Nürnberg - Wer einen Flug bucht, denkt meist an den Preis und die Destination, aber kaum ans Risiko einer Verspätung. Eine neue Auswertung zeigt aber: Der Abflugzeitpunkt macht einen riesigen Unterschied.

Koffer gepackt, Gate erreicht und dann doch zwei Stunden warten: Viele würden jetzt einfach denken, Pech gehabt - doch dieses Pech folgt tatsächlich einem Muster.

Das Reisetechnologieunternehmen AirHelp, bekannt für die Durchsetzung von Fluggastentschädigungen, hat Flugdaten aus dem Jahr 2025 ausgewertet und untersucht, zu welchen Uhrzeiten, an welchen Wochentagen und in welchen Monaten Flüge ab Deutschland besonders häufig von Verspätungen und Ausfällen betroffen sind. Das Ergebnis liefert tatsächlich klare Muster und praktische Tipps für alle, die stressfrei reisen wollen.

Blick auf Annullierungen und Verspätungen: Das ist die gefährlichste Abflugzeit

Das riskanteste Zeitfenster liegt am späten Abend: Zwischen 23 und 24 Uhr sind durchschnittlich 39 Prozent aller Flüge verspätet oder fallen ganz aus. Am kritischsten wird es dabei in der Viertelstunde zwischen 23 und 23.15 Uhr, hier liegt die Störquote laut der Analyse sogar bei knapp 44 Prozent.

AirHelp-CEO Tomasz Pawliszyn erklärt das Muster so: „Flugpläne sind eng getaktet und reagieren sensibel auf Störungen. Schon kleine Verspätungen am Morgen können sich im Tagesverlauf aufschaukeln und führen dazu, dass insbesondere späte Abflüge deutlich häufiger betroffen sind.“

Doch nicht nur die Häufigkeit, auch die Länge der Verspätungen ist nachts besonders hoch: Im Schnitt warten Passagiere bei Nachtflügen 72 Minuten. Wer zwischen 23.30 und 23.45 Uhr abfliegt, muss im Schnitt sogar 111 Minuten, also fast zwei Stunden, einplanen. Sechs Prozent aller Flüge um 23.45 Uhr verspäten sich dabei um mehr als zwei Stunden.

Auch der Nachmittag ist keine störungsfreie Zone: Um 16 Uhr liegt die Ausfallquote bei 37,9 Prozent, um 15 Uhr bei 37,6 Prozent.

Frühaufsteher haben beim Fliegen klar die Nase vorn - Freitage aber meiden

Hier gilt eher: Wer den Wecker früh stellt, wird belohnt: Abflüge um 5 Uhr weisen mit rund 12 Prozent die geringste Störquote auf, um 4 Uhr liegt sie ebenfalls unter 13 Prozent. Das entspannteste Zeitfenster überhaupt, zumindest was die Störungen betrifft, ist laut AirHelp zwischen 4.30 und 4.45 Uhr - hier sind nur sieben Prozent der Flüge betroffen. Bereits um 6 Uhr steigt die Quote wieder deutlich auf 18 Prozent an.

Wer nicht ganz so früh losmuss oder will: Die geringsten durchschnittlichen Wartezeiten bei aufgetretenen Verspätungen wurden zwischen 9 und 11 Uhr gemessen mit rund 40 Minuten.

Was viele nicht wissen: Auch die Wochentage machen einen Unterschied. Im Wochenverlauf ist der Freitag der unzuverlässigste Reisetag: Rund 29 Prozent aller Abflüge aus Deutschland sind dann verspätet oder fallen aus. Der Samstag liegt mit 28,5 Prozent nur knapp dahinter. Der beste Reisetag ist der Dienstag, mit einer Störquote von lediglich 22 Prozent.

Saisonal gesehen ist der Dezember der störanfälligste Monat: 36 Prozent aller Flüge sind dann betroffen. Dahinter folgen der Juli (35 Prozent) und der September (34 Prozent). Deutlich ruhiger ist das Frühjahr: Im Februar liegt die Quote bei 17,6 Prozent, im März bei 17,8 Prozent, im April bei 18,2 Prozent.