Mistelgau - Vor Millionen von Jahren bevölkerten Dinosaurier unseren Planeten. Heute halten sie noch immer die Forschung in Atem. Ein Fund aus Oberfranken ermöglicht nun Einblicke in das Leben eines wahren Überlebenskünstlers.

Auf Visualisierungen sieht der Ichthyosaurier ein wenig aus, wie ein sehr kräftiger Schwertfisch oder ein Delfin mit langem Schnabel. Laut dem Online-Magazin scinexx sei diese Art in der Jura- und Kreidezeit der Herrscher der Meere gewesen. Entscheidend für die Forschung an diesen Urzeit-Lebewesen wird nun ein Fund aus Oberfranken.

In Mistelgau im Landkreis Bayreuth wurden vergleichsweise gut erhaltene Überreste eines Fischsauriers gefunden. Erhalten sind dreidimensionale Schädel- und Unterkieferelemente, Schultergürtel, beide Vorderflossen, die vordere Wirbelsäule, die hinteren Wirbelkörper, über 100 Zähne und vier Gastrolithen (Magensteine). Die Untersuchung dieser Knochenfunde förderte nun aufschlussreiche Erkenntnisse zu Tage, die jüngst in der paläontologischen Journal Zitteliana veröffentlicht wurden.

Ausgehend von der Unterkieferlänge berechnen die Wissenschaftler die Größe des Sauriers auf etwa 6,6 Meter. Aus dem Teilskelett ergeben sich neue Erkenntnisse über die Anatomie und Morphologie verschiedener Skelettelemente. Hierzu zählen wichtige Details des Zwischenkiefers sowie des Gaumens, der Skleralplatten und des Gebisses. Die erhaltenen Vorderflossenelemente tragen zudem zum Verständnis der Fortbewegung bei.

Die Wissenschaftler dokumentierten Verletztungen des Tieres unter anderem an Schulter- und Kiefergelenk. Die Forschenden gehen davon aus, dass unter anderem die Beweglichkeit der rechten Vorderflosse erheblich beeinträchtigt gewesen sein muss und das Tier vermutlich unter Schmerzen litt.

Erschaunlicher Dino-Fund in Oberfranken: Verletztungen plagten Urzeit-Reptil

„Die Verletzungen dürften das Tier beim Beutefang deutlich eingeschränkt haben“, erklärt Stefan Eggmaier, Präparator am Urwelt-Museum Oberfranken in Bayreuth und Autor der Studie in einer Pressemitteilung des Informationsdienstes Wissenschaft (idw). „Dass es dennoch überlebt hat, zeigen unter anderem seine stark abgenutzten Zähne und Magensteine, die wir im Bauchraum nachweisen konnten.“ Magensteine sind bei Fischsaueriern extrem selten. Vermutlich musste das Tier seine Beutefang- und Ernährungsstrategien umstellen. Das könnte den außergewöhnlichen Fund im Magen erklären.

Das Skelett, beziehungsweise der Fundort, zeigen zudem, dass Fischsaurier der Gattung Temnodontosaurus im südwestdeutschen Meeresbecken offenbar länger existierten als bisher angenommen. „Unser Temnodontosaurus-Fossil gehört zu den jüngsten Funden dieser Fischsauriergattung überhaupt. Bisher kennen wir deren Vertreter hauptsächlich aus älteren Fundschichten, wie dem Posidonienschiefer von Holzmaden. Der Fund aus Mistelgau zeigt nun, dass diese großen Meeresreptilien im südwestdeutschen Meersebecken länger überlebt haben als bisher dokumentiert“, wird Paläontologin und Studienautorin Ulrike Albert in der Mitteilung des idw zitiert.