
Im Streit zwischen der Adidas-Konzernführung und den beteiligten Kommunen um die Streckenführung einer künftigen Drei-Städte-Tram im Großraum Nürnberg hat sich der Sportartikel-Riese offenbar durchgesetzt. Der eigentlich längst beschlossene Trassenverlauf werde geändert, teilte der zuständige Zweckverband mit.
Adidas zahlt mit
Adidas werde die weitere Planung unterstützen und sich an den Investitions- und Betriebskosten der geänderten Streckenführung „maßgeblich“ beteiligen, hieß es vom Zweckverband. Der Konzern um Firmenchef Björn Gulden hatte bemängelt, dass durch die ursprünglich geplante Streckenführung der Adidas-Campus durchschnitten werde.
Die Süddeutsche Zeitung hatte unter Berufung auf Teilnehmer berichtet, dass es bei einem Schlichtungsgespräch unter anderem mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Adidas-Vorstandschef Gulden zu einem Eklat gekommen sein soll. Gulden soll sich massiv im Ton vergriffen und den Kommunalpolitikern mit einem Wegzug von Teilen der Konzernzentrale aus Herzogenaurach gedroht haben.
Adidas wies die Darstellung als „nicht korrekt“ zurück. Gulden wird in der Mitteilung des Zweckeverbandes mit den Worten zitiert: „Wir haben gemeinsam eine sehr gute Lösung gefunden. Der einzigartige adidas Campus bleibt erhalten.“
Baustart frühestens 2028
Die Stadt-Umland-Bahn soll die Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach verbinden, ein Baubeginn könnte frühestens 2028 erfolgen. Herzogenaurach, Firmensitz der drei weltweit operierenden Großunternehmen Schaeffler, Puma und Adidas, ist bisher nur mit Buslinien an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden.
StUB: Lange umstrittenes Großprojekt im Nahverkehr
Das Projekt ist allerdings seit Anbeginn umstritten. Alleine in einem 2024 erfolgten Bürgerentscheid in der Stadt Erlangen entschieden sich 52,4 Prozent der Stimmberechtigten für den Bau der Trasse, 47,6 Prozent stimmten gegen das Projekt, das auch lange unter dem Namen Stadtumlandbahn (StUB) lief.
Das relativ knappe Abstimmungsergebnis des Bürgerentscheids spiegelt die über Wochen und Monate intensiv geführte Debatte über das Projekt wider. Das Projekt ist eine wichtige Weichenstellung für den öffentlichen Nahverkehr in der Metropolregion Nürnberg. Mit der Stadt-Umland-Bahn (StUB) soll die bestehende Tram in Nürnberg über Erlangen bis nach Herzogenaurach verlängert werden. Die Kosten werden auf rund 640 Millionen Euro geschätzt - zu 90 Prozent getragen von Bund und Land.
Die Oberbürgermeister der drei Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach hatten stets auf die hohe Förderquote als einmalige Chance verwiesen sowie vor allem auf die bessere Kapazität einer Tram im Vergleich zu einem Busnetz. Innenminister Herrmann hatte betont, die StUB werde den Weg für eine noch lebenswertere, attraktivere und wirtschaftsstärkere Metropolregion ebnen. Söder hatte vor der Abstimmung zugleich gewarnt: „Wenn man diese Lebensader abwürgt, dann entsteht nichts außer Kleinteiligkeit.“
Die Stadt-Umland-Bahn soll auch den Siemens-Campus im Erlanger Süden an den öffentlichen Nahverkehr anbinden. Dort arbeiten bereits 15.000 Menschen, bis 2026 sollen laut Siemens mehrere Tausend hinzukommen, hieß es bereits im Juni 2024. Das Unternehmen investierte bislang mehr als 750 Millionen Euro in den Campus. Das erfolgte auch im Vertrauen auf die Umsetzung der StUB, nachdem Siemens 2013 in der Staatskanzlei eine entsprechende Grundsatzvereinbarung unterzeichnet hatte.
Allerdings gibt es auch im Februar 2026 innerhalb der CSU keine einhellige Meinung zu dem Projekt: Während Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder sowie sein Verkehrsminister Christian Bernreiter es befürworten, ist die Erlanger CSU ungeachtet eines bereits erfolgten Bürgerentscheids weiterhin gegen den Bau der Tram. Sollte es bei den bevorstehenden Kommunalwahlen zu einem Erfolg der CSU in Erlangen kommen, könnte die Debatte neu an Fahrt gewinnen.
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