
Der Erlanger Wasserstoffspezialist „Hydrogenious LOHC Technologies“ muss erneut Personal abbauen. Wie das Unternehmen bestätigt, fallen an den Standorten Erlangen und Neuss rund 50 Arbeitsplätze weg, damit verliert fast die Hälfte der zuletzt verbliebenen 110 Stellen ihren Job. Der Großteil der betriebsbedingten Kündigungen entfalle dabei auf den Hauptsitz in Erlangen, wie ein Unternehmenssprecher am Mittwoch auf Nachfrage erklärte. Bereits Ende des Jahres 2024 hatte das Unternehmen einen ersten größeren Stellenabbau hinter sich.
Die Belegschaft sei bereits Ende Januar über die aktuelle Entwicklung informiert worden. Für die betroffenen Mitarbeitenden will Hydrogenious unter anderem eine bezahlte Freistellungsphase sowie Coachings und Beratungsangebote anbieten. Weitere Personalmaßnahmen seien derzeit nicht geplant, so der Sprecher weiter.
Was macht Hydrogenious eigentlich?
Hydrogenious entwickelt und vermarktet eine Technologie, mit der Wasserstoff sicher gespeichert und transportiert werden kann. Dabei setzt das Unternehmen auf sogenannte LOHC (Liquid Organic Hydrogen Carrier). Der Wasserstoff wird chemisch an eine Trägerflüssigkeit gebunden und kann so ähnlich wie Öl transportiert und gelagert werden. Am Zielort wird er wieder freigesetzt.
Im vergangenen Jahr sei Hydrogenious laut eigenen Angaben vor allem in zwei Bereichen aktiv gewesen: Zum einen entwickelt und vertreibt das Unternehmen kleinere Anlagen für Energie- und Forschungsanwendungen. Zum anderen arbeitet es an großskaligen LOHC-Anlagen für industrielle Anwendungen, die langfristig auch für den Import größerer Wasserstoffmengen nach Deutschland eine wichtige Rolle spielen sollen. Allerdings hätte sich abgezeichnet, „dass sich der Wasserstoffmarkt auch im Jahr 2026 nicht spürbar positiv entwickeln wird“, so der Sprecher.
„Knoten noch nicht geplatzt“: Geschäftsführer äußert sich zu Gründen für Stellenabbau in Erlangen
„Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die LOHC-Technologie ein ganz entscheidender Baustein für die Dekarbonisierung der Industrie ist“, betont Hydrogenious-Geschäftsführer Andreas Lehmann. „Trotzdem ist der Knoten für den Markthochlauf noch nicht geplatzt. Wir stellen für Hydrogenious darum die Weichen, um die Technologie langfristig in Deutschland zu halten, auch wenn das schmerzhafte Einschnitte bedeutet“.
Als Hauptgrund für die Stellenstreichung nennt das Unternehmen die weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen im Wasserstoffmarkt. Wichtige gesetzliche Vorgaben würden außerdem weiter auf sich warten lassen, so das Unternehmen.
Zudem seien mehrere Schlüssel- und Leuchtturmprojekte verschoben oder abgesagt worden. Das sorge für Zurückhaltung bei privaten Investoren. Auch staatliche und privatwirtschaftliche Mittel flössen derzeit verstärkt in andere Bereiche wie Künstliche Intelligenz oder Sicherheit.
Vor diesem Hintergrund müsse das Unternehmen nun seine Strategie neu ausrichten. So will sich Hydrogenious künftig stärker auf das Geschäft mit Kleinanlagen konzentrieren. In diesem Segment sei die Auftragslage stabil und die neuen Strukturen sollen den Betrieb „in den folgenden Jahren unabhängiger von externen Einflüssen“ machen, erhofft sich der Wasserstoff-Spezialist.