Nürnberg - Viele Menschen setzen inzwischen auf eine fleischfreie Ernährung - dem Tierwohl zuliebe. Doch ist diese Ernährungsform auch etwas für Hund und Katze?

Laut Erhebungen des Goethe Instituts liegt die Zahl der Menschen in Deutschland, die sich vegetarisch ernähren, bei zwischen vier und neun Prozent. Hinzu kommt ein steigender Anteil an Veganern, also Menschen, die sich vollständig pflanzlich ernähren und somit auch weder Milchprodukte noch Eier oder Honig konsumieren.

Die Gründe für diese Entscheidung sind vielfältig: Von Gesundheit über Umweltschutz bis hin zu ethischen Gründen. Wer sich aus Mitgefühl zu Tieren für eine Veggie-Lebensweise entscheidet, steht als Halter von Hund und Katze oft vor einem Dilemma mit dem eigenen Gewissen: Denn Hunde- und Katzenfutter enthält in den allermeisten Fällen schließlich Fleisch, sodass man die Fleischindustrie durch den Kauf des Tierfutters weiter unterstützt, auch wenn man sich selbst eigentlich dagegen entschieden hat.

Vielen stellt sich daher die Frage: Ist es möglich meinen Hund oder meine Katze vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren oder leidet ihre Gesundheit darunter? Fakt ist: In Pargraph 2 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) heißt es: „Wer ein Tier hält oder betreut, muss es artgerecht ernähren, pflegen und unterbringen. Es ist verboten, die Bewegungsmöglichkeiten so einzuschränken, dass dem Tier Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.“

Hunde vegetarisch oder vegan ernähren - ist das möglich?

Für den Menschen, der biologisch als omnivor - also sogenannter „Allesfresser“ gilt, ist eine fleischfreie und pflanzliche Ernährung möglich, insbesondere dann, wenn bei der Ernährung auf Vielfalt und Nährstoffzufuhr geachtet wird.

Hunde gelten laut Tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz (TVT) e.V. als karni-omnivor – also Fleisch-Allesfresser. Man kann sie laut TVT mit Einschränkungen vegetarisch ernähren. Laut Deutschem Tierschutzbund ist gegen eine lakto-ovo-vegetarische Ernährung, sprich eine Ernährung ohne Fleisch, aber dafür mit Ei und Milchprodukten, bei gesunden, ausgewachsenen Hunden nichts einzuwenden, sofern man auf ausreichende Rationen von wichtigen Nährstoffen achtet. Der Hund sollte grundsätzlich regelmäßig auf Nährstoffmängel oder andere Erkrankungen geprüft werden. Nur vegetarische Alleinfuttermittel zu füttern wird nicht empfohlen, da diese Nährstoffe oft nicht in ausreichender Menge enthalten. Auch eine vegane Ernährung ist laut Tierschutzbund „tolerierbar“ - sofern man auf eine „bilanzierte Ernährung mit exakter und individualisierte Rationsberechnung“ achtet.

Kann ich meine Katze vegetarisch oder vegan ernähren?

Katzen hingegen sind karnivor, das heißt, ihr Körper ist auf fleischhaltige Nahrung angewiesen, da ihr Stoffwechsel sonst nicht in der Lage ist Vitamine wie A und D herzustellen, sie ihren hohen Eiweißbedarf nicht decken können und auch die für Katzen lebenswichtige Aminosäure Taurin nicht bekommen. Ein Mangel kann Netzhaut-, Herz-, und Nervenfunktion sowie Immunsystem der Katzen stark beeinträchtigen.

Seitens des Deutschen Tierschutzbunds e.V. heißt es: „Eine rein vegane Ernährung von Katzen ist aus Tierschutzsicht abzulehnen.“ Möglich sei - allerdings nur bei engmaschiger Kontrolle und Rücksprache durch und mit einem Tierarzt - eine lakto-ovo-vegetarische Diät. Zusätzlich müsste einer Katze Taurin verabreicht werden, heißt es in dem Informationsblatt.

Studien sagen vegane Katzen seien gesünder - was ist dran?

Eine Studie der University of Winchester im britischen Hampshire, England, behauptet allerdings das Gegenteil: Hierfür meldeten Besitzer von 1369 Katzen ein Jahr lang regelmäßig Informationen zur Ernährung und zum Gesundheitszustand ihrer Stubentiger. Das Ergebnis: Katzen, die vegan ernährt wurden, gesünder als die, die fleischhaltiges Futter fraßen. Sie wurden weniger mit Medikamenten behandelt und litten seltener unter bei Katzen häufig vorkommenden Erkrankungen. Das Studienteam selbst ordnet diese Unterschiede als statistisch nicht signifikant ein, sieht jedoch einen Trend, da eine kanadische Studie bereits ähnliche Ergebnisse lieferte.

In National Geographic äußert sich Dr. Anja Coellfen, Tierärztin am akkreditierten Fachlabor für veterinärmedizinische Diagnostik Laboklin in Bad Kissingen, zu der Studie aus England. Zwar sei die Menge der untersuchten Tiere groß genug um eine Aussagekraft zu haben, jedoch hapere es durchaus an der Qualität der Daten.

Sie bemängelt, dass Halterinnen und Halter den Zustand ihrer Tiere womöglich oft fehleinschätzen, da sich Katzen oft lange nicht anmerken lassen, dass es ihnen schlecht geht. Es sei zudem möglich, dass Halter und Halterinnen, die von einer veganen Ernährungsweise überzeugt sind, unterbewusst dazu neigen, positive Effekte stärker wahrzunehmen. Ein weiterer großer Knackpunkt: Einige der für die Studie vegan ernährten Katzen waren Freigänger. Somit ist nicht auszuschließen, dass sie auf ihren Streifzügen Mäuse oder Vögel gefangen und gefressen oder sich am Futternapf eines Nachbarn bedient haben.

Um zu testen, wie sich eine vegane Ernährung wirklich auf den Stoffwechsel von Katzen auswirkt, müsste man eine große Menge von ihnen jahrelang unter Laborbedingungen halten und beobachten - was aus Gründen des Tierschutzes nicht erlaubt ist.

Fazit: Bewusster Konsum aus Tierliebe

Aus Tierliebe heraus als Mensch auf Fleisch zu verzichten ist absolut legitim. Um Tierschutz konsequent umzusetzen sollte allerdings auch die Ernährung der Haustiere artgerecht sein - was insbesondere für Katzenbesitzer den Kauf von tierischen Produkten voraussetzt. Die Menge an tierischen Produkten in der Fütterung bei Hunden zu reduzieren, ist möglich, wenn man die Gesundheit seines Tieres engmaschig prüft. Jeder Tierbesitzer hat zudem die Möglichkeit, Futter mit Fleisch aus besseren Haltungsformen zu kaufen.