Innsbruck - Ausgerechnet in den Pfingstferien wird die Brennerautobahn stundenlang komplett gesperrt. Der ADAC spricht von einem „verkehrspolitischen Schreckensszenario“. Was Urlauber für den morgigen Samstag wissen sollten.

Am 30. Mai wird am Brenner nichts mehr gehen. Acht Stunden Vollsperrung, mitten in den Pfingstferien: Für Tausende Urlauber, die am Samstag Richtung Süden wollen oder die Heimreise nach Deutschland antreten wollen, könnte es ein sehr langer Tag werden.

Wegen einer Demonstration bleibt die Brennerautobahn, die wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Alpen, komplett für Pkw, Lkw und Motorräder gesperrt. Auch das Auswärtige Amt hat bereits einen Reise- und Sicherheitshinweis für den Tag herausgegeben und warnt vor „massiven Einschränkungen im Reiseverkehr“. Was das Amt und der Automobilclub ADAC Urlaubern raten, die am Samstag rechtzeitig ans Ziel kommen wollen, erklären wir hier.

Brenner-Sperrung in den Pfingstferien: Wie schlimm wird es?

Ein „verkehrspolitisches Schreckensszenario“ werde Realität, sagt der ADAC. Von 11 bis 19 Uhr soll die zu Urlaubszeiten ohnehin vielbefahrene und stauträchtige Urlaubsroute auf der Autobahn 13 zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brenner an diesem Tag dicht sein. „Und das mitten in den Pfingstferien“, da sei „Chaos vorprogrammiert“, so die Verkehrsexperten.

Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt haben nämlich Ferien. An die 14 Millionen Fahrzeuge im Jahr sind auf der Brennerautobahn unterwegs. Eine nahezu vollständige Blockade der Route durch das zum Pass führende Wipptal ist in Friedenszeiten sehr ungewöhnlich.

Stau-Chaos zu Pfingsten am Brenner: Gibt es Ausweichrouten?

Schwierig. „Da der Reiseverkehr regelmäßig auch die Tauernautobahn A10 an ihre Grenzen bringt, ist es utopisch zu denken, dass der komplette Verkehr vom Brenner auf die Tauernautobahn umgelenkt werden kann“, meint Alexander Kreipl, Verkehrsexperte des ADAC Südbayern. „Auch Routen über den Reschenpass, das Timmelsjoch oder die Felbertauernstraße sind nicht dafür geeignet, die zusätzliche Verkehrslast zu tragen.“

Das Land Tirol kündigt an: Man werde den Durchgangsverkehr „großräumig“ über die Schweiz und über benachbarte Bundesländer umleiten. Auch in die Navigationssysteme sollen die Informationen einfließen.

„Transitreisende sollen am 30. Mai nicht bis an die Grenzen Tirols fahren, sondern vorher großräumig - etwa am Inntaldreieck, bei Rosenheim oder bei Verona - bereits auf Alternativrouten ausweichen“, sagte Enrico Leitgeb, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Polizei.

Auswärtiges Amt mit Reisehinweis: Mehr Verkehr auch vor und nach dem 30. Mai

Auch das Auswärtige Amt hat reagiert und einen offiziellen Reise- und Sicherheitshinweis herausgegeben. Demnach ist am 30. Mai nicht nur die Brennerautobahn A13 zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brenner in beide Richtungen gesperrt - auch die Bundesstraße B182 sowie die L38 Ellbögener Straße sind für den Durchzugsverkehr dicht. Die Behörde warnt eindringlich: Eine echte Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Wer kann, sollte Tirol an diesem Tag weiträumig umfahren oder die Reise zeitlich verschieben. Und auch an den Tagen rund um den 30. Mai ist mit deutlich mehr Verkehr zu rechnen.

Wie sieht es mit Schleichwegen aus?

Auch schlecht. Die Tiroler Landesregierung kündigte an, nicht nur die Autobahn zu sperren, sondern auch den Durchgangsverkehr auf der parallelen Bundesstraße und Landesstraße. „Für Durchreisende ist es am 30. Mai nicht möglich, den Brennerkorridor zu nutzen“, warnte die Landesregierung in Innsbruck schon mal vorsorglich. Auch der ADAC warnt: „Das nachgeordnete Straßennetz ist chronisch überlastet“. Wer hofft, hier trotzdem durchzukommen, könnte Pech haben. Die Polizei kündigte zusätzliche Kontrollen an: „Nicht Berechtigte müssen umdrehen“.

Sollte man trotzdem fahren?

Besser nicht. Auch an den Tagen vor und nach dem 30. Mai werde es eine deutliche Mehrbelastung auf den Straßen geben, so die Prognose des ADAC. Auch die Landesregierung des österreichischen Bundeslandes rät, Tirol großräumig zu umfahren. „Es wird zudem empfohlen, auf nicht notwendige Autofahrten innerhalb Tirols bestmöglich zu verzichten.“

Vielleicht doch besser umplanen?

„Urlauber, die genau am 30. Mai über den Brenner müssen, haben also ein großes Problem“, bringt es der ADAC auf den Punkt und rät, Reisen an dem betroffenen Samstag besser zu vermeiden. „Wer noch spontan umbuchen und damit den Reisetag verschieben kann, sollte dies dringend tun“, sagt Kreipl.

Allen, die doch fahren müssen, empfehlen die Autobahn GmbH des Bundes und der ADAC, ausreichend Getränke und Proviant mitzunehmen und den Wagen vollzutanken. Wer im Stau landet, dem rät der Stauforscher Michael Schreckenberg im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (BR): nicht ständig beschleunigen, nicht abrupt bremsen und nicht dicht auffahren. Daraus nämlich entstünden die Stauwellen, die sich nach hinten durchziehen. „Ganz locker im Fahrersitz bleiben und einfach mitrollen – so schnell wie der Vordermann“, mahnt Schreckenberg im BR.

Warum gibt es die Sperrung?

Der Abschnitt der Brennerautobahn soll für eine Demonstration gegen die immense Verkehrsbelastung umliegender Gemeinden gesperrt werden. Angemeldet hat sie der Bürgermeister von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, als Privatperson. Zweimal war er mit entsprechenden Anträgen gescheitert. 2025 gab das Tiroler Landesverwaltungsgericht mit Blick auf die Versammlungsfreiheit einer Beschwerde statt.

Der Autobahnbetreiber Asfinag geht davon aus, dass während der Sperre am 30. Mai mehr als 32.000 Fahrzeuge den Brenner nicht passieren können werden. Der Brennerpass gilt als meistbefahrene Verkehrsverbindung von Mittel- und Nordeuropa nach Italien.