Nürnberg - Mitten in der Passage an der U-Bahnstation Lorenzkirche dominiert eine Art wuchtiger Blech-Sarkophag. Seit Monaten hat sich in der Station für Passanten nichts verändert - das bedeutet aber keinen Stillstand.

Bislang veränderte sich das Bild für die Passanten und Passantinnen in der Lorenzer Passage immer wieder. Am Beginn des Sommers liefen Pendler und Shoppende durch den Perfetto unten in der „Galeria“. Immer wieder war hier oder da ein anderes Nadelöhr geöffnet, das den Durchgang von der einen auf die andere Innenstadtseite ermöglichte. Der Bauzaun, der zwischen dem „Karstadt“- und dem „Go Asia“-Supermarkt stand, verschob sich von Zeit zu Zeit.

„Einen Schandfleck“ nannte sie Nürnbergs Baureferent Daniel F. Ulrich auf einem Pressetermin vor Beginn der Arbeiten 2024. Seit Beginn der großen Baumaßnahme im Juni vergangenen Jahres sind die Fassaden in der Lorenzer Passage nackt und aufgebrochen. Daran hat sich auch bis dato nichts geändert. Anfang Februar 2025 startete der dritte Bauabschnitt - ein großer metallener Sarkophag wurde im Laufe der Monate in der Passage errichtet, der keinen Blick mehr auf den nördlichen Teil der Passage in Richtung Hauptmarkt und Stangengässchen ermöglicht. Was dahinter passiert - für Passanten und Passantinnen nicht einsehbar, vor ihrem Auge verborgen.

Der nördliche Teil der Lorenzer Passage samt Haupthalle ist und bleibt damit für die restliche Bauzeit bis voraussichtlich Ende 2027 gesperrt. Ein Durchgang in Richtung Stangengäßchen und Museumsbrücke ist bis dahin nicht möglich. Der Zugang zur U-Bahn, zu den öffentlichen Toiletten sowie zu „Galeria“ und „Go Asia“ ist jedoch weiterhin über die Karolinenstraße gegeben. Während die Geschäfte in den Seitenarmen Stangengäßchen und Museumsbrücke geschlossen sind, sind die Ladeneinheiten im Bereich des Stangengäßchens, „Cam On Shop“, „Tommy Nails“ und „Feuerlein Friseure by Umut“, weiterhin über die Kaiserstraße zu erreichen.

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Im südlichen Teil, dem zur Karolinenstraße hin, hat sich auf den ersten Blick seit Beginn der Baumaßnahme in der Lorenzer Passage Nürnberg nicht viel verändert, die Decken und Fassaden sind noch nackt, Kabel und Rohre sind zu sehen. © Andrea Munkert

Nach dem Start der restlichen Bauarbeiten im Februar, beginnt der vierte Bauabschnitt. Nachdem Beton- und Fugensanierungen erledigt sind, wird der nördliche Teil der Passage neugestaltet. Im Frühjahr liefen noch die letzten Planungen zur Gestaltung.

Kein barrierefreier Zugang am U-Bahnhof Lorenzkirche

Die Ein- und Ausgänge am U-Bahnhof Lorenzkirche sind seit 3. Februar außerhalb der Öffnungszeiten von Galeria nicht barrierefrei zugänglich. Der Aufzug verbindet nur die Gleisebene der U-Bahn mit der Lorenzer Passage. Der Zu- und Ausgang „Karolinenstraße“ ist lediglich über eine Treppe beziehungsweise eine Rolltreppe zu erreichen. Die VAG weist Fahrgäste, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, darauf hin, dass es für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator und Eltern mit Kinderwagen aus Sicherheitsgründen ausdrücklich verboten ist, die Fahrtreppen zu nutzen.

Für mobilitätseingeschränkte Personen stellt die VAG unter Telefon 0911 / 2 83-46 46 kostenfrei ein Taxi zur Verfügung. Fahrgäste können am Kreisverkehr am Lorenzer Platz einsteigen und werden zum U-Bahnhof Weißer Turm gebracht. Dort besteht barrierefreier Zugang zur U 1 nach Langwasser oder Fürth.

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Von der großen Verteilerhalle ist aktiuell wenig geöffnet. © Andrea Munkert

Zum Hintergrund der Maßnahmen in der Lorenzer Passage

Die Lorenzer Passage wurde 1978 im Zuge der Errichtung des U-Bahnhofs Lorenzkirche gebaut. Um die drohende Schließung des Warenhauses Karstadt abzuwenden, hatte die Stadt mit dem Besitzer des Kaufhauses vereinbart, die Passage architektonisch aufzuwerten. Die Verteilerpassage Lorenzkirche war in die Jahre gekommen und soll nun durch mehrere Maßnahmen in vier Bauabschnitten freundlicher und auf einen modernen Stand gebracht werden.

Bei Vorabuntersuchungen sind Schadstoffe wie Asbest und künstliche Mineralfasern entdeckt worden. Diese müssen fachgerecht ausgebaut werden und eventuelle Schäden an der Betonkonstruktion saniert werden. „Die Rückbauarbeiten der Schadstoffe laufen im Zeitplan. Der erste Bauabschnitt im Haupthallenbereich konnte, dank des hohen personellen Einsatzes der beauftragten Fachfirma, sogar zügiger beendet werden als geplant“, erklärte Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich am 17. September 2024.

In diesem Zuge wurden auch die noch verbliebenen Ladeneinheiten im Durchgang Richtung Museumsbrücke, also im Seitenarm mit der ehemaligen Wasserwand, wieder zugänglich. Ursprünglich sollte der Bereich erst wieder Anfang November 2024 freigegeben werden.

Die Kosten für die Abbrucharbeiten betragen circa 1,9 Millionen Euro. Für die gesamte Lorenzpassage liegt der Kostenrahmen aktuell bei rund 20 Millionen Euro. Die genauen Kosten können unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus der Abbruchphase erst nach Abschluss der Planungsphase beziffert werden.