Mindelheim - Infektionen mit dem Borna-Virus sind selten, enden aber oft tödlich. Jetzt gibt es in Bayern einen weiteren Fall. Das Robert Koch-Institut gibt Hinweise zum Schutz.

Erneut ist in Bayern ein Mensch an den Folgen einer Infektion mit dem Borna-Virus gestorben. Die Infektion wurde im Raum Bad Wörishofen im Landkreis Unterallgäu nachgewiesen, wie das zuständige Gesundheitsamt mitteilte. Wo und auf welchem Weg sich die Person angesteckt hat, ist bislang unklar. Angaben zu Alter und Geschlecht machte die Behörde aus Datenschutzgründen nicht.

Infektionen mit dem Borna-Virus gelten als extrem selten. Nach Angaben des Robert-Koch-Institut (RKI) werden in Deutschland jährlich etwa fünf bis zehn Fälle registriert, rund 90 Prozent davon in Bayern. Für die Bevölkerung ist das Risiko einer Ansteckung entsprechend gering. Kommt es jedoch zu einer Erkrankung, verläuft sie häufig schwer und kann lebensbedrohlich sein.

Zu Beginn treten unspezifische Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Innerhalb weniger Tage können neurologische Beeinträchtigungen hinzukommen, darunter Verhaltensauffälligkeiten sowie Sprach- und Gangstörungen. Im weiteren Verlauf kann sich nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Bayern (LGL) eine schwere Gehirnhautentzündung entwickeln, die bis zum Koma führen kann. Eine spezifische Therapie gegen das Borna-Virus existiert bislang nicht, so das RKI.

Feldspitzmäuse als Überträger

Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) kommt in der Feldspitzmaus vor. Experten gehen davon aus, dass eine Übertragung auf den Menschen über Kontakt mit Ausscheidungen dieser Tiere erfolgt. Infizierte Spitzmäuse scheiden das Virus unter anderem über Kot, Urin, Speichel und Hautschuppen aus, erkranken dabei selbst jedoch nicht.

Als mögliche indirekte Übertragungsquelle könnten außerdem Hauskatzen, die infizierte Spitzmäuse jagen, eine Rolle spielen. Nach Einschätzung des LGL Bayern ist denkbar, dass an Fell oder Pfoten haftende Geweberückstände infektiös sein könnten. Ein solcher Übertragungsweg ist bislang jedoch nicht wissenschaftlich belegt. Vorsorglich raten Experten dennoch, den engen Kontakt zur Katze für einige Stunden zu vermeiden, sollte man merken, dass sie eine Spitzmaus gefangen hat.

Der Erreger ist bei den Tieren seit langem bekannt. Erst 2018 wurde allerdings nachgewiesen, dass BoDV-1 auch auf den Menschen übertragbar ist und dort einen meist tödlichen Krankheitsverlauf auslösen kann. Seit 2020 ist die Erkrankung meldepflichtig.

Empfohlene Schutzmaßnahmen

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, lebende oder tote Feldspitzmäuse nicht mit bloßen Händen zu berühren. Beim Entfernen einer toten Maus oder ihrer Ausscheidungen oder beim Reinigen möglicher kontaminierter Bereiche - etwa in Schuppen oder auf Dachböden - sollten Handschuhe, Schutzbrille und eine Feinstaubmaske getragen werden. Anschließend sollten die Hände und die Kleidung gründlich gewaschen werden. Kadaver sollten in verschlossenen Plastiktüten über den Hausmüll entsorgt werden.

Bereits mehrere Todesfälle in Bayern

Bereits in den vergangenen Monaten waren in Bayern Borna-Virus-Infektionen mit tödlichem Verlauf bekannt geworden. Im März wurde ein Fall im Landkreis Erding gemeldet. Im Herbst 2025 starb im Landkreis Tirschenreuth ein 57 Jahre alter Mensch. Wenige Monate zuvor waren zwei Menschen aus dem oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm an dem Borna-Virus gestorben. Eine gemeinsame Ursache für die räumliche Häufung konnte bislang nicht festgestellt werden.

Der aktuelle Fall aus dem Raum Bad Wörishofen wird weiterhin untersucht. Die Gesundheitsbehörden arbeiten daran, den möglichen Infektionsweg zu klären.