
Die seit dem 18. März 2026 gesperrte Frankenschnellwegbrücke über den Main-Donau-Kanal und die Südwesttangente am Kreuz Nürnberg‑Hafen bleibt dauerhaft dicht - und zwar bis zu ihrem vollständigen Abbruch. Nach einer ausführlichen Prüfung der Brücke hat der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) bestätigt, dass das Bauwerk nicht mehr befahrbar ist, denn es wurden zahlreiche neue Schäden gefunden, die teils so gravierend sind, dass die Sicherheit der Brücke nicht mehr gewährleistet sei.
So wurden in der Feldmitte der Brücke massive Hohlstellen, Kiesnester und freiliegende Hüllrohre der Spannglieder entdeckt, wie die Stadt Nürnberg mitteilt. Besonders kritisch: An einigen Stellen besteht kein Verbund mehr zwischen Spannstahl und umgebendem Beton. Teile der Betonoberfläche ließen sich bereits durch einfaches Abklopfen lösen. Dazu kam ein sichtbarer Durchhang in der Brückenmitte.
Auch die Stützen zeigen neue Schäden - beispielsweise Querrisse, die auf eine Durchbiegung des Bauwerks hindeuten. Ein weiterer Riss, quer zur Fahrtrichtung, setzte sich nach dem Entfernen der Asphaltdecke bis in die Betonplatte fort.
Christoph Miller, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Brückenexperte bei Sör, erklärt: „Die Schäden haben sich in den vergangenen Monaten deutlich schneller entwickelt als zuvor. Bei der aktuellen Prüfung haben wir Hinweise festgestellt, dass die Tragstruktur der Brücke erheblich geschwächt ist. Aus ingenieurfachlicher Sicht war die sofortige Sperrung daher konsequent und notwendig.“
Auch Marco Daume, Technischer Sör‑Werkleiter, betont: „In einer solchen Situation gibt es für uns keine Abwägung zulasten der Sicherheit. Die Sperrung war deshalb zwingend und unverzüglich erforderlich.“
„Spürbare Folgen im Alltag“
Für Pendler bedeutet das einige erhebliche Unannehmlichkeiten, denn wer normalerweise über den Frankenschnellweg fährt, muss aktuell auf die Anschlussstelle Nürnberg‑Hafen‑Ost ausweichen. Gleichzeitig tüfteln Sör und das Verkehrsplanungsamt an Alternativen, um das ohnehin belastete Umfeld rund um die Hafenbrücken zu entlasten. „Uns ist bewusst, dass die Sperrung für viele Menschen spürbare Folgen im Alltag hat. Der Verkehr wird sich auf die umliegenden Strecken verlagern, damit sind auch längere Fahrzeiten und Staus verbunden,“ sagt Kristina Kellenberger, Projektleiterin bei Sör.
Damit die Belastung nicht völlig aus dem Ruder läuft, arbeitet Sör intensiv an einem Konzept, das Verkehrsströme in der Umgebung besser verteilt. Parallel informiert der Betrieb regelmäßig über Fortschritte und Veränderungen. Zudem lädt Sör am 30. April 2026 zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ein - der genaue Ort folgt noch.
Aber wenigstens in einem Bereich gibt es Entwarnung: Die Kanalschifffahrt und die Südwesttangente bleiben von der Sperrung unberührt.