Nürnberg - Was viele schon lange wussten, ist jetzt auch wissenschaftlich belegt - von anderen Tellern oder Schalen geklaute Pommes sind besonders lecker. Warum dem so ist.

Pommes mögen quasi alle. Und was viele in diesem Zuge auch gern mögen, ist: fremde Pommes zu stibitzen. Es passiert überall, im Wirtshaus, im Fast-Food-Restaurant, am Imbiss oder auch zuhause. Der Volksmund vieler Sprachen sagt: „Geklautes Essen schmeckt immer besser“. Die Wissenschaft hat das jetzt bewiesen.

Unter kontrollierten Testbedingungen legten die Forscher schlussfolgernde Testreihen mit Probandinnen und Probanden an. Die Untersuchung erschien kürzlich im Fachjournal Food Quality and Preference. Darüber berichtete in Deutschland unter anderem t-online.de.

In der Studie aßen 120 Teilnehmende identische Portionen Pommes frites, die exakt gleich zubereitet waren. Der einzige Unterschied lag darin, wie die Teilnehmer an die Fritten gelangten: entweder aus der eigenen Portion, als Geschenk eines Tischnachbarn beispielsweise oder indem sie sie heimlich von anderen stibitzten.

Unter diversen Versuchsbedingungen ahmten die Forscher den Akt des „Klauens“ nach. Heimlich sollten die Studienteilnehmer Pommes von der Portion einer anderen Person nehmen: Eine Versuchsreihe bestand in einer Situation, in der das Risiko, erwischt zu werden, niedrig war. Die zweite Versuchsreihe simulierte Ähnliches: Diesmal war jedoch eine streng wirkende Person anwesend, die den „Diebstahl“ mitverfolgen konnte.

Das Locken der „verbotenen Früchte“ - Risiko beim Pommesklau

Das Ergebnis der Studie war deutlich: Fritten, die gemopst wurden, schmeckten den Teilnehmenden besser als die, die sie selbst auf dem Teller hatten. Besonders groß war dieser Effekt, wenn das Risiko hoch war, beim Pommesklau ertappt zu werden. In dieser Situation bewerteten die Studienteilnehmenden den Geschmack um 39,3 Prozent besser als beim normalen, eigentlichen Essen.

Woran liegt das, was wir insgeheim schon lange wissen und jetzt bewiesen wurde? Mehrere psychologische Mechanismen kämen in dem Prozess zum Tragen, schlussfolgern die Wissenschaftler. Im Fokus steht dabei die psychologische Reaktanz: Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihnen etwas vorenthalten wird, wird ihr Wunsch danach größer.

Eine wichtige Rolle spielten auch Emotionen, so die Forscher weiter, sie beeinflussen unser Geschmacksempfinden. Viele Teilnehmer berichteten beim Verzehr der fremden Pommes von einer Mischung aus Aufregung und einem leichten Schuldgefühl. Diese Emotionen trugen zu einem Gefühl höheren Genusses bei.

Außerdem schmeckten die gemopsten Pommes den Studienessern zufolge auch salziger, knuspriger und intensiver – obwohl die Portionen identisch waren. Entscheidend für die veränderte Wahrnehmung bestimmter Eigenschaften war allein der Kontext. Damit beweist die Studie, wie sehr Gefühle und Denken unser Geschmacksempfinden beeinflussen.

Geklaute Pommes sind Mini-Regelverstöße

Das heißt im Klartext: Nicht nur gemopste Pommes – gemopstes Essen an sich schmeckt tatsächlich besser, wenn wir es als eine Art Unartigsein empfinden, wenn wir von fremden Tellern schnabulieren. Eine kleine Grenzüberschreitung im Alltag quasi.

Der Mix aus Erwartung, Emotion und Risiko definiert dabei, wie intensiv wir etwas genießen. Wir haben also eine Art zweite Zunge im Kopf, die auch ein Wörtchen mitreden möchte, was uns wie schmeckt. Die Erwartungshaltung, die im Gehirn entsteht, bestimmt das außerdem maßgeblich mit. Wenn wir also glauben, dass gemopste Pommes besser schmecken, dann wird auch das Erlebnis als stärker empfunden - Fachleuten zufolge eine sogenannte Top-down-Verarbeitung des Geschmacksempfindens.

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