Erlangen - Nach mehreren ergebnislosen Verhandlungsrunden spitzt sich der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst der Länder weiter zu. In Nordbayern kommt es nun zu erheblichen Arbeitsniederlegungen.

Die angespannte Tariflage im öffentlichen Dienst der Länder sorgt deutschlandweit weiterhin für Unruhe. Viele Beschäftigte sind ihren Belastungsgrenzen nahe und warten auf ein faires Angebot. Nun erreicht die Bewegung auch Nordbayern mit neuen, groß angelegten Streikaufrufen.

Die Gewerkschaft Ver.di teilt mit, dass sie Beschäftigte aus Universitätskliniken, Landesämtern und Hochschulen in ganz Nordbayern zum Streik aufgerufen hat. In Erlangen werden am Dienstag die Landesbeschäftigten gemeinsam auf die Straße gehen. Die Großdemonstration findet noch vor der dritten Verhandlungsrunde der Tarifrunde der Länder vom 11. bis 13. Februar statt.

Wie die Dienstleistungsgewerkschaft weiter mitteilt, habe die Arbeitgeberseite bislang kein Angebot vorgelegt - lediglich einen „Lösungskorridor“ mit geringfügigen Lohnerhöhungen und langer Laufzeit. Dies habe bei den Landesbeschäftigten für großen Unmut gesorgt, erklärt ver.di. Am Mittwoch folgt in Nürnberg ein Streik im Nahverkehr.

Am Dienstag, 10. Februar, versammelt sich die große Streikdemonstration im Redoutensaal am Theaterplatz 1 in Erlangen; die Abschlusskundgebung ist auf dem Rathausplatz geplant.

Auch Kritik an „Teilzeit-Lifestyle“-Aussage

Beschäftigte der Universitätskliniken Erlangen, Würzburg und Regensburg werden in Erlangen erwartet. „Wenn Teile der Bundesregierung unsere Arbeitsrealität mit Begriffen wie ‚Lifestyle-Teilzeit‘ abwerten, zeigt das, wie gering die Wertschätzung für unsere Arbeit ist“, sagt Sandra Bischoff aus dem OP-Bereich des Uniklinikums Erlangen. „Ich arbeite als Mutter eines zehnjährigen Kindes mit 85 Prozent - an der Grenze dessen, was leistbar ist. Statt pauschaler Vorwürfe brauchen wir endlich Anerkennung und eine angemessene Bezahlung für das, was Tarifbeschäftigte täglich leisten.“ Trotz Streik wird in den Unikliniken eine Notfallversorgung gesichert sein, der Streik wird jedoch zu spürbaren Auswirkungen führen.

Auch Beschäftigte des Finanzamts Nürnberg gehen am Dienstag für bessere Bezahlung auf die Straße. „Ohne uns gäbe es keine Einnahmen für den Staat - trotzdem arbeiten wir am Limit“, erklärt Gerhard Groh vom Finanzamt Nürnberg. „Mehr Fälle, weniger Personal, schlechtere Bedingungen. Wenn qualifizierte Beschäftigte woanders für weniger Arbeit mehr Geld bekommen, darf sich niemand über Abwanderung wundern. Wir sind systemrelevant und jeden Euro mehr wert.“

„Schere geht immer weiter auseinander“

In den Ausstand treten ebenfalls Beschäftigte der Friedrich-Alexander-Universität. Andreas Doil ergänzt im Namen der Mitarbeitenden: „Wir streiken auch im Interesse der FAU, da wir im Länderbereich dringend einen guten Tarifabschluss brauchen. Andernfalls geht die Schere zur Wirtschaft und zum kommunalen öffentlichen Dienst immer weiter auseinander: Wir verlieren weiterhin gutes Personal an die Kommunen, finden kaum neue Mitarbeitende, die Arbeitsverdichtung steigt, die Bedingungen verschlechtern sich - und wir verlieren noch mehr Personal. Ohne gute Bezahlung und faire Tarifbedingungen leidet auch Forschung und Wissenschaft. Die Universitäten sind chronisch unterfinanziert. Können wir es uns wirklich leisten, unseren einzigen Rohstoff - Ausbildung und Forschung - so zu vernachlässigen?“

Forderungen in der Tarifrunde

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Gehalt im Monat - mindestens jedoch 300 Euro zusätzlich, um insbesondere die unteren Lohngruppen zu stärken. Für Nachwuchskräfte sollen die Vergütungen um 200 Euro pro Monat steigen. Zudem verlangt Ver.di ihre unbefristete Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung. Alle Zeitzuschläge sollen um 20 Prozentpunkte erhöht werden.