
Amsterdam gilt als das Venedig des Nordens. Die niederländische Hauptstadt ist ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrten. Nun überlegt die Stadtverwaltung, es dem italienischen Vorbild gleichzutun und Kreuzfahrtschiffe aus dem Amsterdamer Hafen zu verbannen. Bis 2035 könnten Seereisen so komplett eingestellt werden.
Bereits 2024 hatte der Stadtrat die Anzahl der erlaubten Kreuzfahrtschiff-Anläufe von 190 auf maximal 100 pro Jahr beschränkt. Ebenso wurde die Verlegung des Seekreuzterminals von seinem derzeitigen Standort am Veemkade nahe dem Hauptbahnhof zum Coenhaven im westlichen Hafengebiet Amsterdams angeregt. „Nachhaltigkeit und Lebensqualität stehen für uns an erster Stelle“, sagte Hester van Buren, die im Stadtrat für Hafenpolitik zuständig ist, dutchnews.nl zufolge.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Wie dutchnews.nl berichtet, würde Amsterdam durch die Einstellung der Seereisen über einen Zeitraum von 30 Jahren Schätzungen zufolge gut 46 Millionen Euro an Hafen- und Tourismussteuern verlieren. Dem gegenüber steht die Verlegung des Kreuzfahrtterminals, die ebenfalls hohe Kosten verursachen würde. Dutchnews.nl berichtet von etwa 85 Millionen Euro. Eine Erfolgsgarantie gebe es nicht.
Van Buren argumentierte NL Times zufolge, dass die schrittweise Abschaffung von Kreuzfahrten Amsterdam „deutliche Vorteile in punctor Nachhaltigkeit und Umweltschutz“ bringen würde. Hintergrund sei, dass die Schiffe erhebliche Mengen an Kohlendioxid, Feinstaub und Stickstoff ausstießen. Zudem würde die Präsenz der Schiffe die Pläne für eine westliche Brücke über den IJ-Fluss behindern, die als eine wichtige Verbindung zwischen dem NDSM-Gebiet und dem geplanten Stadtviertel Haven-Stad vorgesehen ist.
Auch der örtliche Parteivorsitzende der D66, Rob Hofland, hat sich der NL Times zufolge für ein Verbot ausgesprochen, denn so könne Amsterdam „endlich von diesen schwimmenden Wohnblöcken“ befreit werden. Ebenso führte er wie van Buren Umweltaspekte als Gründe an.
Die aktuelle Koalition aus der Arbeiterpartei PvdA, GroenLinks und der linksliberalen Partei D66 begrüßt das Verbot zwar, doch die finale Entscheidung liegt nicht in ihren Händen. Nach den Kommunalwahlen am 18. März soll die neue Stadtregierung über das endgültige Schicksal der Kreuzfahrtschiffe entscheiden, bevor der Plan dem Stadtrat vorgelegt wird. Erst dann entscheidet sich, ob Amsterdam große Kreuzfahrtschiffe tatsächlich aus der Stadt verbannt und so hinter Venedig nachzieht. Dort dürfen Schiffe, die eine Länge von 180 Metern und eine Höhe von 35 Metern überschreiten, seit August 2021 nicht mehr den Industriehafen Marghera anlaufen.
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