
Wir tauchen hinein in den dichten Stachelmakrelenschwarm vor Cabo Pulmo, diesem versteckten Strand im Süden der mexikanischen Halbinsel Baja California. Abertausende silberne Fische gleiten wie ein lebender Vorhang durchs türkisblaue Wasser des Golfs von Kalifornien. Plötzlich dreht sich der Schwarm um uns, wir treiben wie im Auge eines Hurrikans in dieser wirbelnden Masse. Was für ein Spektakel für Taucher und Schnorchler!
Der legendäre Meeresforscher Jacques Cousteau nannte diese Gewässer, in denen die gesamte Meeresfauna zwischen Pazifik und Golf von Kalifornien quasi um Los Cabos herumwandert, einst „das Aquarium der Welt“. Spätestens beim zweiten Tauchgang sehen wir auch, warum: Wir entdecken ein altes Wrack, um das Bullenhaie kreisen (www.youtube.com/watch?v=e4_4mfuEqjQ) – majestätische Tiere, die uns neugierig mustern, während bunte Fischschwärme und mit etwas Glück sogar Schildkröten vorbeiziehen, manchmal sogar Walhaie.
Am Ende der Welt ist Mexiko sehr sicher
„Du reist nach Mexiko? Ist das nicht gefährlich wegen der Drogenkartelle?“ So fragen Freunde zu Hause. Doch Baja California, diese schmale Halbinsel, die sich als mexikanischer Teil Kaliforniens und einstige Wiege des 1848 geteilten Gebietes wie ein Wurmfortsatz hunderte Kilometer weit in den Pazifik zieht, ist sicher. Für die Drogenkartelle gibt es hier nichts von Interesse.
Hier ganz unten ist das Ende der Welt: Gen Westen öffnet sich fast eine halbe Erdkugel weit der Pazifik, erst in Japan oder Neuseeland stößt man wieder auf größere Landflächen. Zwischen den Städten San José del Cabo und Cabo San Lucas hat sich am südlichsten Zipfel der Halbinsel das zweitwichtigste Reiseziel Mexikos entwickelt - weil Acapulco und andere mexikanische Regionen auch für Touristen gefährlicher geworden sind, machen vor allem US-Amerikaner nun in Los Cabos Urlaub, die Region erlebt einen rasanten Wandel. Europäische Reisende machen nicht einmal zwei Prozent der Gäste aus, doch auch sie werden nun umworben. Seit November 2024 gibt es saisonal sogar einen Direktflug mit Condor ab Frankfurt - in nur 13 Stunden sind Sie in einer Welt, die mancherorts tropisch anmutet und doch zugleich Wüste ist – mit einer einzigartigen Flora und Fauna.
Boutique-Hotels und Ballermann-Rummel
San José del Cabo überrascht uns: Hier stehen kaum Hotelburgen, koloniale Gebäude säumen die Straßen im hübschen Zentrum. Donnerstagabends verwandelt sich die Altstadt beim Art Walk in eine Open-Air-Galerie – Künstler öffnen ihre Ateliers, Live-Musik erklingt überall, und wir schlendern mit einer Margarita in der Hand von Galerie zu Galerie. Wir haben fast alle Spielarten dieser mexikanischen Cocktail-Ikone ausprobiert: klassisch, mit Mango, mit Chili, mit Mezcal. Unser Drift Hotel liegt mitten im historischen Zentrum, modern und stylisch, aber bezahlbar – man muss nicht unbedingt in einem der 5-Sterne-Resorts absteigen, wo US-Promis wie Britney Spears regelmäßig logieren. Es gibt zudem viele Airbnb-Quartiere, die noch günstiger sind.
In Cabo San Lucas hingegen erleben wir viel Touristenrummel, teilweise fast schon Ballermann-Stimmung in manchen Bars, in denen auf Großbildschirmen für die feiernden US-Gäste Baseball übertragen wird und Bands US-Hits spielen. Wir machen lieber die Bootstour zum berühmten Felsbogen El Arco, wo Pazifik und Golf von Kalifornien aufeinandertreffen – bei Sonnenuntergang ein Postkartenmotiv, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Wir sind allerdings nicht die einzigen - ein Boot nach dem anderen bringt Touristen dorthin, manche tauchen direkt an den Felsen mit Seelöwen, andere schnorcheln, einige fahren mit Jetski herum.
Deutlich authentischer ist da Todos Santos, etwa eine Stunde nördlich von Cabo San Lucas. Das kleine Künstlerstädtchen ist ein „Pueblo Mágico“ – ein magischer Ort mit kolonialen Häusern, bunten Galerien und entspannter Atmosphäre. Etwas außerhalb, hinter einem Berg im Kaktuswald, liegt das exklusive Hotel Paradero – ein architektonisches Meisterwerk aus in Wüstensandfarbe eingefärbtem Beton im Stil des Brutalismus. Die klare, reduzierte Architektur wirkt hier aber nicht kalt, sondern fügt sich wunderbar in die Landschaft ein, umgeben von den Feldern der hoteleigenen Farm. Der Blick schweift über Kakteen hinweg Richtung Pazifik, die Zimmer sind minimalistisch, die Ruhe maximal.
Frischer Fisch und Farm-to-Table
Los Cabos hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Hotspot für Feinschmecker entwickelt. 100 Prozent der Produkte stammen aus der Region, nirgendwo in Mexiko wird mehr Bio-Ware angebaut. Im Restaurant Don Sanchez in San José probieren wir authentische mexikanische Küche neu interpretiert, im SUR Beach House direkt am Strand gibt es frischen Fisch mit den Füßen im Sand. Und das Farm-to-table-Restaurant El Huerto liefert Mexikanische Klassiker frisch interpretiert mit Salat und Gemüse direkt von den eigenen Feldern drumherum.
Weil hier jedoch so viele US-Amerikaner und wohlhabende Mexikaner Urlaub machen oder inzwischen sogar hier wohnen, sind die Preise stark gestiegen und liegen teils über denen in den USA. Wer auch beim Essen Geld, aber nicht an Qualität sparen möchte, kann sich etwa in Wohngebieten oder an den Straßen eine der vielen kleinen Fondas oder Taquerias suchen – authentische Lokale, wo Einheimische essen. Hier kostet das Bier zwei bis drei statt zehn Dollar, und die Tacos schmecken meist genauso gut.
Walbeobachtung und Wüstenabenteuer
Wir sind im Winter hier, der perfekten Zeit: Die Temperaturen liegen bei angenehmen 25 Grad, und vor der Küste ziehen Grauwale, Buckelwale und Delfine vorbei. Wer Action sucht, fährt mit dem Quad zwischen Kakteen durchs Hinterland oder wandert in der Sierra de la Laguna, wo sich eine Pflanzenwelt zeigt, die nirgendwo sonst auf der Welt existiert. Diese Mischung aus Wasser, Wüste und Bergen macht Baja California besonders.
Braucht man Los Cabos auf der Bucket List? Es ist für viele vielleicht nicht die erste Wahl, wenn man noch nie in Mexiko war. Aber wenn Sie Tauchen, Natur und gutes Essen lieben, sicher reisen möchten, einfach am Strand entspannen und bequem aus Deutschland anreisen wollen, dann definitiv. Und sei es im Anschluss oder vor einer Reise zu den Klassikern Mexikos - per günstigem Inlandsflug sind sie schnell dort.
Mehr Informationen:
Los Cabos Tourismusbüro: www.visitloscabos.travel/germany sowie Tauchen und Ausflüge auf dem Wasser https://nautilusliveaboards.com
Anreise: Seit November 2025 mit Condor zweimal die Woche immer montags und freitags nonstop von Frankfurt nach Los Cabos/San José del Cabo in rund 13 Stunden über Nacht in einer Drei-Klassen-Konfiguration: www.condor.com/de/fluege/mexiko/los-cabos-cabo-san-lucas
Motorradverleih: Sampa Explore, https://sampaexplore.com, info@sampaexplore.com, Tel.: +52 1 55 2690 1168 (Spanisch und Englisch)
Beste Reisezeit: Dezember bis April für angenehm mildes Wetter und Whale-Watching, Mai/Juni oder Oktober/November für weniger Touristen und gute Preise.
Redaktioneller Hinweis: Die Recherche für diesen Artikel wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt.
Newsletter für Ihre Region
Sie möchten mehr Informationen aus der Region? Hier können Sie einen unserer Newsletter kostenlos bestellen.





