
„Das Ziel, das mit der Einführung des VAR verbunden war, bestand darin, die Zahl der klaren und offensichtlichen Fehler der Unparteiischen in potenziell spielentscheidenden Situationen zu senken“, schrieb der Deutsche Fußball-Bund einst in einer Stellungnahme. Seit der Einführung des Video Assistant Referees in der 2. Bundesliga zur Saison 2019/20 nahmen aber die Diskussionen um potenzielle Fehlentscheidungen nicht ab – im Gegenteil.
Die Community „Wahre Tabelle“, welche über das Portal transfermarkt.de abrufbar ist, diskutiert strittige Schiedsrichter-Entscheidungen und bewertet, ob der Unparteiische in relevanten Szenen die falsche Entscheidung getroffen hat. Ist dies der Fall, fließt das korrigierte Ergebnis in die „Wahre Tabelle“ ein. Ein Beispiel: Wird ein Elfmeter fälschlicherweise nicht gegeben, wird dem benachteiligten Team in der „Wahren Tabelle“ ein Tor gutgeschrieben – wenngleich die Torwahrscheinlichkeit vom Punkt nur bei bis zu 80 Prozent liegt.
In dieser korrigierten, freilich aber ungültigen Tabelle steht die SpVgg Greuther Fürth auf dem 14. Platz – und damit Ränge höher als im offiziellen Tableau. In beiden Tabellen hat das Kleeblatt 26 Punkte und 37 Treffer auf dem Konto, ohne Fehlentscheidungen hätte die Vogel-Elf aber ein Gegentor mehr kassieren müssen – etwa durch einen der zwei nicht gegebenen, laut der „Wahren Tabelle“ aber pfiffwürdigen Elfmeter.
Viele Diskussionen nach 2:1-Sieg gegen Hannover
Die strittigen Szenen: In der 74. Minute dribbelte Husseyn Chakroun von links in den Strafraum und wurde dabei von Jannik Dehm sowohl an der Schulter gehalten als auch an der Wade getroffen. Der Schiedsrichter Tom Bauer entschied auf einen Freistoß, da das erste Vergehen seines Ermessens außerhalb des Strafraums stattfand. 83,3 Prozent der Abstimmenden hielten dies für eine Fehlentscheidung.
Etwas weniger deutlich fiel das Urteil der Community zur zweiten potenziellen Elfmeter-Situation aus: 60 Prozent hätten einen Strafstoß für angemessen empfunden, nachdem Torhüter Silas Prüfrock in Folge einer Ecke in der 79. Minute energisch in Maik Nawrocki springt, ohne den Ball zu spielen.
Im Gegenzug beurteilte die Community sowohl den ausbleibenden Elfmeter-Pfiff für ein vermeintliches Fürther Handspiel in der 19. Minute und die nicht gegebene Rote Karte gegen Nahuel Noll in der 55. Minute als auch den tatsächlich gegebenen Elfmeter für Hannover in der 71. Minute als richtige Entscheidungen.
Formstarkes Kleeblatt ärgert Favoriten
Interessant dabei: Hannover ist der Zweitligist, der am stärksten von Fehlentscheidungen benachteiligt wurde. Eigentlich müsste das Team von Cheftrainer Christian Titz satte sechs Punkte mehr auf dem Konto haben.
Beim Kleeblatt hingegen halten sich die Fehlentscheidungen für und gegen Fürth bislang ziemlich die Waage. Dass das Kleeblatt aber in der „Wahren Tabelle“ trotz dieser Ausgeglichenheit zwei Plätze höher steht als es in der offiziellen Tabelle der Fall ist, lässt sich mit der Konkurrenz erklären. Sowohl Preußen Münster (drei Punkte) als auch Dynamo Dresden (einen Punkt) hätten ohne Fehlentscheidungen weniger Zähler – und stünden damit hinter dem Kleeblatt.
Aber: Die Spielvereinigung robbt auch in der realen Tabelle an die Nicht-Abstiegsränge heran. Mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen zählt das Team von Trainer Heiko Vogel zu den fünf formstärksten Zweitligisten – zumal mit dem FC Schalke 04 und Hannover 96 zwei absolute Top-Teams auf dem Programm standen.

