Rom - Ein Hauskauf ist für viele Menschen unerschwinglich. In Italien gibt es eine Initiative, bei der Häuser den Eigentümer für symbolisch niedrige Preise wechseln. Doch kann man diesen verlockenden Angeboten trauen?

Olivia Field kauft in Italien ein zwar verfallenes, aber gleichzeitig wunderschön, verwunschenes Haus für den symbolischen Preis von einem Euro. Zusammen mit ihrem Vater und weiteren helfenden Händen renoviert die junge Frau das Schmuckstück, um ihm zu altem Glanz zurückzuverhelfen. Das klingt nicht nur wie der Plot einer Netflix-Romcom, das ist der Plot einer Netflix-Romcom. Doch ganz so weit, wie man zunächst denken möchte, ist die Handlung von „La Dolce Villa“ gar nicht von der Realität entfernt.

Tatsächlich gibt es nämlich mancherorts in italienischen Dörfern die Initiative, Häuser für symbolische Preise zu verkaufen, vor allem um die grassierende Landflucht aber auch den Zerfall von leerstehenden Häusern zu stoppen. Kleine Gemeinden werden nicht selten immer kleiner. Junge Menschen zieht es für bessere Jobchancen oder mehr Abenteuer in die großen Städte. Da kann Immobilienbesitz nahezu zum Nulltarif durchaus ein Argument zum Bleiben sein oder neue Anwohner in die Ortschaften locken. Und durch die viele Wegzüge stehen eben auch viele Häuser leer, sind dem Verfall preisgegeben.

So geschiet das beispielsweise in dem kleinen Dorf Vergemoli. Eingerahmt in eine malerische Berglandschaft liegt die Ortschaft in der Toskana. Seit etwas mehr als zehn Jahren kauft die Gemeinde, einem Bericht der Tagesschau zufolge, leerstehende, verfallende Häuser von deren Besitzern auf. Diese Immobilien werden dann zu symbolischen Preisen, die Rede ist von einem Euro, wieder zum Kauf angeboten.

Banger-Deal „1-Euro-Haus“: Kann man in Italien ein Schnäppchen machen oder droht eine Falle?

Dafür müssen die Käufer aber auch bereit sein, einiges auf sich zu nehmen, denn die Häuser gleichen nicht selten Ruinen. Mitunter sind sogar Dächer eingestürzt. Die Investitionen für die Sanierungsarbeiten sind hoch, können bis zu sechsstellige Summen verschlingen. Auch Notarkosten oder Kosten für Anschlüsse des Grundstücks beispielsweise an die Wasserversorgung kommen auf die Käufer zu. Bei dem symbolischen Preis von einem Euro bleibt es am Ende also lange nicht. Der geflügelte Name „Ein-Euro-Haus“ stimmt so nicht ganz.

In Vergemoli hätten auch schon Ausländer zugeschlagen, erzählt es der Bürgermeister des Ortes gegenüber der Tagesschau. Diese Menschen konnten sich so den Traum von einem Ferienhaus im Süden erfüllen. Und die Initaitive hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt vor Ort: Die Renovierungsarbeiten kurbeln die Auftragslage der ortsansässigen Unternehmen an. Ziel dabei ist immer, dass die historische Außenansicht der Häuser erhalten bleibt. So soll das traditionelle Ortsbild geschützt werden.

Und auch abseits der Toskana haben sich inzwischen Gemeinden in ganz Italien dem Vorstoß angeschlossen. So zum Bespiel auf der Insel Sizilien, wo ebenfalls Häuser für wenige Euro den Besitzer wechseln. Gegenüber dem ORF erklärt der Bürgermeister der Gemeinde Sambuca, wie der Kauf funktioniert. Demnach findet ein Bieterverfahren statt. In verschlossenen Umschläge schicken Interessenten ihre Gebote an die Gemeinde. Das höchste Gebot bekommt den Zuschlag. Die Startgebote liegen bei einem, zwei oder drei Euro. Der tatsächliche Kaufpreis kann dann natürlich höher liegen, im Bericht ist einmal die Rede von 750 Euro, einmal von 11.500 Euro. Weiter heißt es in dem ORF-Bericht, die Käufer sind verpflichtet, die Immobilie innerhalb von drei Jahren zu sanieren - damit zeitnah alles wieder in seinem alten Glanz erstrahlen kann.