München - Es ist ein TV-Beben: Ein legendärer Sender meldet nach Jahrzehnten Insolvenz an. Ist damit nun auch Deutschland betroffen?

Er gehörte dazu wie Sitcoms aus den 2000ern nach der Schule. Hier und da flimmerte die Sendung auch mal bei den Eltern oder den Großeltern, bevor man sich mit einer Packung Eistee fertig für den Bolzplatz nach der Schule an einem heißen Sommertag machte: Der Sender QVC. Millionen Menschen weltweit wurden mit teilweise kuriosen Angeboten angelockt. Bestellt wurde noch ganz klassisch per Telefon und nicht etwa im Netz oder per App. Jetzt könnte die jahrzehntelange Geschichte des Kanals jedoch abrupt enden, denn: Laut übereinstimmenden Medienberichten hat der Teleshopping-Sender nun Insolvenz beantragt. Die US-Firmengruppe sollen Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe plagen, berichtet bild.de.

Im Jahre 1986 wurde der Shoppingsender einst in den Vereinigten Staaten von Amerika gegründet. Der Rest ist Geschichte – auch hier in Deutschland. Ab 2017 bekam die Erfolgsgeschichte erstmals Risse. Zu diesem Zeitpunkt fusionierte QVC mit einem weiteren Partner, der ebenfalls wirtschaftlich zu kämpfen hatte: Home Shopping Network (HSN). Der damals noch beinahe unbekannte und heute fast unvorstellbare „Gegner“: Das sogenannte Internet. Mehr und mehr Menschen entdeckten damals die Möglichkeit, im Netz zu teilweise günstigeren Preisen bestellen zu können.

Weiteres Aus in Deutschland nach über 25 Jahren

Ohne, dass man dafür ewig in der Warteschleife mit teilweise unzumutbarer Musik warten muss. Amerika hatte dieses Phänomen aber nicht exklusiv, auch nach Europa schwappte diese Wende. Vor wenigen Wochen erst meldete im März der deutsche Sender Channel21 Insolvenz an – nach über 25 Jahren. Im Nachbarland Österreich verschwand dann MediaShop von den Bildschirmen der TV-Nation.

6,6 Milliarden Dollar Schulden (umgerechnet rund 5,6 Milliarden Euro) hat die QVC-Gruppe angehäuft. Gleichzeitig betont man aber, dass man noch über eine Milliarde Dollar an Liquidität zur Verfügung habe, man somit Händler und Gehälter auch weiter zahlen könne. Das Geschäft werde demnach auch nicht eingestellt, sondern umstrukturiert. In der Zukunft will man nun auch mehr auf Präsenz auf Plattformen wie TikTok setzen und dort Verkäufe via Livestreams anbieten. Ob dieser Move jedoch am Ende zu spät kommt, soll und wird die Zukunft nun zeigen.

So geht es in Deutschland nun weiter

Ebenfalls wichtig zu wissen: Das Insolvenzverfahren betrifft ausdrücklich nur die Unternehmensgruppe in den USA. In Deutschland gehört QVC nämlich zur QVC Handel S.à.r.l. & Co. KG, die als komplett eigenständige Firma agiert. Damit soll hierzulande auch alles weiterlaufen für Kundinnen und Kunden wie gewohnt: Der TV-Sender bleibt weiterhin aktiv, zusätzlich solle aber auch hier vermehrt auf Präsenz im Netz und im Livestream gesorgt werden. Die Kindheitserinnerungen von Millionen Menschen in Deutschland an einen heißen Sommertag nach der Schule bleiben damit vorerst auch weiter an den TV-Bildschirmen der Nation erhalten…