Hof - Große Veränderung für ein bayerisches Kulturerbe: Das Hofer Schlappenbier kommt bald nicht mehr aus Hof. Ab 2027 wird es außerhalb Frankens gebraut - trotz Kritik aus der Region.

Der Schlappentag ist für viele Hoferinnen und Hofer in etwa so wichtig wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Das fast 600 Jahre alte Schützen- und Handwerkerfest zählt zu den ältesten in Deutschland und wurde 2019 als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Gefeiert wird es jedes Jahr eine Woche nach dem Pfingstmontag - in diesem Jahr also am 1. Juni. Zentraler Bestandteil des Festes ist das eigens für den Anlass gebraute Schlappenbier. Bislang stammte es aus einer Hofer Brauerei - doch das wird sich künftig ändern.

Am Dienstag (28. April 2026) hat die Privilegierte Scheibenschützengesellschaft Hof (PSSG), die das Fest ausrichtet, einstimmig beschlossen: Ab 2027 kommt das Bier zum Hofer Schlappentag nicht mehr aus Franken. Die Veranstalter wollen an der Zusammenarbeit mit der Brauerei Scherdel festhalten, obwohl die Braustätte der Brauerei in Hof Ende 2026 geschlossen wird. Die Produktion der Scherdel-Biere soll aus wirtschaftlichen Gründen ins sächsische Neuensalz im Vogtlandkreis verlagert werden.

Entscheidung gegen lokale Alternative

Die Entscheidung sei der Gesellschaft nicht leichtgefallen, heißt es in einer Stellungnahme auf der Website der Stadt Hof. Zumal sich auch die in Hof ansässige Traditionsbrauerei Meinel Bräu um die künftige Herstellung des Festbiers beworben hatte. „Uns ist bewusst, wie emotional die Frage der Herkunft des Schlappenbiers ist“, so die PSSG. Man habe sich für „die Fortsetzung einer professionellen und vertrauensvollen Partnerschaft“ entschieden - auch wenn dies bedeute, dass das Bier künftig nicht mehr aus Franken stammt.

Mit „tiefem Bedauern“ reagiert die Veranstalterin des Schlappenfestes auf die bevorstehende Schließung der Scherdel-Braustätte. „Fast 200 Jahre Braugeschichte dieser Brauerei in Hof gehen damit zu Ende, was schmerzhaft für die (leider wohl ehemalige) Bierstadt Hof ist“, heißt es. Gleichzeitig zeigt sich die PSSG überzeugt, dass die Qualität des Schlappenbiers unabhängig vom Produktionsstandort erhalten bleibe: „Das Schlappenbier wird so gut sein wie eh und je - egal, auf welcher Seite der bayerisch-sächsischen Grenze es gebraut wird.“

Enttäuscht zeigt sich die Meinel Bräu GmbH über die Entscheidung. Aus ihrer Sicht habe sich ein Großteil der Bevölkerung eine Lösung aus Hof gewünscht, erklärt sie in einem Statement der Stadt Hof. Die PSSG habe sich „für den vermeintlich einfacheren Weg“ entschieden, statt ein Bekenntnis zum lokalen Brauhandwerk zu setzen.

Ende einer traditionsreichen Braustätte

Bereits im vergangenen Herbst hatte die Kulmbacher Gruppe als Eigentümerin der Brauerei Scherdel angekündigt, den Standort Hof zu schließen. Die traditionsreiche Braustätte soll Ende 2026 endgültig aufgegeben werden, da ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich sei. Kulmbacher hatte Scherdel im Jahr 2003 nach deren Insolvenz übernommen.

Der Bierkonsum geht in Deutschland schon seit Jahren zurück. Zugleich steigen die Rohstoffpreise. Das setzt viele Brauereien unter Druck.