
Den schwedischen Modegiganten H&M kennt sicher jeder, viele waren wohl auch schon einmal in einem der Häuser einkaufen. Womöglich ja sogar in der Filiale in der Karolinenstraße 45. Die - so gab das Unternehmen im Juli bekannt - soll Anfang 2026 geschlossen werden. 58 Mitarbeiter sind von der Schließung direkt betroffen. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte das Vorgehen bereits harsch, Angestellte streikten. Julia Kaltenegger, SPD-Stadtratskandidatin, solidarisierte sich nun mit den Betroffenen. Sie nahm ein Video auf, in dem sie dem angestauten Frust der Leute Luft macht. Den Clip postete sie auf Instagram - und ging damit viral.
Scharfe Kritik und Unverständnis nach H&M-Schließung
Ende Januar 2026 sollen sich die gläsernen Schiebetüren des Geschäfts an dem prominenten Standort in der Innenstadt endgültig schließen, so der Plan. Einen Standort abzubauen, das sei zwar immer Ultima Ratio, doch im Fall der Filiale in der Karolinenstraße 45 hätten „wirtschaftliche Gründe“ zu dem Entschluss geführt, hieß es von Unternehmensseite, wie wir bereits im Juli berichteten. Betriebsrat sowie die Gewerkschaft Verdi reagierten mit Unverständnis und kritisierten die Entscheidung scharf. Denn: Trotz erreichter Ziele im vergangenen Jahr und Vorschlägen zu einer Neuausrichtung sei die Schließung nach der Eröffnung des Flagship-Stores in der Karolinenstraße 11 früh absehbar gewesen.
Bereits Ende März 2024 hatte H&M sein Geschäft in der Breiten Gasse dichtgemacht. Im Mai desselben Jahres eröffnete man dann eine neue Filiale in der Karolinenstraße 11 - in den Räumen, in denen zuvor „Humanic“ Schuhe verkauft hatte. „Zwei nahezu identische Geschäfte in nächster Nähe: Das funktioniert nicht in Nürnberg“, äußerte Gewerkschaftssekretärin Jaana Hampel von Verdi gegenüber NN.de. „Wir haben deshalb Vorschläge gemacht, einen Standort beispielsweise zu einem Herrenhaus zu entwickeln oder in ihm den Fokus auf Haushaltswaren zu legen.“ Von einer derartigen Ausdifferenzierung hielt das Unternehmen augenscheinlich wenig. Verdi deklamierte in der Konsequenz, es handle sich hierbei um „eine Management-Entscheidung.“
„Existenz von 58 Beschäftigten, überwiegend Frauen, akut in Gefahr“
„H&M beabsichtigt, den Standort in der Karolinenstraße 45 in Nürnberg zu schließen. Damit ist die Existenz von 58 Beschäftigten, überwiegend Frauen, akut in Gefahr. Viele der Kolleg:innen haben Familie und wissen nun nicht, wie ihre Zukunft weitergehen soll.“, so Verdi in einer Mitteilung über die eigenen Kanäle. Zwar versicherte H&M, die Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten „selbstverständlich sorgfältig zu prüfen“. Allerdings müsse man den „vorhandene Personalbedarf“ berücksichtigen. Verdi forderte H&M auf, in den anstehenden Sozialplanverhandlungen konkrete und faire Lösungen zu präsentieren.
Diese fairen Lösungen vermissen die Betroffenen allerdings weiterhin. Kalteneggers Video schlägt deshalb auf Social Media hohe Wellen.
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H&M lässt seine Mitarbeiter „voll im Regen stehen“
„Nürnberg! @hm schließt die Filiale 798 in der Karolinenstraße und lässt seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter voll im Regen stehen.“, heißt es im Text neben dem Clip, der auf Instagram bereits 56.324 Gefällt-mir-Angaben hat. Darin führt sie einen bissigen, hypothetischen Dialog mit sich selbst - in Form einer langjährigen Angestellten und als Personifikation des „Multi-Millionen-Dollar-Konzerns“ H&M. Auf die Frage, was die Betroffenen neben einem „beschissenen Sozialplan“ und mangelnder Wertschätzung zu erwarten hätten, antwortet Kaltenegger mit einem zynischen Grinsen: „Genau das war‘s - und Existenzängste!“
Die Stadtratskandidatin der SPD postuliert deshalb: „Lasst uns mal alle gemeinsam nach oben treten und mithelfen, dass die Leute bekommen, was ihnen zusteht: Einen fairen Sozialplan, der sie schützt vor der Kälte eines Arbeitgebers, der sie nach Jahren und Jahrzenten [sic] einfach fallen lässt.“ Aktuell werde verhandelt. Sie hoffe, dass der öffentliche Druck etwas bewirkt.
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