Fürth - Mit 4:5 hat das Kleeblatt gegen den 1. FC Magdeburg verloren. Nach früher Führung kassierte die Vogel-Elf fünf Gegentore in unter 20 Minuten, die folgende Aufholjagd wurde nicht mehr belohnt.

Wie schon im Hinspiel lieferten sich die Spielvereinigung und der 1. FC Magdeburg einen denkwürdigen Schlagabtausch: Wieder fielen neun Tore, wieder hieß es am Ende 4:5, dieses Mal jedoch hatten die Elbstädter das bessere Ende für sich. Dabei täuschen die Dramaturgie des Spiels und das knappe Ergebnis etwas darüber hinweg, dass die Spielvereinigung in der ersten Hälfte bisher ungesehene Auflösungserscheinungen zeigte und bereits nach etwas mehr als einer halben Stunde mit 1:5 in Rückstand lag. Das Kleeblatt kam tatsächlich noch auf 4:5 heran, die Aufholjad blieb am Ende jedoch unbelohnt.

Fürths Cheftrainer Heiko Vogel veränderte seine Startelf im Vergleich zum 2:1-Sieg bei Holstein Kiel auf gleich drei Positionen - und scheute dabei nicht vor experimentierfreudigen Entscheidungen: So verdrängte der vom 1. FC Kaiserslautern geliehene Jan Elvedi den designierten Abwehrchef Philipp Ziereis auf die Bank. Dort nahmen zunächst auch Top-Torschütze Noel Futkeu und Dennis Srbeny Platz, für sie rückten der am Deadline-Day verpflichtete Sayfallah Ltaief und Aiman Dardari in die erste Elf. Zusammen mit Paul Will und Doni Afiri, die wie schon in der Vorwoche die Mittelfeldzentrale bildeten, standen somit fünf Winterneuzugänge in der Startformation. Der sechste Neue, Keyan Varela, saß auf der Bank.

Bjarnason trifft früh - Magdeburg dreht die Partie schnell

Bevor das Spiel angepfiffen wurde, gedachte der Ronhof mit einer Schweigeminute dem langjährigen Fürther Mannschaftsarzt Harald Hauer. „Ruhe in Frieden, Doc!“, stand auf einem Banner, das die Nordtribüne zeigte. Danach legte das Kleeblatt mutig los: Besonders der auffällige Dardari mischte die Magdeburger Abwehr auf und sorgte für die ersten Eckbälle. Nach einem solchen ging die Spielvereinigung früh in Führung: Kellers Standard lag lange in der Luft, am Ende köpfte Bjarnason recht mühelos ein, auch weil Magdeburgs Keeper Reimann zu zögerlich aus seinem Kasten kam und nicht mehr bereinigen konnte - das 1:0 (8. Minute).

Der Treffer geriet zum Startschuss - aber nicht etwa für das Kleeblatt, sondern für den 1. FC Magdeburg: Die Gäste schüttelten sich kurz und fegten dann wie ein Sturm über die Fürther Abwehr hinweg, die sich irgendwann nur noch ihrem Schicksal ergab. Zunächst rettete Schlieck noch im Eins-gegen-Eins gegen Ulrich, doch in der 13. Minute fiel der Ausgleich: Ghrieb hatte auf rechts keinen Gegenspieler, dribbelte in den Sechzehner und zog ab. Münz fälschte ab, das 1:1. Nur zwei Minuten später drehten die Magdeburger die Partie, nach einem fahrlässigen Ballverlust von Dardari bediente Ulrich Zukowski, der Angreifer netzte ohne jeden Gegnerdruck zum 1:2 ein (15.).

Kleeblatt-Abwehr wird zerrupft - zarte Hoffnung durch Eckball-Treffer

Das Spiel kannte nur noch eine Richtung. Zukowskis Kopfballtreffer wurde noch wegen Abseits zurückgenommen (18.), dafür versenkte Ghrieb eine Vorlage von Atik aus dem Rückraum zum 1:3 (23.) - das 50. Fürther Gegentor in dieser Saison. Nummer 51 ließ nicht lange auf sich warten, in der 29. Minute verlor Bjarnason den Ball in schlafmützigster Manier gegen Atik, der Zukowski losschickte - der Pole schnürte den Doppelpack zum 1:4 (29. Minute). Drei Minuten später sah der längst in kollektive Schockstarre verfallene Ronhof einen Lattentreffer von Ghrieb - und im Anschluss Zukowskis dritten Treffer, der abermals auf Vorlage von Atik vollstreckte. Das 1:5 nach 32 Minuten.

Das Kleeblatt schien nach etwas mehr als einer halben Stunde vernichtend geschlagen, der Spielstand provozierte absurde Szenen: Nach 36 Minuten nahm Heiko Vogel Offensivspieler Dardari vom Platz und brachte mit Ziereis einen zusätzlichen Innenverteidiger - wohlgemerkt bei einem Vier-Tore-Rückstand auf heimischem Platz in der ersten Halbzeit. Nach der erfolgreichen Demontage der Fürther Defensive schienen die Magdeburger gesättigt und schalteten ein paar Gänge zurück. Und die Fürther wussten diesen Umstand tatsächlich zu bestrafen: Durch zwei Eckball-Tore von Doni Arifi (43.) und Jan Elvedi (45.+5) verkürzte das Kleeblatt auf 3:5. Mit diesem Spielstand ging es in die Kabinen.

Ltaief bringt das Stadion zurück - kein Happy End fürs Kleeblatt

Der zweite Durchgang begann so verrückt wie der erste: Unter seichtem Druck von Hrgota spielte Atik einen schlampigen Rückpass auf Reimann, Ltaief spritzte dazwischen - und überlupfte den Magdeburger Keeper tatsächlich zum 4:5 (47.) Der Treffer erweckte das Stadion wieder zum Leben: Die Fürther Fans, die im ersten Durchgang den Support eingestellt hatten, waren wieder da. Und die Magdeburger zeigten nach dem Anschlusstreffer tatsächlich Nerven, Heiko Vogels Mannschaft blieb dran und kam durch Ltaief nach Zuspiel von Hrgota zur nächsten Chance, Reimann parierte den Versuch aus spitzem Winkel jedoch (57.). Nach der folgenden Ecke schoss Will aus zweiter Reihe recht deutlich über den Kasten.

Danach nahm sich das Spiel erstmals so etwas wie eine Verschnaufpause: Die Magdeburger erwarteten das Kleeblatt tiefstehend, lauerten auf Umschaltmomente. Die Fürther versuchten es weiter, kombinierten aber zu langsam, um die Defensive der Gäste weiter in Bedrängnis zu bringen. Nach 70 Minuten zeigten sich die Gäste mal wieder vor dem Fürther Tor: Abermals fand eine Halbfeldflanke einen Magdeburger, dieses Mal Hercher. Dessen Kopfball geriet aber nicht zum Problem für Schlieck. Sechs Minuten später passte Keller nach starkem Dribbling von rechts scharf nach innen, die Gäste klärten aber vor dem einschussbereiten Futkeu. Es blieb dabei: Aus dem Spiel heraus blieb das Kleeblatt zu ungefährlich und schaffte es viel zu selten, sich gefährliche Torgelegenheiten zu erspielen.

So trudelte das Spiel langsam aber sicher dem Ende entgegen. Von der Intensität der ersten Stunde war längst nichts mehr geblieben, das Kleeblatt wirkte müde, die Magdeburger ebenfalls. Erst in der Nachspielzeit entfachte die Spielvereinigung wieder Torgefahr. Erneut war es ein Eckball, der den Ronhof beinahe beben ließ - Münz‘ Versuch klärte Nollenberger auf der Linie, vom mit nach vorne geeilten Schlieck prallte der Ball in die Arme von Reimann - der Torlinientechnik zufolge vor der Linie. Die späte Pointe blieb dem Kleeblatt verwehrt, mit 4:5 unterlag das Team von Heiko Vogel dem 1. FC Magdeburg und bleibt Tabellenletzter. Am kommenden Spieltag reist die Spielvereinigung zum 1. FC Kaiserslautern.