
Für das Kleeblatt ist der Zähler zuhause im Abstiegskampf zu wenig, für den Club gerät Platz sieben als Saisonziel außer Reichweite. Sportlich brisanter ist die Lage allerdings zweifelsohne bei den Fürthern. Anders herum könnte man sagen: Der FCN kann frei aufspielen, doch davon ist am Sonntag wenig zu sehen. „Wir haben uns das Derby anders vorgestellt, mit mehr Toren“, verrät Nürnbergs Übungsleiter nach Abpfiff und fügt hinzu, einen Schlagabtausch wie Bayern gegen Paris habe man sich fast gewünscht. Doch das war erwartungsgemäß nicht der Fall, „weil zu viel auf dem Spiel stand. Wir wissen welcher Spieltag es ist, um was es geht. Ich kann mir auch vorstellen, was in der anderen Kabine los ist“, sagt Klose.
Das Kleeblatt klebt auf Platz 17 im Abstiegskampf-Endspurt. Trainer Heiko Vogel bezeichnet den Nürnberger Ausgleich treffend als „Wirkungstreffer“ von dem sich seine Mannschaft nicht erholt - und nimmt sie trotzdem überraschend vehement in Schutz. Das Unentschieden fühle sich im ersten Moment an wie eine Niederlage. Er werde aber „einen Teufel tun, meiner Mannschaft den Vorwurf zu machen, sie hätte nicht alles gegeben, denn das hat sie. Ich lasse keinen Vorwurf zu.“ Ganz so nachsichtig kann der Ex-Weltmeister auf dem Rot-Schwarzen Trainerstuhl angesichts der erneuten extremen Ambivalenz im Auftritt seiner Mannschaft nicht sein.
Mentalitätsfrage beim FCN
„Da geht es mehr um die Mentalität von jedem Einzelnen. Wir legen uns ja nicht von Spieltag zu Spieltag auf die Matte und lehnen uns zurück, aber die Konstanz ist das was unserer Mannschaft fehlt. Manchmal sind es drei Spieler die völlig raus sind, manchmal ist es die ganze Mannschaft. Diese Phasen sind unerklärlich. Vielleicht ist die Mannschaft auch zu jung“, analysiert Klose vielsagend. „Die Jungs müssen den Ball haben wollen und nicht das Gefühl vermitteln ‚oh nein jetzt spielt er mich noch an‘. Wir sehen schon, welche jungen Spieler sich zurücklehnen. Charakter ist wie ein Reisepass - der zeigt sich an Grenzen.“
In der Pause ist es offenbar lauter geworden: „Ich habe denen gleich den Zahn gezogen, als sie lachend in der Kabine saßen. Ich habe klar gesagt: Das ist nicht meine Mannschaft. Das ist nicht die Einstellung, die man in einem Derby haben muss. Ab der 40. Minute haben wir das Gesicht gezeigt, das ich von Anfang an sehen wollte. Wir haben an die Mentalität appelliert in der Halbzeit.“
Besser als Schalke?
Ein erstaunlich ereignisloses Spiel wird erst nach Abpfiff noch einmal kurz hitzig. Plötzlich findet eine Rudelbildung in der Fürther Hälfte statt, Keeper Jan Reichert klärt in der Mixed Zone auf: „Da war nichts. Ich wollte die Kamera holen und dann sind ein paar unschöne Worte von Fürth-Seite aus gefallen und ich habe es abgegrinst - damit war es gegessen.“ Bleibt nach dem Rück- nun nur noch der Ausblick.
Am nächsten Samstag sind die Freunde aus Gelsenkirchen beim FCN zu Gast. Da die Knappen schon als Meister und Aufsteiger feststehen, soll laut „bild“ eine Party-Reise nach Ibiza anstehen. Entsprechend hofft Klose: „Energie lassen sie vielleicht ein bisschen in Ibiza“ und erwartet „trotzdem ein Fest für uns“ bei dem es darum gehe, dagegenzuhalten. „Die können gut Fußball spielen, aber ich behaupte, wir können einen Tick besser Fußball spielen“, erklärt er vollmundig nach der Partie. Der Auftritt in Fürth dürfte als Beweis dieser kühnen These kaum taugen.