Nürnberg - Anfang Dezember wurde bekannt, dass ein Fachgeschäft die Innenstadt nach 28 Jahren verlässt. BabyWalz wurde Geschichte – und zu einem weiteren Leerstand in Nürnberg. Jetzt kommt eine äußerst kreative Zwischennutzung.

Nach dem Bekanntwerden der Schließung des eingesessenen Fachgeschäfts BabyWalz im vergangenen Jahr und dem Aus Anfang Dezember herrschte in dem Ladenareal in der Vorderen Ledergasse 16 bis 20 Leerstand.

1997 eröffnete das Unternehmen, das seinen Hauptsitz im oberschwäbischen Bad Waldsee hat, seinen ersten Laden in Nürnberg und wurde über die Jahre zu einer festen Anlaufstelle für werdende Eltern und junge Familien. Nach 28 Jahren in der Frankenmetropole war im vergangenen Advent Schluss: „Wir schließen unsere Filiale zum 6.12.2025“, hieß es auf der lokalen Internetseite des Anbieters für Babyausstattung. Bereits seit Mitte Oktober lief ein großer Räumungsverkauf, bei dem Kundinnen und Kunden Artikel für Schwangere, Babys und Kleinkinder vergünstigt erstehen konnten.

Nun kehrt wieder Leben ein – zumindest erstmal für begrenzte Zeit. Ab Gründonnerstag, 2. April, zieht Kunst in das ehemalige Baby-Fachgeschäft. Genau zwei Wochen, bis Donnerstag, 16. April, ist dort auf drei Stockwerken die Ausstellung „Drei“ des Kollektivs Konsum zu sehen, die von Workshops und Events begleitet wird (darunter ein Mode-Podcast). Während der Nutzung entsteht täglich auch ab 12 Uhr ein Co-Working-Space, in dem es auch Kaffee gibt. Beginn der Vernissage ist am Gründonnerstag um 18 Uhr. Bei Sekt und Musik können die Besuchenden durch 700 Quadratmeter Kunst flanieren und 19 Kunstwerke erleben, die unter anderem von Studierenden der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg stammen.

Kollektiv Konsum: „Leerstände in der Stadt Nürnberg werden aktiviert“

Die Bespielung kann man durchaus als eine Win-Win-Situation betiteln: Denn für die freie Kunstszene fehlen niederschwellige Orte der Präsentation in Nürnberg. Ausstellungen sind entweder kostspielig in der Miete oder sie sind zu privat, als dass sie ein breites Publikum groß anlocken würden. Und es ist gleichzeitig ein Hoffnungsschimmer auf kreative Nutzung von Leerständen in der Stadt, insbesondere der Innenstadt. „Nürnberg steht leer – und nichts geht mehr? Das ändert sich hier“, kündigt Luminara Uhura Mugler, Kunstschaffende aus Nürnberg in einem Reel auf Instagram zur Ausstellungseröffnung an.

Wie das Team um Konsum auf Instagram erklärt, handele es sich um einen „kollektiven Ansatz, der sch über Projekte, Räume und Zusammenarbeit formt“, die Basis seien Beobachtungen und Positionen, die zusammengeführt werden. „Diese Inhalte werden in Ausstellungen übersetzt und in reale Räume überführt. Leerstände in der Stadt Nürnberg werden aktiviert und als Orte genutzt, an denen Arbeiten sichtbar werden und sich Zusammenhänge konkret zeigen“, heißt es weiter. So blieben Entstehungsprozesse nachvollziehbar und würden Teil der Arbeit. Damit würden vorherige Ausstellungen die nächste Phase bedingen, also zuerst erweitert und dann in neue Projekte übertragen. „Räume sollen nicht nur temporär genutzt, sondern langfristig betrieben werden“, teilt das Kollektiv weiter mit. „Strukturen werden aufgebaut, die Produktion, Nutzung und Organisation verbinden.“

Auch langfristig scheint der Leerstand in der Vorderen Ledergasse 16 bis 20 nicht zu bleiben. „Wir sind bereits in intensiven Gesprächen für eine Nachvermietung und aufgrund der regen Nachfrage an dem Standort auch sehr zuversichtlich, dass wir schnellstmöglich die Revitalisierung des Ladens umsetzen werden“, teilt die zuständigen Objektbetreuerin der „Tetris Grundbesitz AG“ auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

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