
Im Winter wundervoll verschneit, im Sommer idyllisch grün: Südtirol mit den imposanten Dolomiten sind ganzjährig eine Augenweide. Doch Schönheit spricht sich bekanntlich schnell herum - die Angst geht in der bei Touristen immer beliebter werdenden Region im Norden Italiens um. Ein „Alptraum in Südtirol droht wahr zu werden“, erklärt Claudia Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbands, in einer Pressemitteilung.
Statistiken stellen der Ganzjahresferienregion ein Zeugnis mit Wachstum und Potenzial aus: Im abgelaufenen Jahr 2025 erreichte die Gegend frische Rekordzahlen. Daten des südtirolischen Landesinstituts für Statistik zufolge stiegen die Ankünfte um rund drei Prozent. Die Übernachtungen knackten erstmals die Marke von 38 Millionen. Rekordzahlen führen aber auch zu notwendig werdenden Maßnahmen - zum Bedarf an Betten oder zu Zugangsbeschränkungen, in denen eine Art Maut fällig wird, wie in diesem Beispiel aus dem vergangenen Frühjahr. Auch die Südtiroler Einheimischen zeigen - wie an vielen anderen von Touristen und Touristinnen überfüllten Ferienregionen auch - zunehmend mehr Widerstand gegen das größer werdende Problem des Overtourism.
Während der Landrat noch mehr Betten - rund 12.000 Stück - in der Ferienregion aufstellen und, so der Heimatpflegeverband, „den andauernden Hotelbauboom um weitere 5 Jahre ab September 2026 verlängern“ will, schlägt nun ebendieser Verband ordentlich Alarm. „Die touristische Überlastung nimmt zu – aber statt gegenzusteuern, wird an der Wachstumsschraube weitergedreht“, moniert dessen Obfrau Plaikner in der Pressemitteilung weiter. Es ist eine auf Papier gebrachte Warnung vor den Konsequenzen, vor dem Sprengen der Belastungsgrenze der Region, wenn ungebremst weiterhin für Gäste expandiert werde: „Zunehmender Verkehr auf den Straßen, Überfüllung im öffentlichen Nahverkehr, Bodenverbrauch, Zersiedelung, Bausünden im Grün, Belastung von Landschaft und Ortsbildern sowie ein weiterer Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt“, zählt die Obfrau auf.
Zwischen September 2022 und Dezember 2025 wuchs die Bettenzahl von 235.000 auf 267.623 an. Wie der Heimatpflegeverband anmahnt, passiere dies, obschon die Durchführungsverordnung von 2022 eigentlich eine Grenze beinhaltete: Durch sie wurde die komplette Erfassung aller Betten, die kommunalen Kontingente und eine Verteilung auf Gemeindeebene an den Start gebracht. Allerdings dürfen den Angaben zufolge schon bestehende Ausbaurechte genutzt werden – etwa bei erteilten oder bei Baukonzessionen, die bis 21. Juli 2022 beantragt worden sind, sowie in ausgewiesenen Tourismuszonen, wenn dafür bis spätestens 22. September 2026 eine Baugenehmigung erteilt wird. „Bedauerlicherweise hat diese Art der Umsetzung des Landestourismusentwicklungskonzepts (LTEK 2030+) dazu geführt, dass der Bettenbau in Südtirol nicht gebremst, sondern geradezu beschleunigt worden ist“, klagt Plaikner laut Pressemitteilung an.
Bekräftigung für Bettenstop-Frist in Südtirol
Während Landrat Luis Walcher weiterhin eine Ausdehnung der Betten-Kapazität erwägt und die Grundlage dafür um fünf Jahre verlängern will, beschwichtigt Landeshauptmann Arno Kompatscher deutlich: „Für mich ist es klar,, dass es sicher keine genrelle, automatische Verlängerung geben wird“, sagt er merkur.de zuolge auf einer Pressekonferenz. Plaikner und der Heimatpflegeverband hoffen und fordern, dass die Frist für einen Bettenstopp nicht langer als bis September 2026 ausgedehnt, auf nicht umgesetzte Projekte verzichtet und endlich eine verbindliche Obergrenze festgelegt werde. Kompatscher zufolge stehe die Frist am 22. September 2026 - doch lässt er ein Schlupfloch offen: Man müsse Einzelfälle beurteilen, da manche Gemeinden von Abwanderung betroffen seien und große Hoffnungen in Wiederbelebung durch neue Hotels hofften.
Maßnahmen gegen den Übertourismus in Südtirol
Vielen Einheimischen in Südtirol wird es zuviel - ein Beispiel aus dem vergangenen Sommer: Als Massen an Bergwanderern den berühmten Seceda im Grödnertal fluteten, weil auf Social Media ein Hype darum entstanden war, und die Touristen für Staus, überfüllte Parkplätze und Wanderwege sorgten. Kurzerhand errichteten die Anwohner und Grundbesitzer Zäune und verlangten einen Wegzoll von den Wandergästen. An den Drei Zinnen gilt seit 2025 offiziell eine Gebühr für Besucher, ein neues Besuchsmanagement für Südtirol soll als Steuerungselement für Milderung sorgen. Einem Bericht von alpin.de soll auch die Seceda im Sommer über ein Slot-System online vorab buchbar sein. Mit unterschiedlichen Gebühren will man die Besucherströme entzerren und lenken sowie Flora und Fauna entlasten.
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