Nürnberg - Influencerin, Reality‑Star, Lokalstimme: Chiara Antonella erreicht über die sozialen Medien Hunderttausende. Im Podcast verrät sie, wie sie mit dieser Verantwortung umgeht – und warum sie über Hasskommentare nur noch lachen kann.

„Wer kann schon von sich behaupten, in der Nürnberger Innenstadt Snowboard gefahren zu sein?“, fragt Chiara Antonella. Die Antwort: relativ wenige. Noch weniger Menschen können davon berichten, dass ihnen dabei über zwei Millionen andere zugesehen haben. Chiara Antonella kann beides.

Über 310.000 Menschen folgen ihr auf Social Media, noch mehr kennen sie aus dem TV – weit über die Grenzen Frankens hinaus. Geplant war das alles nicht, erklärt die 28-jährige Influencerin aus Nürnberg. In die Welt der sozialen Medien und des Reality-TV sei sie „ein bisschen reingestolpert“, verrät die Studentin im Gespräch mit Redakteur Jonas Volkert in der neuen Folge von Mit.Menschen, dem Interview-Podcast.

Auf Instagram folgen ihr Hunderttausende: Chiara Antonella und ihr Weg zur Influencerin

Im ersten Corona-Sommer 2020 lockt ein Sender auf einem Werbebanner mit einem vollmundigen Versprechen: „Das wird der Sommer deines Lebens“, erinnert sich die gebürtige Eckentalerin. „Genau das brauche ich jetzt“, dachte sie sich, bewarb sich – und wurde genommen. So nahm sie spontan an der ersten Staffel von „Love Island“, einem Reality-TV-Format, teil. Quasi über Nacht wurde sie damals bekannt: „Nach der Show hatte ich von heute auf morgen über 100.000 Follower und dachte mir: Gut, damit muss ich jetzt irgendetwas machen.“

Seitdem gibt Antonella auf Instagram Einblicke in ihr Privatleben: vom Poledance-Training über Ausflüge mit dem Motorrad auf die Rennstrecke bis eben hin zu spontanen Snowboard-Abfahrten vom Nürnberger Burgberg.

Dass mit derartigen Reichweiten auch Verantwortung einhergeht, dessen ist sich Antonella bewusst. Unter ihren Followerinnen und Followern befinden sich schließlich auch viele Minderjährige. „Social Media ist eine Hassliebe: Für Influencer ist es toll, aber viele Leute verschwenden dort ihre Zeit oder geben viel Geld aus.“

Werbepartner werden sorgfältig ausgewählt

Auch wenn Werbung ihre Haupteinnahmequelle ist: Ihre Partner wählt die 28-Jährige auch deshalb sorgfältig aus. In ihrer Anfangszeit um 2020 hätten viele andere Influencer für ein Zahn-Bleaching-Gerät geworben. „Ich habe dann mit meinem Zahnarzt gesprochen und der meinte: ‚Nee, das ist Schrott!‘“ Man habe ihr damals viel Geld geboten, doch sie habe abgelehnt. „Das haben auch wirklich große Stars beworben, und ich habe mich gefragt: ‚Wie können die das mit ihrem Gewissen vereinbaren?‘“

Eigentlich wollte sie Schauspielerin werden, verrät sie im Podcast. Bei Castings habe man ihr jedoch nahegelegt, sich dafür ihren fränkischen Dialekt abgewöhnen zu müssen. Undenkbar für die Nürnbergerin: „Das ist ja etwas, worauf man stolz ist!“

Überhaupt ist die Studentin der Wirtschaftswissenschaften nach wie vor stark in der Region verhaftet. Kurz zieht es sie nach dem Durchbruch nach Berlin. Wirklich Anschluss findet sie in der Bundeshauptstadt aber nie, zu groß, zu wenige echte Freundschaften. „Es hat mich nicht so glücklich gemacht, wie ich dachte“, resümiert sie heute.

„Ich liebe Nürnberg!“, sagt Chiara Antonella heute

„Ich liebe Nürnberg und bin froh, wieder hier zu sein. Hier bleibe ich auch“, sagt Chiara jetzt. Für ihre Heimat verspürt sie eine Verantwortung. In der Kommunalpolitik fehle bislang eine Stimme für die Jugend, findet sie – und mischt sich deswegen Ende letzten Jahres kurzerhand selbst ein. „Nürnberg ist eine tolle Stadt – und gerade deshalb tut es so weh, zu sehen, wie viele Läden leerstehen“, sagt Antonella und macht in mehreren Clips auf Instagram darauf aufmerksam. Dafür erntet sie im Netz viel Zuspruch, aber auch heftige Kritik, die oft die inhaltliche Ebene verlässt und in blankem Hass eskaliert.

Mit Hass im Netz hat die 28-Jährige sowieso schon ihre Erfahrungen gemacht. „Inzwischen habe ich da ein dickes Fell“, sagt sie. „Mittlerweile finde ich Hate sogar amüsant. Wenn du gar keinen Hate bekommst, dann bist du zu langweilig.“

In der gesamten Podcast-Folge erzählt Antonella offen von ihrer schwierigen Schulzeit, ihrem Weg zu mehr Selbstbewusstsein und davon, wie sehr sie die Erfahrungen aus ihren Reality-Shows geprägt haben – inklusive strenger Geheimhaltungsregeln, Doppelmoral, fehlender Privatsphäre und echten Freundschaften vor der Kamera.

Alle Folgen des Podcasts „Mit.Menschen“ finden Sie hier.

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