Plech - Auf dem früheren Gelände des „Fränkischen Wunderlands“ plant das norddeutsche Unternehmen „Karls Erlebnis-Dorf“ seinen ersten Standort in Süddeutschland. Nun gibt es neue Details zum Baubeginn und zur Eröffnung.

Achterbahnen, Manufakturen, Bauernmarkt und Speisen rund ums Thema Erdbeeren: Auf dem Gelände des ehemaligen „Fränkischen Wunderlands“ in Plech soll bald wieder Leben einkehren. Die norddeutsche Freizeitparkkette „Karls“ hat das Grundstück gekauft und plant dort ein neues „Erlebnis-Dorf“ zu eröffnen - den ersten Standort in Süddeutschland. Läuft alles nach Plan, können die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen.

Bereits im März 2022 unterzeichneten Karls-Geschäftsführer Robert Dahl und Plechs Bürgermeister Karlheinz Escher den Kaufvertrag für das rund zwölf Hektar große Areal. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erklärte Dahl damals in einer Pressemitteilung. Neben dem Gelände selbst sei auch die Lage entscheidend gewesen: Direkt an der A9 zwischen Berlin und München gelegen, sei das zukünftige „Erlebnis-Dorf“ gut an das Verkehrsnetz angebunden und für Besucherinnen und Besucher schnell erreichbar.

Das „Fränkische Wunderland“ war seit 2013 geschlossen, Fahrgeschäfte wurden bereits abgebaut und verkauft. Seitdem lag das Gelände weitgehend brach.

Karls Erlebnis-Dorf kommt nach Plech: Bebauungsplan auf der Zielgeraden

Lange Zeit war es nun ruhig rund um das Projekt. Grund dafür seien unter anderem planungsrechtliche Verfahren. „Für das Vorhaben musste der ursprüngliche Flächennutzungsplan aus den 1970er-Jahren angepasst werden. Derzeit stellen wir einen Bebauungsplan für das Gelände auf“, erklärt Bürgermeister Escher auf Nachfrage unserer Redaktion.

Der Bebauungsplan befindet sich aktuell in der ersten Auslegung. Nun werden Einwendungen aus der Bürgerschaft sowie Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange geprüft. Voraussichtlich Ende April soll der Gemeinderat über den Bebauungsplan entscheiden.

Auch Dahl spricht gegenüber unserer Redaktion von „der Zielgeraden des Bebauungsplan-Verfahrens“. Sobald die Genehmigung vorliege, könne mit dem Bau begonnen werden. „Die Eröffnung zumindest eines Teilbereiches ist zu Ostern 2027 geplant“, so Escher.

Eidechsen sorgen für Verzögerungen

Ursprünglich war die Eröffnung für Ende 2025 oder Anfang 2026 angekündigt worden. Warum also die Verzögerung? Dahl spricht von einer „Summe aus kleinen Dingen“, die mehr Zeit in Anspruch genommen hätten als erwartet. Zahlreiche Gutachten und Auflagen, wie Artenschutz, Schallschutz und der Grünausgleich, hätten Schritt für Schritt abgearbeitet werden müssen.

Eine besondere Rolle spielten geschützte Tierarten auf dem Gelände - darunter Zauneidechsen und der Ameisenbläuling, eine gefährdete Schmetterlingsart. Damit das Bauvorhaben umgesetzt werden kann, musste für die Eidechsen ein Ersatzhabitat geschaffen werden. Nach Angaben der Gemeinde wurden mittlerweile bereits mehr als 100 Tiere umgesiedelt, eine weitere Aktion ist im Frühjahr geplant.

Auch beim Thema Parkplätze gab es Diskussionen. Mehr als 2,6 Hektar bestehender Grünflächen sollen als Stellplätze genutzt werden, da ein Verkehrsgutachten an Spitzentagen mit bis zu 2.430 Besucherinnen und Besuchern rechnet. Das geht aus öffentlichen Unterlagen der Gemeinde Plech hervor. Als Alternative wurde der Bau eines Parkdecks vorgeschlagen, um Fläche zu sparen. Laut Verwaltung sei diese Lösung jedoch wirtschaftlich nicht realisierbar.

Für den Verlust der Grünflächen müssen Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden. Das bedeutet: An anderer Stelle wird Natur neu geschaffen oder ökologisch aufgewertet. Diese Maßnahmen wurden vom Eigentümer bereits umgesetzt oder sind noch in Arbeit.

„Emotional etwas sehr Besonderes“: Ein Stück Geschichte bleibt erhalten

Trotz des Neustarts soll ein Teil der Geschichte des alten Parks erhalten bleiben. „Es ist für uns emotional etwas sehr Besonderes, an so einem historischen Freizeitparkort, den so viele Menschen aus der Region mit ihrer Kindheit verbinden, etwas Neues aufzubauen. Wir sind uns der Verantwortung sehr bewusst“, erklärt Dahl.

Ausgewählte Märchenfiguren aus dem früheren Märchenwald werden restauriert. Das Besondere daran: Eine der beteiligten Künstlerinnen ist die Enkelin von Ernst Schuster, dem Gründer des „Fränkischen Wunderlands“. Zudem ist ein eigener Themenbereich geplant, in dem Erinnerungsstücke aus dem alten Park gezeigt werden sollen.

Auch die Gemeinde Plech verbindet große Erwartungen mit dem Projekt. „Plech war seit Jahrzehnten durch das Fränkische Wunderland bekannt und ein beliebter Ausflugsort für Familien“, sagt Escher. Als kleinere Kommune am Rande der Fränkischen Schweiz lebe man vom Tourismus. Das neue Erlebnis-Dorf könne ein neuer Anziehungspunkt für Familien aus dem gesamten süddeutschen Raum werden.

Neben touristischen Impulsen spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle. „Ich verrate auch kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die Gemeinde gut von den Einnahmen aus der Gewerbesteuer profitieren wird. Aber wie alle Kommunen in unserer Region, sind wir auch in Plech auf diese Einnahmen angewiesen, um das Gemeindeleben und die Infrastruktur in gewohnter Weise aufrechtzuerhalten.“

Konzept der Karls Erlebnis-Dörfer

Die ganzjährig geöffneten „Erlebnis-Dörfer“ von Karls verbinden Hofladen, Manufakturen, Gastronomie und Fahrgeschäfte - alles rund um das Thema Erdbeere. Der Eintritt ist kostenlos, bezahlt wird nur für einzelne Attraktionen im Dorf.

Das Unternehmen betreibt bereits sieben Standorte in Deutschland und bewirtschaftet in Mecklenburg-Vorpommern rund 300 Hektar Erdbeerfelder, die von Mai bis Oktober abgeerntet werden. Mit dem geplanten Standort in Plech expandiert Karls erstmals nach Süddeutschland. Auch in Plech sollen typische Attraktionen der „Erlebnis-Dörfer“ entstehen. Geplant sind unter anderem die Erdbeerraupenbahn, eine Traktorbahn und die Kartoffelsackrutsche.