
Deutschen und spanischen Strafverfolgungsbehörden ist es gelungen ein Callcenter für Schockanruf-Betrug aufzudecken und zu zerschlagen. Die Betrüger hatten hierfür eine Ferienwohnung in Madrid gemietet. Die Ermittlungen wurden durch die KPI-Z Oberfranken unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Bamberg in Zusammenarbeit mit der spanischen Policia Nacional (zentrale Cybercrime-Einheit) geführt.
Nach derzeitigem Ermittlungsstand gaben sich die Anrufer als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Angehörige aus und täuschten eine Notlage vor. Den Geschädigten sei erklärt worden, ein naher Angehöriger habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und könne nur durch die Zahlung einer hohen Kaution einer Inhaftierung entgehen. Ohne polizeiliches Eingreifen wären Betroffene zur Übergabe von Bargeld, Gold oder Wertgegenständen veranlasst worden, dies konnte durch Maßnahmen von Polizei und Staatsanwaltschaft häufig verhindert werden.
Vier Festnahmen in Madrid
Die Polizeibeamten konnten vier Hauptverdächtige identifizieren. Einen 37-Jährigen aus Hamburg, eine 33-jährige Ehefrau sowie zwei weitere Personen (23 und 30 Jahre alt). Sie agierten als sogenannte „Keiler“, also falsche Polizeibeamte, und als „Heuler“, also falsche Angehörige. Ihre Spur führte die Beamten bis an die angemietete Wohnung in Madrid. Von dort aus betrieb die Bande das Callcenter. Den Einsatzkräften gelang es, alle vier Hauptverdächtigen festzunehmen und zahlreiche Beweis- und Tatmittel zu beschlagnahmen, so beispielsweise Handys und SIM-Karten.
Durchsuchung in Hamburg
Außerdem untersuchten Einsatzkräfte des Hamburger Landeskriminalamtes den Wohnsitz des 37-Jährigen. Hier konnten erhebliche Vermögenswerte sichergestellt werden. So beispielsweise Gold und hochwertigen Schmuck.
Gegen die vierköpfige Bande wurden nun nationale und europäische Haftbefehle unter anderem wegen des Verdachts des versuchten banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in mehreren Fällen erlassen. Die spanischen Behörden bereiten die Auslieferungen nach Deutschland vor, um hier unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Bamberg das weitere Strafverfahren zu betreiben.
Hoher Schaden
Die KPI-Z Oberfranken wertet derzeit mehrere hundert bis tausend „Schockanrufe“ aus und sichert Beweismaterialien. Zum Zeitpunkt der Festnahmen konnten Taten konkret mit Forderungssummen von jeweils rund 90.000 Euro identifiziert werden. Es gibt jedoch bereits jetzt schon Hinweise auf eine Vielzahl von weiteren Betrugsanrufen mit Geldforderungen.
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