Berlin - Der Buckelwal-Transport ist beendet. Das Tier wurde in der Nordsee freigesetzt. Daten eines GPS-Senders sollen zeigen, wohin er schwimmt - wann werden sie bekanntgegeben?

Der mehrfach an Ostsee-Küsten gestrandete Buckelwal ist wieder im offenen Meer - in welche Richtung er schwimmt, blieb zunächst aber unklar. „Peildaten sind bei der Initiative mehrfach angefordert worden. Bislang haben wir nichts“, teilte Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern, mit. Die Fachleute hätten gerade noch mal um die Herausgabe der Daten bis heute Mittag gebeten.

Vorerst lägen ihm noch keine Daten vor, erklärte Jens Schwarck, Mitglied der privaten Initiative und beim Transport mit dabei, am Vormittag. Die Allgemeinheit wird seinen Weg ohnehin nicht verfolgen können: Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, gesagt.

Der Buckelwal wird in seiner Barge vom Schlepper F
Der Buckelwal wurde in einer sogenannten Barge transportiert. © Christoph Reichwein/dpa

Zustand ebenfalls unklar

Es gab zunächst auch keine Angaben dazu, in welchem Zustand sich das Tier befand und wie genau es von Bord schwamm oder bugsiert wurde. Im Bereich des Übergangs von der Ost - in die Nordsee hatte es zeitweise starken Wellengang gegeben, der Wal war im Transportkahn stark hin- und her geschaukelt. Obwohl das Absperrnetz am Ende bereits am Freitagnachmittag entfernt wurde, war das Tier weiter in der Barge geblieben.

Nach Angaben Schwarcks war der Wal gegen 9.00 Uhr am Samstagmorgen nicht mehr im Lastkahn. Der Konvoi befand sich am Morgen etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak. Auf Drohnenbildern des Livestream-Anbieters News5 war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen - ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ sich nicht gesichert sagen.

Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel. Am Dienstag war er in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete.

Kann er normal tauchen und fressen?

Als gerettet gilt der Wal auch nach dem Freisetzen nicht. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: „Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.“

Nach Meinung von Experten könnte das geschwächte Tier wieder gezielt zur Küste schwimmen. „In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen“, hatte das Deutsche Meeresmuseum erklärt.