
Die Debatte um die Brandgefahr von Elektroautos ist emotional aufgeladen wie kaum ein anderes Mobilitätsthema. So reicht in den sozialen Netzwerken ein einzelnes brennendes E-Auto wie der BMW i3, der am Samstag auf einem Supermarktparkplatz in Fürth in Flammen aufging, um sofort zahlreiche Verbrennerfreunde auf den Plan zu rufen, die die Kommentarspalten mit hämischen Sprüchen fluten. Doch was sagt eigentlich die Datenlage? Sind die Stromer wirklich nichts anderes als fahrende Todesfallen?
Hierzu gibt es verschiedene Untersuchungen auf der ganzen Welt. So dokumentierte die schwedische Behörde für Sozialschutz und Bereitschaft (MSB) im Jahr 2022 gerade einmal 24 Brände bei insgesamt 611.000 Elektrofahrzeugen - eine Rate von nur 0,004 %. Im selben Zeitraum sind 0,08 % der Benzin- und Dieselmodelle in Flammen aufgegangen, also rund 20-mal mehr. In Norwegen, dem Land mit der weltweit höchsten E-Auto-Dichte, sieht es ähnlich aus: Dort kamen auf 100.000 Elektro- oder Hybridfahrzeuge lediglich 3,8 Brände, während Fahrzeuge aller Antriebsarten im selben Zeitraum mit 68 Fällen pro 100.000 deutlich häufiger betroffen waren.
Auch in den USA, wo traditionell besonders detaillierte Unfall- und Schadensdaten erhoben werden, ergibt sich ein klares Bild: Pro 100.000 verkaufte Fahrzeuge brannten nur 25 Elektroautos, aber 1.530 Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb.
Selbst große Versicherer wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) finden keine Hinweise darauf, dass E-Autos häufiger brennen als ihre benzin- oder dieselbetriebenen Pendants. Die Statistiken der Versicherungsgesellschaften bestätigen, dass batterieelektrische Fahrzeuge insgesamt keine erhöhte Brandgefahr darstellen. Das Allianz Zentrum für Technik (AZT) kommt in einer eigenen Auswertung der Jahre 2020 bis 2024 zu demselben Ergebnis: Weniger als ein Prozent aller gemeldeten Fahrzeugbrände betrafen reine Elektrofahrzeuge.
Warum kann es dann so wirken, als würden E-Autos ständig in Flammen aufgehen - trotz dieser klaren Zahlen? Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein brennendes E-Auto ein mediales Ereignis ist. Akku-Brände unterscheiden sich optisch deutlich von Motorbränden, denn sie können länger andauern, die Flammen schlagen spektakulärer hoch, und das Löschen erfordert mitunter spezielle Maßnahmen wie das Fluten des Batteriegehäuses. Solche Bilder prägen sich ein und werden häufiger weiterverbreitet. Medienwirksame Einzelfälle führen also zu einer deutlich verzerrten Wahrnehmung - besonders bei Menschen, die ohnehin etwas gegen E-Autos haben.
Leicht entzündliche Flüssigkeiten
Warum brennen Verbrenner überhaupt so viel häufiger? Das hat mehrere Gründe: Typische Ursachen für Fahrzeugbrände bei Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben sind Kraftstofflecks, heiße Motor- und Abgaskomponenten, undichte Ölkreisläufe oder elektrische Defekte im Motorraum. Und Benzin und Diesel sind nun mal leicht entzündliche Flüssigkeiten, die bei einem Unfall oder technischen Defekt schnell zu einem Feuer führen können.
Elektroautos hingegen besitzen naturgemäß keine brennbaren Flüssigkeiten wie Kraftstoff oder Motoröl, was das Risiko bestimmter Brandursachen grundsätzlich reduziert. Moderne Akkusysteme sind zudem mit mehrschichtigen Schutzmechanismen ausgestattet: Kühlkreisläufe, stabile Gehäuse, Sensorik und Batteriemanagementsysteme überwachen Temperatur, Spannung und Stromfluss kontinuierlich, wodurch spontane Akku-Selbstentzündungen extrem selten sind.
Insgesamt zeigt die Datenlage also ein sehr deutliches Bild: Fahrzeuge mit Elektroantrieb brennen nicht nur nicht häufiger, sondern sogar deutlich seltener als Verbrenner. Daran ändert auch ein abgebrannter i3 auf einem Fürther Supermarktparkplatz nichts.
