Nürnberg/Zagreb - Kroatien stellt sein Mautsystem um: Statt Zahlstationen kommt ein elektronisches „Free-Flow“-System mit Kennzeichenerkennung und Online-Abrechnung. Auf Campingbus-, Wohnwagen- und Wohnmobilreisende warten teils Mehrkosten und komplizierte Regeln.

Wer durch Slowenien nach Kroatien oder weiter in den Süden fährt, kennt das entspannte Prinzip: Für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen gibt es eine Vignette, die für Pkw und Wohnmobile gleichermaßen gilt. Pro Monat kostet sie rund 32 Euro und deckt alle Autobahnen ab – ideal für Urlauber, die meist zwischen einer und drei Wochen unterwegs sind zu einem klar kalkulierbaren Betrag unabhängig von der Fahrzeughöhe. Wohnmobile werden allerdings wie alle Fahrzeuge nach der Höhe über der Vorderachse eingestuft: Klasse 2A (bis 1,30 m) kostet für einen Monat 32 Euro, Klasse 2B (über 1,30 m) kostet 64,10 Euro – die Höhe entscheidet also. Viele Camper wissen dennoch vorher, welche Kosten sie in Slowenien als Durchreiseland erwarten.

Kroatien macht Unterschiede – und das wird teuer

Anders Kroatien, wo künftig immerhin die langen Wartezeiten vor den Mautstationen wegfallen werden - dafür müssen Sie online Ihr Kennzeichen registrieren und eine Bezahloption hinterlegen. Derzeit kostet Klasse II etwa 12 Euro/100 km im Vergleich zur Pkw-Klasse I mit rund 8 €/100 km, über 3 Metern Höhe war es auch für Familienwohnmobile mit Alkoven richtig teuer. In Kroatien entscheidet ab Herbst 2026 weiter auch die Fahrzeughöhe über die Einstufung. Pkw und nur sehr kleine Camper unter 1,90 Meter bleiben wie bisher in der günstigen Kategorie I. Doch schon die meisten Campingbusse sind höher, sie kratzen an und ragen über die 2-Meter-Marke und zahlen damit mehr als etwa in anderen Ländern, wo sie wie PKW eingestuft werden.

Ausgebaute Kastenwagen und die meisten gängigen Wohnmobile sind oft zwischen 2,50 und 2,80 Meter hoch, auch sie landen damit in Kategorie II. Familienwohnmobile mit Alkoven ragen häufig über drei Meter hinaus - sie landen künftig ebenfalls in Kategorie II und dürften sich sogar preislich verbessern.

Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gewicht - darunter besonders große Wohnmobile - landen sogar in Kategorie III und somit in der Klasse für schwere Gespanne oder dreiachsige Fahrzeuge. Gerade Familien, die auf Platz und Komfort setzen, müssen tiefer in die Tasche greifen als andere, wohlhabende Senioren mit luxuriösen Dickschiffen ebenfalls.

Teurer wird es vor allem dort, wo heute noch Rabatte oder Sonderregelungen gelten, die mit dem neuen System wegfallen, und bei Fahrzeugen mit Anhänger oder zusätzlichen Achsen, die künftig konsequent in höhere Kategorien (III oder IV) eingestuft werden.

Gibt es Straßen, auf denen eine andere Maut gilt?

Nein. Mit dem Übergang zur digitalen Maut werden sämtliche Strecken mit festen Mautstationen – ob von HAC, Bina Istra oder anderen Betreibern – in ein einheitliches, barrierefreies System überführt. Damit entfällt jede gesonderte Mautform für einzelne Regionen. Auch Sonderstrecken wie Brücken (z. B. der Krk-Zugang) oder Tunnel werden in Zukunft über das Free‑Flow-System abgerechnet und sind damit nicht mehr separat auszunehmen. Ab Herbst 2026 gibt es also keine autobahnähnlichen Ausnahmen mehr wie etwa die Straße durch Istrien nach Pula. Auch sie wird digital und ins zentrale System eingebunden. Ob sich manche ehemalige Sonderstrecken dadurch - wie von vielen erwartet - verteuern, ist noch nicht klar.

Was heißt das in Zahlen?

Die Strecke von der slowenischen Grenze bis Zadar (rund 270 Kilometer) kostet für Pkw derzeit etwa 18 Euro pro Richtung. Für ein Wohnmobil über 1,90 Meter sind es rund 28 Euro, für ein Wohnmobil über 3,5 Tonnen etwa 30 Euro. Hin und zurück summiert sich das auf 56 bis 60 Euro. Wer weiter zum Beispiel bis Split fährt, zahlt entsprechend mehr. Im Vergleich dazu: In Slowenien bleibt es bei 43 Euro für einen ganzen Monat – und das für alle Autobahnen. Vermutlich kommt mit dem neuen Mautsystem auch eine Verteuerung der Maut insgesamt.

Anhänger oder Wohnwagen: der versteckte Kostenfaktor

Mit einem einachsigen Anhänger bleibt man meist in Kategorie II. Bei zwei Achsen oder bestimmten Achskombinationen kann das Gespann jedoch in Kategorie III rutschen – und dann steigen die Kosten spürbar. Für die gleiche Strecke können dann für unsere Beispielstrecke rund 40 Euro pro Richtung fällig werden. Wer also plant, zusätzlich ein Boot, ein Motorrad oder einen Wohnwagen mitzunehmen, sollte die Mautkosten vorher einkalkulieren.

Kroatien wird ein Traumziel für Camper bleiben. Doch auch die neue Mautpolitik dürfte normale Campingbusse über 1,90 Metern weiterhin in eine höhere Kategorie einstufen, mehr zahlen auch Familien mit schwereren Wohnmobilen oder Wohnwagen. Während Slowenien bei seiner einfachen Vignette für alle unter 3,5 Tonnen bleibt und für Wohnmobile im Gegensatz zu ähnlich hohen Transportern eine günstige Ausnahme macht, setzt Kroatien auf ein komplexes und streckenbasiertes System.

Wohmobilurlaub Istrien Kroatien
Kroatien ist klassisches Camperland - nun müssen wir uns auf noch mehr Kosten für die Anreise einstellen. © Matthias Niese

Wer seine Route plant, sollte also die Kosten vorher kalkulieren – manche werden sich überlegen, ob sie vielleicht in ein anderes Reiseland ausweichen. Österreich etwa bemautet normale Wohnmobile unter 3,5 Tonnen mit seinem simplen Vignetten-System wie PKW.

Kann ich in anderen klassischen Urlaubsländern wie Italien oder Frankreich sparen?

Auf italienischen Autobahnen richtet sich die Maut für Wohnmobile nach Höhe und Achszahl. Pkw und Fahrzeuge mit maximal zwei Achsen und einer Höhe an der Vorderachse bis 1,30 m fallen in Kategorie A. Wohnmobile sind fast immer höher und landen deshalb in Kategorie B, was höhere Tarife bedeutet. Kommt ein Anhänger oder eine dritte Achse hinzu, steigt die Einstufung in Kategorie 3 oder 4 – und damit die Kosten deutlich. Wohnmobile werden also nicht wie Pkw behandelt, sondern wie Kleinbusse oder leichte Nutzfahrzeuge. Mit einem einachsigen Motorradanhänger wird Ihr Wohnmobil oder Ihr PKW in Italien von Klasse B (2 Achsen) auf Klasse 3 (3 Achsen) hochgestuft. Dadurch steigt die Maut um etwa 30 % pro Kilometer.

In Frankreich entscheidet die Gesamthöhe des Fahrzeugs. Klasse 1 gilt für Pkw bis 2 m Höhe (also auch die meisten Campingbusse) und maximal 3,5 t. Wohnmobile zwischen 2 m und 3 m fallen in Klasse 2, große Alkovenmobile über 3 m in Klasse 3 und liegen somit sogar schon in der teuren Preisklasse von Omnibussen. Bei Gespannen mit Anhänger oder Fahrzeugen mit mehr als zwei Achsen wird Klasse 4 fällig. Auch in Frankreich zahlen Wohnmobile damit spürbar mehr als Pkw. In Frankreich führt ein Anhänger oder ein Wohnwagen also stets zu höheren Mautkosten. Selbst ein kompakter Motorradanhänger hebt das Gespann mindestens in Kategorie 2, wodurch man im Schnitt rund 50 Prozent mehr pro Kilometer zahlt als ohne.

In Frankreich bleibt die Gebühr gleich, solange das Gespann nicht höher als 2 m und nicht schwerer als 3,5 t ist; ein kleiner Anhänger ändert die Klasse also nicht. Überschreiten Sie jedoch 2 m Höhe oder 3,5 t, rutscht das Gespann in Klasse 2 oder sogar Klasse 3/4, was deutlich höhere Kosten bedeutet.