Herzogenaurach - Vorwürfe rund um Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt versetzen die Techno-Szene derzeit in Aufruhr. Open Beatz hatte am Montag deshalb eine Änderung des Line-Ups bekannt gegeben. Nun äußern sich die Künstler.

Ein Tag nach der Bekanntgabe der kurzfristigen Line-Up-Änderung beim fränkischen Festival Open Beatz wird am Dienstag nach und nach klar: Das Ausmaß der Vorwürfe geht weit über die Grenzen dieses einen Festivals bei Herzogenaurach hinaus. In den Sozialen Medien häufen sich die Posts zum Thema. Immer mehr Festival-Veranstalter ziehen Konsequenzen. Ein Beben scheint die Techno-Szene zu durchdringen.

Zum Hintergrund: Seit Tagen kursieren in den Sozialen Medien Anschuldigungen gegen mehrere bekannte Künstler aus der Techno-Szene. Es geht unter anderem um Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt. Zwar gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine abschließend geprüften Erkenntnisse zu den Vorwürfen, dennoch häufen sich die Konsequenzen. Unter anderem beendete die französische Booking-Agentur Steer Management die Zusammenarbeit mit betroffenen Künstlern - so verkündete es das Unternehmen bei Instagram.

DJ Hannah Laing hat in einer Story bei Instagram einen offenen Brief der „Women of Techno“ geteilt. Sie selbst gehört zu den Unterzeichnerinnen. In dem Schreiben heißt es, die jüngsten Enthüllungen seien verheerend aber nicht überraschend. Viele der Unterzeichnerinnen hätten bereits auf oder vor der Bühne Erfahrungen mit Missbrauch gemacht. Techno sollte ein Raum der Befreiung sein, doch zu oft würden diese Werte nicht umgesetzt. „Wir glauben, dass die Branche besser werden kann und muss“, heißt es in dem Brief weiter.

Sie rufen daher Veranstalter, Organisatoren, Agenturen und Labels auf, klare Schritte zu unternehmen, um eine sichere Umgebung für alle Techno-Begeisterten zu schaffen. Konkret fordern die Autorinnen des Briefs unter anderem, dass Künstler, die mit ernsthaften Vorwürfen über sexuelles Fehlverhalten konfrontiert sind, von Line-Ups gestrichen werden sollten, solange Untersuchungen laufen.

Vorwürfe erschüttern Techno-Szene: Fränkisches Festival zieht Konsequenzen

Beim fränkischen Festival Open Beatz ist genau das passiert: Am Montag (21. Februar) wurde bekannt gegeben, dass Acts nach den schwerwiegenden Vorwürfen vorerst (bis zu einer weiteren Klärung des Sachverhalts) aus dem Line-Up gestrichen werden. Das Festival stehe für Respekt, Sicherheit, Gleichberechtigung und ein sicheres Umfeld, betonen die Organisatoren in einem Post bei Instagram. Um welche Acts es sich genau handelt, gaben die Verantwortlichen bislang allerdings nicht bekannt.

Im Zentrum der öffentlichen Debatte stehen unter anderem Künstler wie Carv und Shlømo. Shlømo schrieb in einer Story bei Instagram, die inzwischen nicht mehr verfügbar ist, gegen ihn laufe eine Verleumdungs- und Diffamierungskampagne, basierend auf falschen Informationen. Die kursierenden Geschichten seien aus dem Kontext gerissen oder erfunden. Er prüfe rechtliche Schritte.

Auch Carv meldet sich in den Sozialen Medien zu Wort. Er schreibt in einem Post er sei untreu gewesen, gibt zu, mit mehreren Frauen gechattet und ihnen intime Bilder geschickt zu haben. Er betont aber auch, es habe kein nicht-einvernehmliches Verhalten oder kriminelles Fehlverhalten gegeben. Dennoch sei sein Verhalten nicht richtig gewesen, da er verheiratet war. Er habe als Ehemann versagt. Zudem habe er den Raum in den Sozialen Medien missbraucht und ziehe sich zeitweise von seinen Kanälen zurück.

Auch andere Festivals bundesweit, darunter das Airbeat One in Mecklenburg-Vorpommern, das Ikarus-Festival in Memmingen oder das Hexon Festival in Bielefeld, kündigten nach Bekanntwerden der Vorwürfe an, betroffene Künstler aus ihren Programmen zu streichen. Am Dienstag sind fast stündlich Updates über weitere Line-Up Änderungen bekannt geworden.

Anmerkung der Redaktion: In unserem Artikel war zunächst von Vorwürfen gegen Crave die Rede, es handelt sich jedoch um den Künstler mit dem Namen Carv. Dies wurde entsprechend korrigiert.