Nürnberg - Straßenkatzen vermehren sich rasant - auch in Nürnberg. Viele von ihnen leben im Verborgenen und leiden massiv. Der Deutsche Tierschutzbund und der Nürnberger Tierschutzverein warnen vor einem wachsenden Problem.

Sie leben versteckt und sterben elend: In Bayern leben dem Deutschen Tierschutzbund zufolge gut 300.000 Straßenkatzen. Nürnberg lässt sich dabei nicht ausklammern, hier sind es ebenfalls zahlreiche - „definitiv sind Straßenkatzen auch in Nürnberg ein Problem“, so Tanja Schnabel, Leiterin des Nürnberger Tierheims, auf nordbayern.de-Nachfrage. Wie viele genau, lässt sich dem Tierheim Nürnberg zufolge kaum schätzen. Klar ist: Es werden nicht weniger. Straßenkatzen vermehren sich rasant. „Wir arbeiten seit Jahren daran, die Situation zu verbessern“, so Schnabel.

Der Deutsche Tierschutzbund warnt ebenfalls vor einer „extremen Katzenflut“ und prangert das Elend der Millionen Streuner bundesweit an. Jedes der Tiere stammt ursprünglich von einer Hauskatze ab. „Das Problem ist menschengemacht“, bestätigt Tanja Schnabel. Oft wurden die Vierbeiner schon vor Generationen ausgesetzt oder zurückgelassen, andere sind Nachkommen von unkastrierten Freigängern. Sie sind demnach keine Wildkatzen, wie manchmal fälschlicherweise vermutet.

Die Katzen sind oftmals in schlechtem Zustand: Sie finden zu wenig Nahrung, sind abgemagert und erkranken dadurch schneller. Ihr Fell ist in vielen Fällen stumpf und voller Parasiten, die Augen vieler Katzenbabys sind zugeklebt und eitrig vom Katzenschnupfen. „Die Jungtiere leiden massiv“, weiß Schnabel. Vielerorts leben Schnabel zufolge in Kleingartenanlagen ganze Populationen der Tiere. Meist werden die Tiere von niemandem betreut.

Deutscher Tierschutzbund und Tierschutverein Nürnberg fordern Katzenschutzverordnung

Dabei sind Hauskatzen, darunter fallen auch die Streuner in Deutschland, auf menschliche Hilfe angewiesen. Denn: ihnen fehlt dem Deutschen Tierschutzbund zufolge bei der Jagd das Geschick. Es ist jedoch schwierig, vor allem für erwachsene Katzen, haben sie einmal auf der Straße gehaust, mit Menschen unter einem Dach zu leben. „Hatten Katzen in diesen für ihre Sozialisierung wichtigen ersten Lebenswochen keinen ausreichenden positiven Kontakt zu Menschen, ist es unwahrscheinlich, dass sie in häuslicher Gemeinschaft stressfrei leben können“, schreibt der Deutsche Tierschutzbund in seinem Katzenschutzreport.

Um das Straßenkatzen-Problem annährend in den Griff zu bekommen, fordern etwa der Deutsche Tierschutzbund und das Tierheim Nürnberg eine Katzenschutzverordnung, die Halter verpflichtet, ihre Tiere chippen, registrieren und kastrieren zu lassen.

Der Nürnberger Tierschutzverein hat zudem ein eigenes Wildkatzenkastrationsprogramm ins Leben gerufen. Über die Telefonnummer (0160)2524-332 kann der Notdienst des Vereins kontaktiert werden, falls Anwohnerinnen und Anwohner herrenlose Katzen beobachtet haben sollten. Die Mitarbeitenden stellen dann vor Ort Fallen auf. Beobachterinnen und Beobachter müssen sich dann wieder beim Tierschutzverein melden, sobald sie bemerken, dass sich ein Tier in die Falle verirrt hat. Nachdem die Katzen kastriert und tätowiert worden sind, werden sie wieder an den entsprechenden Fang-Ort zurückgebracht.

Pro Katze fällt für die Melderinnen und Melder ein Unkostenbeitrag von 25 Euro an, die restlichen Kosten übernimmt der Verein. So soll die Situation in Nürnberg verbessert werden - auch wenn die Möglichkeiten dazu laut Tanja Schnabel beschränkt sind.

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