Nürnberg - Rund ein Jahr nach seinem überraschenden Rückzug aus der Politik hat Kevin Kühnert einen neuen Job – und schießt dabei direkt gegen niemand Geringerem als den bayerischen Ministerpräsidenten.

„Ich bleibe weg vom Politikbetrieb im engeren Sinne“, hatte Kevin Kühnert zuletzt im Podcast mit Anne Will angekündigt. Der ehemalige SPD-Generalsekretär, der vergangenen Oktober überraschend seinen Rückzug erklärt hat, beschrieb sich aber als „durch und durch politischer Mensch“ und verriet deshalb: „Ich habe in diesem Jahr einen viel klareren Blick entwickelt, wo ich Aufgaben sehe, deswegen wird es durchaus was Politisches sein.“

Nun herrscht Klarheit: Der 35-Jährige, der bereits zu aktiven Zeiten in der Politik als eloquenter und smarter Typ auffiel, wird auch künftig seine Meinung vertreten – nämlich als Autor und kritischer Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen beim Musik-Magazin „Rolling Stone“. Im Zweiwochenrhythmus schreibt Kühnert künftig eine Kolumne, welche exklusiv auf rollingstone.de veröffentlicht werden soll. In seinem ersten Text, der ausnahmsweise in der gedruckten November-Ausgabe erscheinen soll, setzt sich der ehemalige SPD-Generalsekretär mit einem altbekannten Antagonisten auseinander: Markus Söder. Unter anderem warnt Kühnert vor „Söders Wurstfalle“ und kritisiert die öffentliche Selbstinszenierung des CSU-Chefs.

„Söder inszeniert sich als Lordsiegelbewahrer einer bayerischen Lebensweise, die er selbst sorgsam kuratiert“, schreibt der neue Kolumnist. „Das ist billige Identitätspolitik – und niemand sollte mehr in diese Wurstfalle tappen.“ Besonders wirft Kühnert dem Ministerpräsidenten vor, die bayerische Identität zur politischen Marke zu formen. „Der frühere TV-Redakteur Söder schafft es, eine Brettljause zu präsentieren, als handele es sich dabei um ein milliardenschweres Investitionspaket.“ In Wahrheit sei das jedoch nur „Tourismusmarketing, versetzt mit gelegentlichen politischen Inhalten“.

Außerdem vergleicht Kühnert den CSU-Chef mit einem „Large Language Model von ChatGPT“, das durch Berechnungen ermittelt, wie sich ein Mensch zu einer Frage oder einer bestimmten Thematik vermutlich verhalten würde. „Doch wer Markus Söder einmal im Real Life getroffen hat, merkt schnell, dass Herzlichkeit und Gemütlichkeit hier ungefähr so echt sind wie die Kulissen der Bavaria Filmstudios“, lässt Kühnert verlauten.