
Starke Frau - dieser Begriff ist abgegriffen, wirkt bemüht. Im Falle von Sandra Bradley passt er aber: Denn die 36-jährige Wahl-Nürnbergerin stemmt Baumstämme, zieht LKW und hebt Autos. Als Strongwoman ist sie amtierend die stärkste Frau Deutschlands. Die Liste der Erfolge der gebürtigen Oberpfälzerin ist lang: Sie war unter anderem auch Europas stärkste Frau in ihrer Gewichtsklasse und holte bei Arnold Schwarzeneggers Wettbewerb den Titel „Worldchampion“ bei den Amateuren.
Ihren eigenen Weltrekord im Bayerischen Steinheben brach sie 2025 aus Versehen, wie sie im Podcast Mit.Menschen im Gespräch mit Redakteurin Anette Röckl erzählt. Eigentlich hatte sie auf der Fibo, der weltweit größten Messe für Gesundheit, Fitness und Wellness in Köln, sich nur ein bisschen ausprobieren wollen, und hob dann einen Stein von 229 Kilo auf 63 Zentimeter - Rekord gebrochen. Und das, obwohl es körperlich kein besonders guter Tag für sie gewesen war, im Gegenteil: „Ich hatte meine Periode - immer noch ein Tabuthema“, sagt Bradley.
Ohne Disziplin und Willenskraft kommt man nicht dorthin, wo sie ist. Perfektionismus sei aber eher hinderlich. „Ich gebe alles. Wenn es an einem Tag nur 40 Prozent sind, die ich geben kann, dann ist das aber auch genug.“ Im Moment des Wettbewerbs blendet sie das Umfeld so gut wie aus. „Ich gehe in mich, um meine Stärke zu finden“, erklärt sie. So hebt sie dann Husafell-Steine in Island mit 186 Kilo - oder zieht ein 260 Kilogramm schweres Joch zwanzig Meter weit.
„Der Kraftsport war wie eine Rüstung für mich“
Die innere Stärke zu finden, darum ging und geht es auf ihrem Lebensweg, der nicht immer einfach war. Der Kraftsport holte sie einst aus einer Magersucht heraus. Dünn zu werden, war ihre Motivation, mit Fitness zu beginnen. Der Kraftsport sei anfangs „wie eine Rüstung“ für sie gewesen, der ihre Verletzlichkeit schützte, erzählt die ehemalige Polizistin, die heute als Coach arbeitet. Dann erkannte sie, was sie eigentlich wollte: Nicht dünn sein, sondern stark. Ganz wie Pippi Langstrumpf, die als Kind ihr Vorbild war.
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Ihre beachtlichen Muskeln bringen der Nürnbergerin immer wieder blöde Kommentare ein, vor allem in den oft gar nicht so sozialen Medien. „Das sieht zu männlich aus!“, ist ein Spruch, denn Bradley oft hört. „Muskeln sind nicht männlich“, betont sie. Muskeln sind Muskeln. Und die können eben auch Frauen haben.
Die stärkste Frau Deutschlands hatte in der Schule einen Endgegner: Die Bundesjugendspiele
Ehrlich, reflektiert und sympathisch erzählt die fränkische Strongwoman im Podcast, wie ihr der Kraftsport auch im Alltag Stärke verleiht, was sie macht, wenn sie gerade keine Steine herumwuchtet und was die heute stärkste Frau Deutschlands in der Schulzeit mit der sportlich eher minderbegabten Kolumnistin Röckl gemeinsam hatte: die Abneigung gegen die Bundesjugendspiele.
Das Gespräch wurde im April 2025 aufgezeichnet, Anmerk. d. Redaktion
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