
Schon seit mehreren Wochen war die 40-Punkte-Marke zum Greifen nahe, gegen Magdeburg überschritt der Club diese nun schließlich. Durch den 1:0-Erfolg entledigte sich der 1. FC Nürnberg ganz offiziell den letzten Abstiegssorgen, die angesichts von drei sieglosen Partien in Folge mancherorts wieder leise zu vernehmen waren.
Die Franken stehen vor ihrer achten Zweitliga-Spielzeit am Stück. Zudem ist der Altmeister erst der zweite Verein im Unterhaus, der Planungssicherheit hat, nachdem in beide Richtungen nichts mehr geht - ein Umstand, der sinnbildlich für die momentane Lage beim FCN steht und die Frage aufwirft: Ist der (frühzeitige) Klassenerhalt sogar ein Erfolg?
Wie gut ist der Nürnberger Kader?
Die Antwort hängt ganz vor der eingenommenen Perspektive ab. Das vor Saisonbeginn von Joti Chatzialexiou formulierte Ziel, unter den ersten Sieben einzulaufen, ist bekannt und dem Sportvorstand nicht selten kritisch ausgelegt worden. Fünf Punkte Rückstand auf den Siebtplatzierten Kaiserslautern lassen immerhin noch theoretische Gedankenspiele zu. In der abschließenden Analyse jedoch sollte es ohnehin zweitrangig sein, ob man nun als Tabellensiebter oder -achter ins Ziel geht - andere Aspekte sind da entscheidender.
Beispielsweise die Frage nach der Kaderqualität und damit verbunden: Steht der Club ungefähr dort, wo er gemessen am Spielermaterial auch vermeintlich hingehört? Miroslav Klose bejahte dies in der Pressekonferenz vor dem knappen Heimsieg gegen den FCM. Unter den Anhängern ist das Meinungsbild weniger klar. Ein allgemeingültiges Urteil kann hier sicherlich nicht getroffen werden.
Dennoch standen gegen Magdeburg - mit Ausnahme von Adriano Grimaldi - reihenweise Akteure in der Startformation, die entweder schon in einer der europäischen Top-5-Ligen gespielt haben oder eher kurz- als langfristig dort unterkommen dürften. Auch beim durchschnittlichen Marktwert rangiert der Club laut dem Portal transfermarkt.de im oberen Zweitliga-Drittel. Freilich kommt den Franken hier auch der Aspekt zugute, dass sie im Ligavergleich den jüngsten Kader stellen.
Schwachstelle Sturm - Koudossou-Verletzung trifft den Club hart
Kritiker der These, wonach der FCN eine höhere Platzierung hätte erreichen müssen, bringen berechtigterweise die völlig missratene Sturmplanung an. Zudem war nach der Langzeit-Verletzung von Henri Koudossou die rechte Abwehrseite über weite Strecken der Saison ein wunder Punkt im Club-Kollektiv. Klose versuchte vieles, doch erst mit der Rückkehr Koudossous kehrte hier wieder Ruhe ein. Hingegen wurde die Mittelfeld-Zentrale, die noch in der Hinrunde das Herzstück des Nürnberger Aufwinds gebildet hatte, im neuen Jahr ohne große Not auseinandergerissen. Was der Klose-Elf dadurch an Physis zugutekam, verlor sie im Spiel mit Ball, sodass sich der zunächst positive Effekt ins Gegenteil umschlug.
Aber zurück zur eingangs formulierten Frage: Ist der Klassenerhalt in Liga zwei für den 1. FC Nürnberg also ein Erfolg? Oder ist er nach Rang zehn im Vorjahr nicht mehr als das Mindeste, trotz vereinzelter Kader-Baustellen? So oder so: Im dritten Klose-Jahr wird es den viel zitierten nächsten Schritt benötigen, trotz etwaiger Abgänge.