
Die Stadt Nürnberg will ihre letzten beiden Schülertreffs zum Ende des Schuljahres 2025/26 schließen. Betroffen sind die Einrichtungen am Ritter‑von‑Schuh‑Platz in der Südstadt und an der Ambergerstraße in Schweinau. Die Stadt begründet den Schritt mit Sparmaßnahmen: Rund 150.000 Euro pro Jahr sollen pro Standort eingespart werden, bestätigt das Referat für Jugend, Familie und Soziales. Nach der Schließung bleiben in Nürnberg nur noch zwei Schülertreffs in freier Trägerschaft.
Eltern kritisieren die Entscheidung
Die Entscheidung stößt bei den betroffenen Eltern auf Unverständnis. „Hier zu sparen, ist vom Grundsatz her falsch. Kinder- und Jugendarbeit muss gefördert und ausgebaut werden. Es kann nicht sein, dass diese wichtige Arbeit als zu teuer gilt“, sagt Manuel Knöchelmann, der gemeinsam mit seiner Frau Carolin den Elternbeirat an der Ambergerstraße bildet. Die Knöchelmanns und weitere betroffene Eltern kämpfen für den Erhalt der Schülertreffs und haben unter anderem eine Petition gestartet, die die Schließung noch verhindern soll.
Auch am Ritter‑von‑Schuh‑Platz sorgt der Beschluss für Unmut. „Der Schülertreff Annapark ist ein wichtiger Begegnungs- und Unterstützungsort für Schülerinnen und Schüler in der Südstadt – ein Safespace, der Halt gibt und Familien entlastet“, sagt Susanne Engel, Elternbeirat vor Ort. „Als berufstätige Mutter im Wechselmodell kann ich nach der Schule nicht immer sofort für mein pubertierendes Kind da sein und auf seine Bedürfnisse eingehen. Ohne den Schülertreff wäre es für mich kaum möglich, die notwendige Betreuung am Nachmittag zuverlässig zu gewährleisten. Ich hoffe, dass dieser Ort auch in Zukunft als sichere Oase für uns und für viele weitere Familien im Stadtteil erhalten bleibt.“
Initiative „Schülertreffs bleiben“ plant Kundgebung
Eltern, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie Menschen aus der Nachbarschaft haben die Initiative „Schülertreffs bleiben“ gegründet. Für den 16. April plant die Initiative eine Kundgebung vor dem Rathaus. An diesem Tag tagt der Jugendhilfeausschuss, auf dessen Empfehlung der Stadtrat die Schließung der Schülertreffs beschlossen hat.
Stadt nennt Alternativen
Einen Ersatz für die Schülertreffs plant die Stadt derzeit nicht. Das zuständige Referat verweist darauf, dass viele Mittelschulen offene und gebundene Ganztagsangebote bereitstellen, die in der Verantwortung der Schulen liegen. Ergänzend gebe es in mehreren Stadtteilen offene Angebote der Kinder- und Jugendarbeit. In Schweinau stehe den Kindern und Jugendlichen aus dem Schülertreff Ambergerstraße das neue Kinder- und Jugendhaus Nopitschstraße zur Verfügung. Für die bisherigen Besucherinnen und Besucher des Schülertreffs am Ritter‑von‑Schuh‑Platz sei der Jugendtreff Anna nutzbar.
Eltern halten Alternativen für unzureichend
Die Initiative betrachtet diese Vorschläge nicht als gleichwertigen Ersatz. Schülertreffs gingen darüber hinaus: Sie böten nicht nur Betreuung, sondern verfolgten einen eigenständigen pädagogischen Auftrag. Dazu zählten unter anderem Anwesenheitskontrolle, Hausaufgabenbetreuung, Förderung von Selbstständigkeit und ein professioneller Umgang mit Konflikten.
Hintergrund: Ein Angebot, das nach und nach verschwand
Das Angebot der Schülertreffs entstand vor über 20 Jahren in Verantwortung der Jugendhilfe – zu einer Zeit, als es kaum außerschulische Betreuung für Zehn- bis Sechzehnjährige gab. Entwickelt wurden die Treffs als „Horte mit einem Betreuungs-, Förder-, Beratungs- und Freizeitangebot für Haupt- und Förderschüler“, ein Konzept des Jugendamts in enger Abstimmung mit den Schulbehörden. Finanziert werden sie gemeinsam vom Freistaat Bayern und der Stadt Nürnberg.
Mit dem Ausbau schulischer Ganztagsangebote wurden die städtischen Schülertreffs schrittweise reduziert. Nun sollen die letzten beiden Einrichtungen zum August 2026 schließen. Kündigungen seien nicht vorgesehen, betont das Referat. Die Mitarbeitenden könnten sich über die städtische Stellenbörse auf andere Kindertageseinrichtungen bewerben.
