Nürnberg - In Bayerns Seen sind 2025 fast doppelt so viele Menschen wie im Vorjahr ertrunken - besonders häufig ist das in einer Region vorgekommen. Die DLRG drängt indes auf die Durchsetzung einer Pflicht.

Bayerns Gewässer waren im vergangenen Jahr besonders tödlich, das vermeldet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in ihrer Jahresstatistik für 2025. Demnach sind im abgelaufenen Jahr im Freistaat insgesamt mindestens 84 Menschen ertrunken - 2024 waren es 70 Todesfälle durch Ertrinken in Bayern. Vor allem die Zahl der Menschen in Bayern, die 2025 in Seen ertranken, hat sich im Vergleich zu 2024 nahezu verdoppelt: Sie ist von 24 auf 47 Fälle angestiegen.

Betrachtet man die Regierungsbezirke, steht Oberbayern mit seinen zahlreichen, idyllischen Seen mit 37 Ertrinkungsfällen an erster Stelle, vor Niederbayern (16) und Schwaben (11). Innerhalb Oberbayerns ist der Süden mit seinen zahlreichen Seen der Brennpunkt, so die DLRG weiter. Gliedert man die Zahlen weiter auf, liest man daraus ab, dass sich die meisten Ertrinkungsfälle in Seen (47) ereigneten, in Flüssen ertranken 25 Menschen — darunter sieben Personen in der Donau, vier im Main, drei im Inn sowie zwei Personen in der Isar. Dazu DLRG-Präsidentin Ute Vogt: „Flüsse, Seen und allgemein unbewachte Gewässer sollten möglichst gemieden werden. Am sichersten ist das Baden und Schwimmen dort, wo Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer im Notfall direkt vor Ort sind.“ Im Chiemsee starben vier Menschen, im Starnberger See drei, im Staffelsee zwei und im Eibsee ebenfalls zwei Menschen.

Drei Personengruppen haben ein besonders hohes Risiko zu ertrinken

Einige Personengruppen sind besonders gefährdet, schätzt die DLRG Bayern ein. Dazu zählen Kinder, die noch nicht schwimmen können und im „entscheidenden Moment unbeaufsichtigt sind“ sowie die Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren, „wenn sie die Gefahren des Gewässers unterschätzen oder nicht schwimmen gelernt haben, beispielsweise aus kulturellen Gründen“. Das betrifft fast ausschließlich junge Männer, macht die DLRG deutlich. Auch ältere Personen über 60 Jahre, die Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems vorliegen haben. Insgesamt, so die Bilanz der Rettungsgesellschaft, sind erfahrungsgemäß drei Viertel (66 Prozent) aller Ertrunkenen männlich.

Um Badeunfälle zu verhindern: DLRG Bayern appelliert

Badeunfälle können oftmals verhindert werden - die DLRG Bayern rät daher dringend zu folgenden Maßnahmen oder Vorkehrungen:

  • Eltern sollen ihre Kinder immer im Blick und auch in Reichweite haben, sie haben die Aufsichtspflicht. Außerdem sollen Eltern ihren Kindern es ermöglichen, schwimmen zu lernen.
  • Vor allem junge Leute sollen sich nicht zu Mutproben verleiten lassen und keine Gruppenzwang ausüben. Warnhinweise wie „Steilufer“ oder „Baden verboten“ müssen respektiert werden.
  • Senioren sollen zuerst ihren Hausarzt fragen, ob für sie Schwimmen im See das Richtige ist.
  • Jeder Mensch soll auf die Personen in seiner/ihrer Umgebung achten, sie bei Bedarf vor Gefahren warnen und im Notfall helfen so gut er/sie kann. Um sich dafür besonders fit zu machen, bietet die DLRG Kurse im Rettungsschwimmen für alle an.

Deutschlandweit ertranken weniger Menschen als noch 2024

Während sich die Zahl der Ertrunkenen im Bayern laut DLRG verdoppelt hat, ist sie 2025 deutschlandweit rückläufig gewesen. 393 tödliche Unglücke verzeichnete die Organisation in deutschen Gewässern. Das sind 18 Todesfälle weniger als im Jahr 2024. Die meisten Badeunfälle ereigneten sich im Juni. „Wäre es in der folgenden Hauptferienzeit weiterhin so sonnig und heiß geblieben, hätten wir wohl erneut einen Anstieg der Opferzahl vermelden müssen“, sagte die Präsidentin der DLRG, Ute Vogt. Denn insbesondere bei herrlichem Sommerwetter steige die Zahl der Unfälle sprunghaft an. Trauriger Höhepunkt: An nur einem Wochenende im Juni kamen 15 Menschen beim Baden und Schwimmen ums Leben.

56 Prozent der tödlichen Unfälle ereigneten sich während der Badesaison von Anfang Mai bis Ende August. Im sonnigen Juni zählte die DLRG 69 Todesopfer, 17 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Nach erster Hitze ging die Zahl der Unglücke dann im regenreichen Juli zurück. Dennoch verloren 52 Menschen ihr Leben im Wasser (2024: 66). Im August ertranken 65 Kinder, Jugendliche und Erwachsene (2024: 80). In den Herbst- und Wintermonaten kamen insgesamt weniger Menschen zu Tode.

Vier von fünf Ertrunken sind männlich

Die meisten Opfer in der DLRG-Statistik für das Jahr 2025 waren älter als 60 Jahre: 138 Personen entsprechen 42 Prozent der Opfer bekannten Alters. Im Vorjahr hatte die Organisation für Wasserrettung in dieser Altersgruppe 171 Fälle verzeichnet (48 Prozent). Einen Anstieg um jeweils elf Todesfälle im Vergleich zu 2024 gab es hingegen unter den 11- bis 20-Jährigen sowie den 21- bis 30-Jährigen. „Das ist besorgniserregend und setzt sich hoffentlich in diesem Jahr so nicht fort“, sagt DLRG-Präsidentin Vogt und fügt hinzu: „Nur eine Person unter den 73 Opfern in diesen Altersklassen war weiblich. Gerade unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern sind Übermut und Selbstüberschätzung leider weit verbreitet und ebenso wie der Konsum von Alkohol mitursächlich für tragische Unfälle.“ Unter allen Todesopfern bekannten Geschlechts waren auch 2025 vier von fünf männlich (82 Prozent).

Die Zahl der tödlich verunglückten Kinder bis zehn Jahre lag mit 13 Fällen deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre (29 Fälle). Zuletzt erfasste die DLRG im Jahr 2012 weniger Todesfälle in dieser Altersgruppe (12). Hinzu kommen jedes Jahr Ertrinkungsunfälle, die nicht tödlich enden, aber schwere lebenslange Folgen für die Opfer haben.

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