Erlangen - Die Energiekrise 2021 hatte neben gravierenden wirtschaftlichen Folgen auch drastische Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Das stellten Forscher der Friedrich-Alexander-Universität in einer neuen Studie fest.

Der kurzzeitige Umstieg auf Kohlestromversorgung sorgte in mehreren europäischen Ländern für zusätzliche Gesundheitskosten. Zu diesem Fazit kommen zwei Wirtschaftswissenschaftler der Friedrich Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Mehr Energie aus Kohlekraftwerken

In den Jahren 2021 und 2022 steckte Deutschland unter anderem aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine in einer Energiekrise. Das Gas wurde zeitweise so teuer, dass Kohlekraftwerke erneut zum Einsatz kamen. In den Ergebnissen der neuen Studie heißt es, dass der Anteil des Kohlestroms am Energiemix in den 510 Krisentagen in den sechs untersuchten europäischen Ländern um 23 Prozent gestiegen sei. Laut den Forschern sei der Effekt in Deutschland am stärksten gewesen: Pro Umschalt-Tag wurden hierzulande rund 56 Gigawattstunden mehr Strom aus Kohle erzeugt. Das ist ein Plus von 13,5 Prozent.

Der zeitweilige Wechsel von Gas- auf Kohleverstromung war zwar preislich günstiger und trug zur Versorgungssicherheit bei, verursachte jedoch allein in den sechs Ländern enorme zusätzliche Umwelt- und Gesundheitskosten. So wurden deutlich mehr Schadstoffe freigesetzt. Der CO₂-Ausstoß stieg um etwa 36 Millionen Tonnen - das entspricht einem Anstieg um zehn Prozent im Vergleich zum Durchschnitt vor dem Kohle-Wechsel. Auch die Luftverschmutzung nahm zu: Der Feinstaubgehalt stieg um 19 Prozentpunkte, Stickoxide um zehn Prozent und Schwefeldioxid um knapp ein Viertel.

Zusätzliche Gesundheitskosten

Als Folge dessen leiten die Wissenschaftler daraus rund 1.285 zusätzliche vorzeitige Todesfälle und etwa 11.781 Fälle schwerer Erkrankungen ab. Das entspricht jeweils einem Zuwachs von 17 Prozent. Die Wirtschaftswissenschaftler schätzen, dass sich die zusätzlichen Umwelt- und Gesundheitskosten allein in den sechs untersuchten Ländern auf rund eine Milliarde Euro belaufen.

Für die Studie werteten Prof. Dr. Mario Liebensteiner von der FAU und sein Student Alex Kimani täglich Daten von 2015 bis 2023 für die sechs EU-Länder Tschechien, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande und Polen aus. Sie untersuchten, an welchen Tagen Kohle in der Stromerzeugung günstiger war als Gas und welche Auswirkungen das hatte.

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