt. Sein Abschiedsstatement fällt ungewohnt emotional aus. „Liebe Kleeblatt-Fans“, leitet der Kapitän ein, „dieser Moment fällt mir unglaublich schwer. Die richtigen Worte zu finden ist nicht einfach, weil diese Situation für mich und den Verein alles andere als leicht ist. Ich möchte derjenige sein, der euch sagt, was im Sommer mit mir passiert. Nach sieben Jahren ist nun der Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen. Eine Entscheidung, die für mich nicht leicht war, denn die Stadt, der Verein und die Fans sind für mich und meine Familie zu einem Zuhause geworden. Es war mir eine riesige Ehre, dieses Trikot zu tragen und eine noch größere, Kapitän dieser Mannschaft sein zu dürfen. Darauf werde ich immer mit großem Stolz zurückblicken.“ Sein Dank gehe an Mitspieler, Trainer und Mitarbeiter. „Die Erinnerungen an diese sieben Jahre werden meine Familie und ich für immer in unseren Herzen Tragen, ein Teil von uns wird immer hier bleiben.“
„Fester Platz in den Geschichtsbüchern“
Fürths größte Spielerpersönlichkeit der letzten Jahre hat Spuren hinterlassen. „Brane ist ein unglaublich verdienter Spieler und deshalb müssen wir seine Entscheidung, eine neue Herausforderung zu suchen, auch akzeptieren. Seine Verdienste für unseren Verein sind außergewöhnlich und werden ihm einen festen Platz in den Geschichtsbüchern sichern. Dabei wollen wir alle, dass diese Geschichte ein gutes Ende bekommt, und dafür werden wir gemeinsam alles geben“, erklärt Sportdirektor Stephan Fürstner auf der Vereinsseite. Geschäftsführer Holger Schwiewagner ergänzt: „Brane hat dem Kleeblatt sehr viel gegeben und alleine, dass ein Spieler mit dieser Qualität so lange für unsere Farben aufgelaufen ist, ist außergewöhnlich.“
Hrgota selbst erwidert: „Als ich 2019 nach Fürth kam, habe ich nicht gedacht, dass es die längste Station meiner Karriere werden würde. Wir haben unfassbar viel gemeinsam erlebt. Ich will auch jetzt, dass es gar nicht so viel um mich geht, weil wir als Team, als Verein vor unglaublich wichtigen Spielen stehen, die wir unbedingt erfolgreich bestreiten wollen.“ Zwei Spiele hat das Kleeblatt noch, um sich eventuell mit guten Auftritten und einer Prise Glück zu retten. Gelingt das nicht, verlässt eine der schillerndsten Fußballfiguren am Ronhof das sinkende Schiff als Kapitän.