
Die Ausgangslage vor Derby-Auflage Nummer 276 war schnell erzählt: Während das Kleeblatt noch immer knöcheltief im Abstiegskampf steckte, hatte sich der Club dem ganz großen Druck durch den Dreier in der Vorwoche entledigt. Insofern taugte das Duell aus Nürnberger Sicht in erster Linie als Charaktertest.
Nach etwas mehr als 45 Minuten ließ sich konstatieren, dass dieser ungenügend ausfiel. „Das war nicht meine Mannschaft. Das war nicht die Einstellung, die man im Derby haben muss“, rügte Klose seine Elf scharf. „Wir haben nur reagiert, nur lange Bälle gespielt.“
Gruber: „Erste Halbzeit geht so nicht“
Beinahe aus dem Nichts kam der FCN dennoch noch vor der Pause zum Ausgleich. Kapitän Fabio Gruber egalisierte aus kurzer Distanz den Fürther Führungstreffer aus den Anfangsminuten. „Die erste Halbzeit geht so nicht“, versuchte auch der Innenverteidiger gar nicht erst, die Darbietung vor dem Seitenwechsel zu beschönigen. In der Kabine habe man dann angesprochen, dass es mehr Intensität bedürfe, gab der Torschütze einen Einblick. Mit reichlich Verspätung brachte die Klose-Elf diese dann auch auf den Rasen. „Dann ist es klar, dass wir mehr Qualität haben als sie.“
Die von Gruber ausgemachten Qualitätsunterschiede kamen auch zum Tragen, weil es dem Club nach der Pause besser gelang, seine vielen feinen Fußballer besser in Szene zu setzen. Zwischen den Linien wurde Finn Becker häufiger gefunden, Mitspieler Julian Justvan boten sich gleich mehrere vielversprechende Einschussmöglichkeiten. „In der zweiten Halbzeit ging es heute nur um Basics“, stellte Klose, der zudem die Restverteidigung seiner Mannschaft in dieser Phase lobte, klar und weiter: „Da waren wir da und haben es uns bis auf eins, zwei Eckbälle nicht mehr aus der Hand gegeben.“
Verlorene Punkte und wiederkehrende Marotten
Umso bedauerlicher war es letztlich aus FCN-Perspektive, dass die Überlegenheit im zweiten Spielabschnitt keinen Ertrag mehr abwarf. „Wir müssen das 1:2 machen“, haderte Klose nach Abpfiff mit der Nürnberger Chancenverwertung. Gruber, der sein erstes Derby-Tor erzielte, pflichtete seinem Coach bei: „Das Ergebnis wurmt uns brutal. Es sind zwei verschenkte Punkte.“
Wirklich überrascht vom wechselhaften Auftritt ihrer Mannschaft dürften indes nur die wenigsten Anhänger gewesen sein. Schließlich zieht sich das Phänomen, dass der Club eine schwache und eine weniger schwache Hälfte anbietet, beinahe schon durch die gesamte Saison. Nicht zuletzt ist es auch einer der Gründe, wieso das einst ausgerufene Saisonziel verpasst werden dürfte - vier Punkte trennen den Altmeister vor den letzten beiden Partien von Platz sieben.