
Bleiben die Nächte dauerhaft frostfrei und bei mindestens 5 Grad Celsius, machen sich viele heimische Amphibien dem Weg zu ihren Laichgewässern und sind dabei vielen Gefahren ausgesetzt. Eine davon ist der Straßenverkehr. Viele überleben die Wanderung nicht, weil sie auf ihrem Weg zum Laichgewässer eine Straße überqueren und dabei überfahren werden. Groben Schätzungen des Naturschutzbund Deutschland (NABU) zufolge könnten die Zahlen sich zwischen einigen Tausenden bis hin zu Millionen erstrecken - die Dunkelziffer ist hoch. Schon seit Jahren versuchen Naturschützer die Zahl der „Verkehrstoten“ einzudämmen, in dem sie Fangzäune aufstellen und instand halten, die Amphibien über die Straße tragen oder Ersatzgewässer anlegen.
Wie kann ich helfen?
In Bayern übernehmen das unter anderem Ehrenamtliche des Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV). „Dennoch werden im Freistaat noch helfende Hände gesucht. Vor allem während der Wanderung bis etwa Mitte April ist tatkräftiges Engagement bei der Kontrolle der Zäune sehr willkommen“, heißt es auf der Website des LBV. Wer beim Krötenretten mitmachen möchte, kann sich dazu an die örtliche LBV-Gruppe wenden.
Von eigenmächtigen Sammelaktionen wird allgemein abgeraten. Naturschutzgruppen kennen die Wanderwege am besten und können eine Einweisung in Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen für alle Sammler geben. Denn es gibt einiges zu beachten:
- Warnweste tragen: Der Eigenschutz vor Straßenverkehr in der Dämmerung ist besonders wichtig. Eine Taschenlampe hilft, die Tiere auf der Straße zu finden.
- Handschuhe tragen: Die Tiere sollten nur mit Handschuhen angefasst werden, um ihre empfindliche Haut nicht zu beschädigen. Das Sekret heimischer Kröten ist für Menschen meist harmlos ist, dennoch nach dem Kontakt die Hände waschen und nicht ins Gesicht fassen.
- Transportgefäß: Am besten geeignet ist ein Eimer, der mit etwas feuchtem Laub oder Erde gefüllt ist. Es sollten nie zu viele Tiere in einem Eimer gesammelt werden, um eine Quetschung der Amphibien zu vermeiden
Warum wandern Kröten?
Gras- und Springfrösche sowie Teich- und Bergmolche sind die ersten, die sich auf die Wanderung begeben. Erdkröten erwachen erst bei noch milderen Temperaturen aus der Winterstarre. Der Grund dafür ist, dass sie wechselwarme Tiere sind: Ihre Körpertemperatur liegt immer nur knapp über der Temperatur in ihrer Umgebung. Ist es zu kalt, verfallen sie in die Winterstarre, bei der alle organischen Funktionen auf ein Minimum heruntergefahren werden. Das wiederum sichert ihr Überleben auch dann, wenn im Winter keine Nahrung zur Verfügung steht.
Die meiste Zeit des Jahres leben Erdkröten in Wiesen und Wäldern. Zur Fortpflanzung im Frühjahr wollen sie jedoch zurück zu den Gewässern, in denen sie geschlüpft sind. Das hat einen praktischen Grund: Laut der Tierschutzorganisation Peta schlussfolgern sie, dass am Ort ihrer Geburt die Lebens- und Wachstumsbedingungen am besten sind. Ihr Geburtsgewässer finden die Tiere mithilfe eines speziellen Organs im Gehirn sowie durch Gerüche.
Kröten und Frösche machen sich meist in der Dämmerung auf den Weg in die „Kinderstube“. Die mehrere Kilometer lange Reise dauert oft einige Tage, da Kröten circa 600 Meter pro Tag wandern. Der Weg ist ja bekanntermaßen das Ziel, weshalb sich die Tiere auch meist auf dem Weg ihren Fortpflanzungspartner suchen. Ist ein „Match“ gefunden trägt das Weibchen das Männchen auf dem Rücken bis ans Ziel. Oftmals wandern die Kröten in großen Gruppen, um sich besser vor Fressfeinden schützen zu können.
Krötenwanderung - eine Gefahr im Straßenverkehr
Die Amphibienwanderung ist nicht nur gefährlich für die Tiere selbst, sondern auch für Verkehrsteilnehmer, wenn sich ihre Wege kreuzen, da beispielsweise Fahrzeuge durch das Überfahren der glitschigen Tiere ins Rutschen geraten können. Der ADAC empfiehlt daher allen Auto- oder Motorradfahrer, die eine Gefahrenzone erreichen, langsam zu fahren, den Tieren vorsichtig auszuweichen, dabei aber immer auf den Gegen- und nachfolgenden Verkehr zu achten. Außerdem sollten Verkehrsteilnehmer mit Personen auf der Fahrbahn rechnen, die dort vor allem in den Abend- und frühen Morgenstunden unterwegs sind um die Tiere in Eimern sicher über die Straße zu bringen oder die Schutzzäune zu kontrollieren. Weil nicht überall mit Schildern vor wandernden Kröten gewarnt wird gilt die Faustregel, immer besonders da vorsichtiger zu sein, wo stehende Gewässer nicht fern sind.
Warum haben die Tiere glitschige Haut?
Die glitschige Haut ist für Amphibien wichtig zum Überleben, denn sie atmen über die Haut und über ihr Maul. Damit die Haut Sauerstoff aufnehmen kann, muss sie immer feucht sein. Das schaffen sie mit Schleim, den sie über Drüsen an die Haut abgeben. Zur Tiergruppe der Amphibien gehören zum Beispiel auch Frösche, Kröten, Unken und Salamander. Sie leben im Wasser und an Land.