Herzogenaurach - Öffentliche Vorwürfe gegen den Fürther DJ Avaion erschüttern derzeit die elektronische Musikszene. Festivals und Clubs reagieren mit Absagen - auch das Open Beatz hat ihn aus dem Line-Up entfernt.

Auslöser der aktuellen Debatte sind Vorwürfe einer jungen Frau, die angibt, mehrere Jahre mit Avaion liiert gewesen zu sein. In einem ausführlichen YouTube-Video und begleitenden Instagram-Posts schildert sie eine Beziehung, die aus ihrer Sicht von schweren Grenzverletzungen geprägt gewesen sei. Konkret erhebt sie den Vorwurf, sie habe sexualisierte Gewalt, körperliche Übergriffe, psychischen Missbrauch, Manipulation und Stalking erlebt. Zur Untermauerung der Vorwürfe blendet sie in dem YouTube-Video Screenshots von privaten Nachrichten, Dokumenten und weiteren Inhalten ein. Die Echtheit dieser Screenshots lässt sich derzeit jedoch nicht bestätigen. Auch eine gerichtliche Prüfung der Vorwürfe gibt es bisher nicht. Für DJ Avaion gilt die Unschuldsvermutung.

Avaion selbst reagierte kurz nach Bekanntwerden der Anschuldigungen mit einer knappen Stellungnahme in einer mittlerweile nicht mehr abrufbaren Instagram-Story. Mehrere Medien berichten jedoch übereinstimmend, dass der Inhalt folgendermaßen lautete: „Ich bin bestürzt über die gegen mich erhobenen Vorwürfe. Die Situation belastet mich sehr. Mir ist bewusst, dass viele von euch eine Stellungnahme erwarten. Ich werde mich zu den Vorwürfen äußern, bitte jedoch um Verständnis, dass ich zunächst rechtliche Schritte einleiten muss.“

„Eine Grenze überschritten“

Vergleichsweise schnell folgte die Reaktion diverser Veranstalter - so entfernte beispielsweise das jährlich in Herzogenaurach stattfindende Open Beatz Festival Avaion aus seinem Line‑up für dieses Jahr. Die Verantwortlichen teilten in einem Instagram-Posting mit, man habe Kenntnis von schwerwiegenden Vorwürfen erlangt und nehme diese sehr ernst. Auch ohne abschließend geprüfte Erkenntnisse habe man sich entschieden, den Auftritt vorerst abzusagen und Avaions Gage an metoodjs zu spenden - ein internationales Netzwerk gegen sexuelle und sexualisierte Gewalt in der elektronischen Musik.

Begründet wurde die Absage unter anderem mit den Worten: „Übergriffiges Verhalten und jede Form von Gewalt haben in unserem Umfeld keinen Platz.“ Eine Bewertung der Vorwürfe oder der Schuldfrage nahm das Festival nicht vor.

Auch das Electric Love Festival in Österreich strich Avaion aus dem Programm. Die Veranstalter erklärten, die Vorwürfe seien ihrer Ansicht nach so schwerwiegend, dass sie eine Grenze überschritten, die man nicht ignorieren könne. Auch mehrere Clubs in deutschen Städten, unter anderem in Hamburg, sagten geplante Auftritte ab. Parallel dazu wurde bekannt, dass die komplette geplante Tour des Künstlers vorerst nicht stattfinden wird. In nahezu allen Statements betonten die Veranstalter, es handle sich um vorsorgliche Entscheidungen angesichts der Schwere der öffentlich erhobenen Anschuldigungen, nicht um eine juristische Vorverurteilung.

„Richtiges Zeichen“

Parallel entwickelte sich eine heftige Debatte auf Social Media. Unter den Beiträgen der beteiligten Festivals und Clubs überwogen zunächst zustimmende Reaktionen. Viele Nutzer lobten die schnellen Absagen als „richtiges Zeichen“ oder als Ausdruck von Verantwortung gegenüber potenziell Betroffenen. Häufig wurde der Wunsch nach „keiner Bühne für mutmaßliche Täter“ geäußert, verbunden mit grundsätzlicher Kritik an Machtstrukturen innerhalb der Szene.

Allerdings melden sich auch andere Stimmen zu Wort: In Kommentaren und Diskussionsbeiträgen wurde wiederholt auf die Unschuldsvermutung verwiesen und darauf, dass bislang keine gerichtliche Klärung vorliege und auch noch ein ausführliches Statement von Avaion fehle.