Nürnberg - Rekordpreise an der Zapfsäule, explodierende Kosten im Alltag – und Ölkonzerne, die täglich Millionen mehr verdienen. Wer profitiert und warum zahlen wir in Deutschland besonders viel?

Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar sind die Kraftstoffpreise stark gestiegen. Auf dem bisherigen Höhepunkt kurz nach Ostern war ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt um gut 70 Cent teurer als vor Kriegsbeginn, ein Liter Super E10 um gut 41 Cent, wie Zahlen des ADAC zeigen. Erste Maßnahmen der Bundesregierung verpufften zunächst. Im Vergleich zu vielen anderen EU-Ländern ist Kraftstoff in Deutschland ohnehin oft teurer. Doch wie entstehen die Preise an der Zapfsäule, wer profitiert wirklich – und warum zahlen wir hierzulande mehr als die Nachbarn?

Benzin und Diesel: So entstehen die Spritpreise

Steuern und Abgaben machen häufig mehr als die Hälfte des Spritpreises aus. Die drei wichtigsten Posten: die Energiesteuer (ehemals Mineralölsteuer), die CO₂-Abgabe und die Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Die Energiesteuer allein schlägt bei Benzin mit 65,45 Cent pro Liter zu Buche, bei Diesel mit 47,04 Cent. Die CO₂-Abgabe liegt 2026 je nach Zertifikatspreis bei etwa 15,7 bis 18,6 Cent pro Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent pro Liter Diesel. Beide Abgaben verändern sich nicht kurzfristig mit dem Marktpreis – die CO₂-Abgabe steigt jedoch langfristig durch gesetzliche Vorgaben. Anfang April 2026 betrug der Steuer- und Abgabenanteil laut ADAC im Schnitt rund 54 Prozent bei E10 und rund 43 Prozent bei Diesel.

Dazu kommen die Marktkräfte. Der Weg des Rohöls zur Zapfsäule ist lang: Nach dem Einkauf folgen die Weiterverarbeitung zu Benzin oder Diesel sowie der Transport und die Belieferung. Jede Station kostet und beeinflusst den Endpreis. Der globale Rohölpreis schwankt und ist auch von politischen Lagen abhängig. Zudem spielt der Dollar-Kurs eine große Rolle: Da Erdöl weltweit fast ausschließlich in US-Dollar gehandelt wird, verteuert ein starker Dollar automatisch den Sprit in Europa.

Wer profitiert von den hohen Spritpreisen?

Eine im Auftrag von Greenpeace erstellte Studie sorgte zuletzt für Aufsehen: Demnach machen Ölkonzerne seit Beginn des Iran-Kriegs täglich 21 Millionen Euro mehr Profit – weil die Spritpreise deutlich stärker gestiegen seien als die Rohölpreise. Autor Steffen Bukold macht dafür vor allem mangelnden Wettbewerb in Deutschland verantwortlich. Die Behauptung der Mineralölindustrie, sie gebe lediglich die Weltmarktbewegungen weiter, weist die Studie zurück. Auch das Argument, Preise an der Zapfsäule müssten vorsorglich steigen, weil die Dauer der Blockade der Straße von Hormus nicht absehbar sei, lässt Bukold nicht gelten: „Hier wird das unternehmerische Risiko auf die Verbraucher abgewälzt.“

Auch der Staat profitiert – zumindest indirekt: Höhere Spritpreise spülen über die Mehrwertsteuer mehr Geld in die Staatskasse. Hohe Ölpreise bremsen allerdings die Wirtschaft – was letztlich auch die Steuereinnahmen insgesamt drücken kann.

Die Tankstelle vor Ort hingegen hat wenig vom Preishoch. Laut Tankstellen-Interessenverband bleiben im Schnitt nur etwa zwei Cent Provision pro Liter – davon müssen Personal, Miete, Energie und Investitionen bezahlt werden.

Warum ist der Sprit in Deutschland teurer als in anderen EU-Ländern?

In Deutschland sind die Steuern und Abgaben höher als in vielen anderen EU-Ländern. Viele Nachbarländer verzichten etwa auf einen vergleichbar hohen CO₂-Aufschlag, einige deckeln die Kraftstoffpreise sogar per Dekret. Hinzu kommt die Marktstruktur: In Deutschland dominieren wenige Großkonzerne. Sie sind zugleich Rohölproduzenten, Raffinerien, Großhändler und Tankstellenbetreiber. Diese vertikale Verflechtung verschafft ihnen eine starke Marktstellung – und Kritikern reichlich Angriffsfläche.

Beispiel: So setzt sich der Spritpreis zusammen

Ein Liter Super E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Sonntag, 12. April, 2,100 Euro – aufgeteilt in vier Komponenten:

  • 65,5 Cent sind auf die Mineralöl- und Ökosteuer zurückzuführen.
  • 33,5 Cent kommen durch die Mehrwertsteuer hinzu.
  • 15,7 Cent macht der CO₂-Preis aus.
  • 95,3 Cent sind die Kosten für Rohstoff, Aufbereitung, Transport, Verkauf und Gewinn der Mineralölindustrie

Ein Liter Diesel kostete am selben Tag 2,293 Euro. Der Steueranteil ist hier geringer – dafür ist der Anteil der Industrie deutlich größer:

  • 47,0 Cent sind auf die Mineralöl- und Ökosteuer zurückzuführen.
  • 36,6 Cent kommen durch die Mehrwertsteuer hinzu.
  • 17,3 Cent macht der CO₂-Preis aus.
  • 128,3 Cent sind die Kosten für Rohstoff, Aufbereitung, Transport, Verkauf und und Gewinn der Mineralölindustrie

Hohe Spritpreise: Regierung plant Entlastung

Für Autofahrerinnen und Autofahrer bleibt die Lage vorerst angespannt. Die schwarz-rote Koalition plant angesichts der hohen Spritpreise eine Entlastung. Dazu soll die Energiesteuer bei Diesel und Benzin um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter, begrenzt auf zwei Monate, gesenkt werden, wie CDU, CSU und SPD in Berlin mitteilten. Die Bundesregierung erwarte, dass die Mineralölbranche die Entlastung weitergebe. Die Koalition will es zudem Arbeitgebern im Jahr 2026 ermöglichen, eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro zu zahlen.