
Der japanische Phänomenautor Uketsu hat eine außergewöhnliche Karriere hingelegt. Vor sieben Jahren begann er mit eigenwilligen Kurzvideos auf YouTube. Darin bleibt er anonym und verwendet ausschließlich einen Stimmenverzerrer, um seine düsteren, okkulten Geschichten zu erzählen. Jahre später wagt sich Uketsu auch in die Literaturwelt - und das ziemlich erfolgreich.
Sein erster Roman „Seltsame Bilder“ erschien 2022 in Japan und wurde 2025 ins Englische und Deutsche übersetzt. Seitdem begeistert Uketsu auch westliche Leserinnen und Leser, besonders auch die BookTok-Community mit seinem einzigartigen Stil und Erzählformat.
Jahre nach der japanischen Ersterscheinung darf nun auch der deutsche Markt sich auf mehr freuen, denn Ende Oktober erscheint Uketsus Folgeroman „Das seltsame Haus“ auf Deutsch. Der Kriminalroman folgt, anders als in seinem Debüt, linear der Geschichte eines Autors, welcher das Geheimnis hinter einem eigenartigen Haus lüften möchte.
„HEN NA IE - Das seltsame Haus“
- von Uketsu
- 224 Seiten
- Verlag Lübbe
- ISBN: 978-3-7577-0142-0
- 24 Euro
- Erscheinungsdatum: 31. Oktober 2025 (als Buch und Kindle-Book bei Amazon )
„Das seltsame Haus“: Worum geht es?
Ein junger Autor, fasziniert vom Okkulten, begibt sich auf Spurensuche, nachdem ihm der Grundriss eines geheimnisvollen Hauses zugespielt wurde. Gemeinsam mit einem Architekten spekulieren die beiden Protagonisten darüber, was sich einst innerhalb dieser vier Wände zugetragen haben könnte. Die verborgenen Geheimnisse des Hauses werden dabei anhand zahlreicher Grundrisse Stück für Stück entschlüsselt.
Furchteinflößend - und ein Autor, der fünf von fünf Sternen verdient. Obwohl bislang nur wenige aus der BookTok-Community auf ihn aufmerksam geworden sind, ist sich die Leserschaft einig: Uketsu hat Talent. Gelobt wird der Bestseller vor allem für seine Art, Leserinnen und Leser durch direkte Ansprache in die Geschichte hineinzuziehen – sowie für die besondere grafische Gestaltung. Doch hält der BookTok-Geheimtipp wirklich, was er verspricht?
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Rezension: Was kann Uketsus "Das seltsame Haus"?
Uketsus „Das seltsame Haus“ liest sich stellenweise wie ein Tagebuch, noch mehr aber wie ein Drehbuch - denn vor allem die Dialoge zwischen den Figuren nehmen einen Großteil der Seiten ein. Viel Raum bleibt zudem den Grundrissen: Eine eigentlich charmante Idee, da Erzählung und Visualisierung unmittelbar nebeneinanderstehen. In ihrer Häufigkeit stellt sich jedoch die Frage, ob nicht auch weniger Pläne ausgereicht hätten.
Alles in allem ist das Buch aber etwas Neues - etwas, das nicht jeder BookTok-Titel von sich behaupten kann. Und doch passt es in den aktuellen Lesegeschmack. Leider ist „Das seltsame Haus“ trotz seiner spannenden Grundidee und der ansprechenden Gestaltung enttäuschend. Die anfängliche Neugier flaut schnell ab - nicht zuletzt wegen der scheinbar willkürlichen Schlussfolgerungen der Protagonisten, die einzig deshalb als wahr gelten, weil sie ihnen zugeschrieben werden. Der Autor verliert sich in grausamen Handlungen, ohne zu wissen, wie er dorthin führen will. Gravitas und Bedeutung sollen stattdessen durch fettgedruckte Textpassagen erzeugt werden.
Mehr von Uketsu: Japanischer Autor auf dem deutschen Markt
Mittlerweile hat der Autor zwei weitere Bücher veröffentlicht. Eine Fortsetzung zur Welt von „Das seltsame Haus“ ist bereits erschienen, im Oktober 2025 soll der Roman „Strange Map“ folgen. Bisher sind beide Werke ausschließlich auf Japanisch erhältlich.
In Deutschland sind nicht nur die Romane des japanischen Bestsellerautors verfügbar. Neben „Seltsame Bilder“ ist auch die Manga-Adaption von „Das seltsame Haus“ erschienen – bislang in vier Bänden. Panini Manga plant, die Reihe im Dezember abzuschließen.