
In Anbetracht des ernüchternden 1:1-Remis gegen Abstiegskandidat Braunschweig am Ostersonntag wollte Miroslav Klose beim ausverkauften Heimspiel gegen Dresden von seiner Mannschaft eine „Reaktion“ sehen - bekommen haben er und die rund 37.000 Clubfans am Samstagnachmittag stattdessen reichlich Kopfschmerz. Bei der 0:2-Niederlage lieferte der FCN einen besorgniserregend schwachen Auftritt ab - den zweiten in Folge. Und das obwohl die Gäste mit dem Ausfall einiger Stammspieler ersatzgeschwächt im Max-Morlock-Stadion antreten mussten.
Kein Wunder, dass Kloses Analyse frostig ausfällt: „Ein verdienter Sieg für Dresden, in allen Belangen. Wir waren viel zu träge. In solchen Spielen geht es darum, wer es mehr will, das hat man bei meiner Mannschaft nicht gesehen. Wir müssen viel bessere Entscheidungen treffen, wir haben zu lange den Ball verschleppt, das war nicht so, wie ich das von meiner Mannschaft kenne. Ich will keinen rausnehmen aber auch keinen loben, weil das absolut nicht der Zeitpunkt dafür ist.“
Das Unheil nimmt in Hälfte Zwei seinen Lauf, als Augsburg-Leihgabe Henri Koudossou eine scharfe Hereingabe von Dresdens Vermeij klären will und den Ball dabei ins eigene Tor befördert: ,„Komplett blöd. Ich bin extrem enttäuscht und sauer auf mich, das war absolut nicht nötig. Ich hätte den Ball mit links klären oder ihn vielleicht sogar annehmen müssen. So etwas darf einfach nicht passieren. Ich habe es der Mannschaft unfassbar schwer damit gemacht, das tut mir extrem Leid“, sagt der geknickte Verteidiger nach Spielende.
Bezeichnend ist, dass die Entscheidung zum Dresdner 2:0 nach einer Ecke der Hausherren fällt. „Beim zweiten Tor werden wir ausgekontert, das darf uns auch nicht passieren. Das war heute einfach zu wenig“, erklärt der erneut blasse Julian Justvan. Deutlich drastischere Worte findet der Nürnberger Anhang im Netz. So sind auf der Facebook-Seite des Vereins zahllose Kommentare zu finden, die die Gemütslage der enttäuschten Fans widerspiegeln.
„Zu wenig? Das war mehrfach GAR NIX“, „Unter aller Sau“ oder „Bodenlose Frechheit diese Leistung. Für was trainiert ihr die ganze Woche?“ sind nur wenige ausgewählte Beispiele aus einer Flut an Wut-Nachrichten. Die Klose-Elf wird unter anderem als „Standfußballer“ und „Charakterlose Truppe“ bezeichnet, ein weiterer deftiger Kommentar lautet: „Geht‘s eigentlich noch, die Herren Profis und Trainer? Ein klassisch abgeschenkter Sommerkick, in dem die Dresdner 11 Kilometer mehr gelaufen sind.“
Zur ganzen Wahrheit gehört, dass sich die Gäste nicht hätten beschweren können, hätten sie in Halbzeit eins nur noch zu zehnt gespielt. Nach etwa 35 Minuten kam es zu einer höchst strittigen Szene: Zoma geht am letzten Mann der Dresdner vorbei - und anschließend nach leichtem gegenseitigen Klammern zu Boden. Die Bilder zeigen eigentlich, dass er von Gegenspieler Pauli mit dem Arm heruntergezogen wird. Doch Schiedsrichter Bickel winkt sofort ab. „Von hinten sah es für mich klar aus, wie ein Foul. Am Ende bringt er Zoma zu Fall und dann muss es für mich eine rote Karte sein - und dann läuft das Spiel vielleicht auch anders“, sagt Justvan. „In der Kabine waren viele der Meinung, das war ein Foul“, ergänzt der spätere Pechvogel Koudossou.
Müßig im Nachhinein zu spekulieren, was gewesen wäre - klar ist: Der FCN hatte gegen vorhersehbare Dresdner keine Antworten: „Wir arbeiten daran, dass wir Konstanz reinbekommen, aber davon war nichts zu sehen. Wir haben uns viel vorgenommen und wussten, dass die Dresdner auf uns losgehen werden,“ erklärt Klose. Und doch vermag es seine Mannschaft nicht, zu liefern. „Jeder muss sich bewusst sein, dass es noch nicht vorbei ist und wir alles geben müssen. Wir sind noch nicht durch,“ warnt auch Justvan. Es gehe um die Entwicklung als Mannschaft. „Wenn der Stamm bleibt, das sind viele Spieler die bleiben, dann ist es in Hinblick auf die nächste Saison wichtig, dass wir versuchen besser zu werden.“ Die Marschrichtung für die letzten Wochen der Saison ist klar, fraglich ist nur, ob all den Worten auch Taten folgen.
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