
Die „Rauhnächte“, „zwölf Nächte“, „Glöckelnächte“ oder auch „Innernächte“ finden jedes Jahr um den Jahreswechsel im Dezember und Januar statt. Sie bezeichnen die Zeit des Übergangs von einem Jahr in das nächste. Um diese besonderen Nächte ranken sich uralte Geschichten und Bräuche. Schriftliche Quellen dazu findet man beispielsweise aus dem 16. Jahrhundert. Die zwölf Tage mit ihren langen Nächten wurden im europäischen Brauchtum zur Wahrsagerei, zur Geisterbeschwörung und -austreibung genutzt. Für einige Menschen haben die Nächte noch heute eine übernatürliche Bedeutung.
Der Name Rauhnächte kommt möglicherweise vom mittelhochdeutschen Wort „rûch“, das „haarig“ bedeutet. In diesem Fall bezieht er sich wohl auf mit Fell bekleidete Dämonen, die in diesen Nächten ihr Unwesen treiben sollen. Möglicherweise hängt der Name auch mit dem Wort Rauch und dem Brauch des Ausräucherns (siehe unten) zusammen.
Rauhnächte: Diese Bedeutung steckt dahinter
Früher richteten die Menschen ihr Leben nach dem Mondkalender und nicht nach dem Sonnenkalender aus. Ein Mondzyklus von Neumond zu Neumond dauerte 29,5 Tage. Rechnet man dies auf zwölf Monate hoch, ergeben sich daraus 354 Tage. Daraus ergibt sich eine Differenz von elf Tagen und zwölf Nächten zum heutigen Sonnenkalender. Diese Tage wurden dann als „tote Tage“ oder Tage jenseits der Zeit bezeichnet. Heute spricht man immer noch häufig von der „Zeit zwischen den Jahren“.
Kurz nach der Wintersonnenwende sind die Nächte noch besonders lang und verschiedene Naturphänomene, die heute wissenschaftlich begründet werden können, waren damals noch ungeklärt. Familien und Freunde kamen nach Weihnachten zusammen, legten eine Pause von der Arbeit ein und erzählten sich gegenseitig Geschichten - auch über Geister und übersinnliche Mächte. Die Menschen glaubten, dass die Grenzen zu anderen Welten in den Rauhnächten verschwimmen - und dass sich ein Tor öffnet, welches die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.
Der Sage nach bricht die Wilde Jagd in der Mitte der Rauhnächte auf und bedroht bis zum Dreikönigstag die Lebenden. Wer die übernatürlichen Jäger sieht, die über den Himmel ziehen und dabei schreien und ächzen, dem soll damit Böses angekündigt werden - beispielsweise ein Krieg, eine Hungersnot oder der eigene Tod. Zudem fürchteten sich die Menschen davor, dass ihre Seelen von der wilden Jagd mitgerissen würden und sie auf ewig mit durch die Lüfte ziehen müssten, falls niemand es schaffe, sie zu befreien.
Wann genau beginnen die Rauhnächte 2025?
Die Rauhnächte 2025 beginnen der gängigsten Definition nach wie jedes Jahr am 25. Dezember und enden am 6. Januar 2026. Es kommt bei diesem Brauchtum aber auf die Gegend an: Mitunter werden nur drei oder vier Nächte aus Rauhnächte bezeichnet - oder der Zeitraum fängt bereits zur Wintersonnenwende an oder endet schon am 1. Januar. Als besonders wichtig gelten allgemein die Nacht vom 20. auf den 21. Dezember (meist das Datum der Wintersonnenwende und damit die längste Nacht im Jahr), die Nacht des Heiligen Abends, die Silvesternacht und die Nacht vom 5. auf den 6. Januar.
Rauhnächte: Bräuche und Rituale
Rund um die übersinnlichen Nächte gibt es viele Bräuche und Rituale. Die bekanntesten werden im Folgenden vorgestellt:
- Im Süden Deutschlands, in Österreich und in Südtirol gibt es während der Rauhnächte traditionell Perchtenläufe oder Perchtenumzüge. Die Teilnehmer verkleiden sich als dämonische Frauen, wilde Tiere oder Göttinnen, die mit ihren umgehängten Glocken die bösen Geister des Winters vertreiben. Meist sind es örtliche Vereine, die eigene Kostüme und Masken herstellen. Erste Nachweise solcher Umzüge gibt es schon aus dem sechsten Jahrhundert.
- Die Rauhnächte stehen für den Neubeginn und Wandel. Ein Jahr endet, das Neue beginnt. In Anlehnung an Mythen und den Glauben, dass böse Geister beziehungsweise negative Energie aus dem Haus vertrieben werden müssen, räuchern manche Menschen ihr Haus oder ihre Wohnung aus. Bei dem Ritual werden oftmals Weihrauch, Salbei, Wacholder, Myrrhe oder Thymian verwendet, aber auch weitere Kräuter kommen zum Einsatz.
- Ein weiteres Ritual von Menschen, die an die Macht der zwölf „heiligen“ Nächte glauben, ist das Aufschreiben von 13 Wünschen für das kommende Jahr. In den Rauhnächten sollen die Chancen besonders gut stehen, dass die Wünsche in Erfüllung gehen. In jeder Rauhnacht wird ein Zettel verbrannt. Nach zwölf Rauhnächten bleibt einer übrig. Das soll der Wunsch sein, um den man sich selbst kümmern müsse, den Rest übernehme das Universum oder eine übersinnliche Macht.
Zudem gibt es weitere Rituale, die nichts mit Übersinnlichem zu tun haben, sich aber gut für die Zeit des Übergangs von einem Jahr zum anderen eignen.
- Im Zeitraum der Rauhnächte, in denen der Weihnachtsstress endet und die meisten Menschen viel Zeit haben, ist Achtsamkeit eine gute Idee: in sich hineinzuhorchen, was man braucht, und was in den vergangenen Wochen oder Monaten vielleicht zu kurz gekommen ist. Ganz gleich, ob regelmäßige Spaziergänge oder ein neues Projekt, das einem wirklich am Herzen liegt: Hauptsache, man lauscht in sich hinein, was Körper und Seele guttut, und setzt das um.
- Selbstreflexion: Mit Ruhe und konkreten Fragestellungen können Menschen ihr Innerstes besser kennenlernen und das vergangene Jahr reflektieren. Dabei können auch Bücher helfen, wie zum Beispiel „Meine Reise zu mir selbst: Finde die Antwort in dir selbst, die dir sonst niemand beantworten kann“ von Sabrina Fleisch.
- In einem Tagebuch können Gedanken, Gefühle oder Wünsche festgehalten werden. Möglicherweise können die Gedanken auch schon einen Hinweis auf die Pläne für das kommende Jahr geben. Gleichzeitig sollte man Ängste und Sorgen in seinem Tagebuch festhalten, um diesen in Zukunft bewusst zu begegnen.