
Ein preisgekröntes Rennpferd ist in der Türkei nach einer Verletzung offenbar geschlachtet und nichtsahnenden Gästen einer kommunalen Suppenküche in Mersin serviert worden. Der Fall flog Medienberichten zufolge auf, nachdem ein Gast einen Fremdkörper in seinem Essen entdeckt und daraufhin die Behörden eingeschaltet hatte.
Der Gegenstand entpuppte sich als elektronischer Identifikationschip einer Rennstute namens Smart Latch. Die englische Vollblutstute hatte zuvor mehrfach Pferderennen in der nahegelegenen Stadt Adana gewonnen.
Beamte der Lebensmittelkontrolle untersuchten daraufhin das Essen der Suppenküche, wie die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtet. Die Analyse der Proben ergab, dass der servierte Eintopf tatsächlich aus Pferdefleisch bestand - obwohl das Gericht als Rindfleisch deklariert war.
Erfolgreiches Rennpferd sollte ein letztes Zuhause bekommen
Smart Latch galt in der Türkei als erfolgreiches Rennpferd. Nach einer Beinverletzung wurde die Stute 2025 in den Ruhestand geschickt. Ihr Besitzer Suat Topcu wollte sie ursprünglich zur Zucht einsetzen, wie die Zeitung Milliyet berichtet. Bei einer Untersuchung stellte ein Tierarzt jedoch fest, dass das Pferd unfruchtbar ist.
Daraufhin habe Topcu geplant, die Stute einem Kinder-Reitverein zu schenken. Ein befreundeter Transporteur sollte das Tier dorthin bringen. Nach bisherigen Ermittlungen kam das Pferd dort jedoch nie an.
„Akt der Herzlosigkeit“: Ermittler vermuten Verkauf an Schlachter
Topcu erklärte gegenüber DHA, er habe erst von dem Vorfall erfahren, als ihn Beamte des Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten kontaktierten. „Es ist ein schreckliches Gefühl, Schaden verursacht zu haben, obwohl man Gutes tun wollte“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur. Der Vorfall sei „ein Akt der Herzlosigkeit“.
Die Schlachtung der Stute konnte ihm den Berichten zufolge nicht nachgewiesen werden. Die Behörden verhängten gegen den Besitzer dennoch eine Geldstrafe von 132.000 türkischen Lira (umgerechnet rund 2.600 Euro), weil die angebliche Schenkung des Pferdes an den Verein nicht ordnungsgemäß gemeldet worden war. Ermittler gehen davon aus, dass die Stute stattdessen zu einem Schlachter gebracht wurde. Das Fleisch sei anschließend wahrscheinlich fälschlich als Rindfleisch deklariert und an ein Unternehmen verkauft, das die Suppenküche belieferte.