
Krawall im 276. Franken-Derby? Aufruhr zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg in Deutschlands ältestem Nachbarschaftsduell ist auf dem Rasen vorprogrammiert. Im Franken-Kracher am Sonntag (13.30 Uhr/ XXL-Liveticker auf nordbayern) in Fürth geht es um Prestige und sogar die Existenz der Gastgeber in der 2. Fußball-Bundesliga. Während die Nürnberger als Tabellenachter schon gerettet sind, stecken die Fürther als Vorletzter vor dem 32. Spieltag mittendrin im Abstiegskampf.
„Wir brauchen die Punkte, wir brauchen den Sieg“, verkündete Trainer Heiko Vogel vor Deutschlands Rekord-Derby und verriet die Herangehensweise seiner Mannschaft. „Auf Krawall gebürstet“ werde sie antreten. „Das heißt, dass wir unser Heil so suchen, wie wir es die ganze Zeit versucht haben: Den Gegner früh unter Druck setzen, Dominanz über Ballbesitz ausspielen.“
Vogels Debüt in der Hinrunde
Und was hält sein Gegenüber Miroslav Klose von der Krawall-Ankündigung des Rivalen? „Das ist doch schön. Das Gleiche habe ich meiner Mannschaft auch gesagt“, meinte Klose, der in seinen drei Derbys als Club-Coach ungeschlagen ist. In der Hinrunde trennten sich beide Mannschaften 2:2 - es war das Debüt von Vogel beim Kleeblatt-Verein.
„Für mich geht‘s um einen Titel“, sagte der Fürther Coach vor dem zum Rückspiel erhobenen zweiten Aufeinandertreffen mit den Nürnbergern in dieser Saison. Mit „voller Vorfreude und voller Wucht“ werde seine Mannschaft auflaufen - und vielleicht sogar die Fehde mit Pfosten und Latte beenden. „Wir sind auf Kriegsfuß mit dem Aluminium. Wir hoffen, dass wir dieses Kriegsbeil zum Wochenende hin begraben können“, äußerte Vogel, dessen Fürther nur einen Punkt hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz liegen.
Mathenia als Nachhilfelehrer
Die Nürnberger wiederum haben acht Zähler mehr als der fränkische Konkurrent. Klose will aber keine Bequemlichkeit zulassen. „Immer wenn Druck drauf ist, haben wir ganz ordentliche bis sehr gute Spiele gemacht und viele Punkte und Siege geholt. Wenn es etwas lockerer wurde und um nix mehr ging, haben wir ganz schlecht abgeliefert“, beschrieb Klose die wechselhaften Leistungen seiner Mannschaft. „Wir wollen die Saison vernünftig beenden.“
Als Nachhilfelehrer in Sachen Mentalität fungierte Ersatztorwart Christian Mathenia. Der 34 Jahre alte Schlussmann bläute den mit den Derby-Gepflogenheiten weniger vertrauten Nürnbergern die Bedeutung des Nachbarschaftsduells ein. „Das macht er schon die ganze Woche und macht es auch gut“, bemerkte Klose, der einen Einsatz seines am Oberschenkel verletzten Topstürmers Mohamed Ali Zoma offen ließ.
Klose erwartet ein „sehr emotionales und sehr spannendes“ Derby. Den Abstieg wünscht er dem Rivalen aber ganz sicher nicht. „Damit beschäftige ich mich gar nicht. Das wär sogar bösartig, wenn man sich wünscht, dass sie absteigen. Das ist überhaupt nicht mein Gedanke“, betonte der Weltmeister von 2014. „Ich würde gerne nächstes Jahr wieder zwei Derbys spielen.“