Washington - Donald Trump - einfach verschwunden? Seit Tagen kursieren entsprechende Gerüchte und Spekulationen in den Sozialen Medien. Kann da was dran sein? Eine Einordnung.

Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an eine der seltsamsten Verschwörungstheorien aller Zeiten: „Paul is dead.“ 1969 kursierte plötzlich das Gerücht, Paul McCartney, Bassist und Sänger der Beatles, sei im November 1966 bei einem Autounfall gestorben und durch einen Doppelgänger ersetzt worden. Im Anschluss suchten viele Fans nach versteckten Hinweisen, dass McCartney tatsächlich tot ist - und sezierten alles akribisch, was die Band publizierte. Und natürlich wurden sie fündig

Beispielsweise wurde die Tatsache, dass McCartney auf dem ikonischen Cover des Albums „Abbey Road“ als einziger barfuß über den vermutlich berühmtesten Zebrastreifen der Welt schritt, als Andeutung seines Todes gesehen. Ebenso wie die zahlreichen Blumen und Menschen auf dem Cover des Albums „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“, die als Beerdigung samt Trauergemeinde interpretiert wurden. Dass der Musiker selbst vehement widersprach und 1993 mit ironischem Bezug das Live-Album „Paul is Live“ aufnahm, änderte nicht wirklich etwas an den skurrilen Gerüchten.

#TrumpIsDead

Ob Donald Trump ein ähnliches Schicksal blüht? Schließlich ist seine Fangemeinde Verschwörungsmärchen gegenüber durchaus aufgeschlossen. Aber warum stellt sich diese Frage überhaupt?

Am vergangenen Wochenende explodierten die Sozialen Netzwerke regelrecht: Über 200.000 Beiträge auf Truth Social, zahllose Memes auf X und ein Google-Trend, der nur eine Frage kannte: „Wo ist Donald Trump?“. Auslöser der Spekulationen war eine auffällige mediale Stille rund um den sonst sehr Kamera-affinen Präsidenten der USA. Und dann war da auch noch ein Interview von Vizepräsident JD Vance, der am 29. August gegenüber ABC News erklärte, er sei „bereit, einzuspringen, falls es eine schlimme Tragödie gäbe“. Zwar schob er sofort hinterher, Trump sei „bei unglaublich guter Gesundheit“, doch da war es schon zu spät.

Dazu kamen noch diverse Fotos, die ihn mit geschwollenen Knöcheln und blauen Flecken auf dem Handrücken zeigten, was schnell zu Spekulationen über seinen Gesundheitszustand führten. Schnell verbreiteten sich die wildesten Theorien: Von einem schweren Schlaganfall über eine Not-OP bis hin zu seinem Tod war alles dabei. Sogar der Hashtag #TrumpIsDead trendete zeitweise weltweit.

Rundumschläge auf Truth Social

Tatsache ist: Der letzte offizielle Auftritt des Präsidenten war am 26. August, als er an einer Kabinettssitzung in Washington teilnahm und sich mehrere Stunden lang von seinen Ministern feiern ließ. Danach wurde es jedoch still: keine Pressekonferenz, nicht einmal ein spontaner Auftritt vor dem Weißen Haus. Für Trump, der sonst jede Gelegenheit zur Selbstinszenierung nutzt, könnte man das durchaus als ungewöhnlich bezeichnen.

Immerhin auf seinem eigenen Netzwerk Truth Social war Trump aktiv und feuerte in gewohnter Manier weiter „Wahrheiten“ ab. So erklärte er beispielsweise, dass er sich noch nie so gut gefühlt habe wie derzeit, um anschließend einen wütenden Rundumschlag gegen politische Gegner, Bauprojekte und sogar die Baseball-Liga in die Welt zu setzen - weil diese sich beharrlich weigert, den verstorbenen Baseball-Star Pete Rose in die Hall of Fame aufzunehmen. Für viele war das der Beweis: Wer so schimpft, lebt noch. Dennoch blieb Skepsis, denn auch Social-Media-Posts lassen sich theoretisch von Mitarbeitern verfassen.

Bedenken nicht aus der Luft gegriffen

Dass Bedenken bezüglich Donald Trumps Gesundheitszustands nicht aus der Luft gegriffen sind, steht fest: Bereits im Juli bestätigte das Weiße Haus, dass der 79-Jährige an einer chronischen Veneninsuffizienz leidet - einer Durchblutungsstörung, die vor allem die Beine betrifft. Sie gilt als nicht lebensbedrohlich, kann aber zu Schwellungen und Blutergüssen führen, wie jenen an seinen Händen. Beobachter wollen zudem vermehrt gedankliche Aussetzer bemerkt haben.

Insofern ist es kein Wunder, dass das Thema dennoch im Netz hochkocht, denn abgesehen davon bringt die Geschichte alle Zutaten mit, die man für ein schönes Verschwörungsmärchen braucht: Ein sehr medienaffiner Präsident, der plötzlich abtaucht und gesundheitlich angeschlagen wirkt; ein Vize, der etwas sehr unglücklich formuliert - und dann noch Trumps eigene Vergangenheit: Im Wahlkampf machte er den Gesundheitszustand seines Rivalen Joe Biden zum Dauerthema, während er sich stets als unverwüstlich präsentiert. Da wirkt jedes noch so kleine Anzeichen von Schwäche doppelt spektakulär.

Dass Trump aber tatsächlich ernsthaft erkrankt oder gar tot ist, darf allerdings spätestens seit dem 1. September als ausgeschlossen bezeichnet werden: An dem Tag wurde er gesichtet, wie er das Weiße Haus verließ, um zum Trump National Golf Course in Sterling, Virginia zu fahren, wo er rund fünfeinhalb Stunden beim Golfen verbrachte. Außer natürlich, er wurde - wie Paul McCartney - durch einen Doppelgänger ersetzt. Denn was bei einer der größten Bands der Welt funktioniert hat, funktioniert vermutlich auch bei einem US-Präsidenten.