
Thomas Kleine veränderte seine Startformation im Vergleich zum 0:2 gegen Kiel in der Vorwoche auf drei Positionen: Keller durfte auf der linken Schiene von Beginn an ran, Itter rückte dafür links in die Dreierkette und verdrängte König auf die Bank. Bjarnason durfte für Dietz von Beginn an ran, in der Mittelfeldzentrale verdrängte Bansé Dauerbrenner Green. Mehr Tempo und Offensivdrang auf Außen, mehr Kompaktheit im Zentrum?
Zunächst war davon wenig zu spüren: Magdeburg begann druckvoll, Fürth kam zu zunächst wie schon gegen Kiel nicht entscheidend in die Zweikämpfe. Nollenberger näherte sich nach bereits zwei Minuten erstmals für die Hausherren an, verzog jedoch. Nach elf Minuten ging es erneut zu schnell für die Fürther Abwehr: Über mehrere Stationen kombinierten sich die Elbstädter mit Ein-Kontakt-Fußball vors Fürther Tor, am Ende legte Atik per Hacke für Ulrich ab, dessen Abschluss zu zentral auf Boevink geriet.
Den ersten Fürther Abschluss verbuchte Bjarnason in der 13. Minute, nach einer Ecke zog der Isländer aus der zweiten Reihe stramm ab - knapp über das Gehäuse von Reimann im Magdeburger Kasten. Nur drei Minuten später wurden die Gastgeber schon wieder gefährlich: Ghriehb spielte Itter rechts im Sechzehner schwindelig und schlenzte den Ball an den Pfosten - Boevink wäre ohne Chance gewesen.
Futkeu aus dem Nichts - Magdeburg gleicht schnell aus
Früh im Spiel wäre die Führung für die Hausherren verdient gewesen. Die Spielvereinigung ließ sich weit in die eigene Hälfte drängen, verteidigte aber oft nicht mit der letzten Entschlossenheit. Im eigenen Ballbesitz agierten die Gäste ängstlich und behäbig, viele Abspielfehler und Ballverluste prägten das Fürther Spiel. Schon in der ersten Halbzeit mussten die Fürther den Ball immer wieder lange aus der eigenen Hälfte schlagen, Umschaltmomente ergaben sich zunächst keine.
Nichtsdestotrotz stellte das Kleeblatt nach 24 Minuten mit einer feinen Aktion den Spielverlauf auf den Kopf: Hrgota machte einen punktgenauen, weiten Ball von Ziereis hinter die Kette technisch anspruchsvoll fest und legte mit Übersicht auf den eingelaufenen Futkeu quer. Der blieb vor Reimann eiskalt und schoss flach ins lange Eck ein - 0:1! Die Gastgeber jedoch fanden postwendend eine Antwort: Ulrich bekam den Ball im Zentrum und konnte mehrere Meter ohne Gegnerdruck auf die Fürther Kette zulaufen. Sein Zuspiel in den Strafraum verwertete Ahl-Holmström nach einem kurzen Wackler gegen Bjarnason zum 1:1 (28.).
Dennoch war das Kleeblatt nun etwas besser im Spiel als zu Beginn der Partie, verteidigte etwas aggressiver und kam zu mehr Entlastung. Klaus verzeichnete nach einem Umschaltmoment den nächsten Fürther Abschluss, verpasste aber deutlich (34.). Die Magdeburger blieben spielbestimmend, kamen aber nicht mehr zu solch klaren Gelegenheiten wie in der Anfangsphase. Richtig gefährlich wurde es vor der Pause nur noch einmal, als Itter sich auf der linken Seite gegen Ghrieb grob verschätzte, der Magdeburger Flügelspieler jedoch verzog (45.).
Magdeburg spielt, doch Fürth biegt vermeintlich auf die Siegesstraße
Der zweite Durchgang begann wie der erste: Die Hausherren bestimmten das Spiel und banden das Kleeblatt in der Defensive, Ghrieb und Atik verzeichneten vielverprechende Möglichkeiten, scheiterten aber jeweils an Boevink (46., 55.). Und die Spielvereinigung? Die schlug erneut mit dem ersten vielversprechenden Angriff zu: Dehm fand Klaus auf dem rechten Flügel, der Routinier tankte sich mit Glück und Geschick in den Sechzehner und bugsierte den Ball aus spitzem Winkel irgendwie an Reimann vorbei ins Tor - die erneute Gästeführung (63.)!
Doch ebenfalls wie schon in der ersten Hälfte revanchierten sich die Magdeburger umgehend: Hugonet fand Ahl-Holmström mit einer Flanke in den Fünfmeterraum, der Mittelstürmer erzielte mit dem Knie seinen zweiten Treffer des Tages (64.). Dieses Mal jedoch berappelte sich auch das Kleeblatt schnell: Ziereis verlängerte einen abgefälschten Ball per Kopf zu Futkeu, der sofort abzog und traumhaft in den Winkel zur erneuten Fürther Führung vollendete (69.).
Danach schien das Spiel endgültig auf die Seite der Spielvereinigung zu kippen: Nollenberger holte sich nach einer plumpen Schwalbe im Fürther Sechzehner die Ampelkarte, das Kleeblatt agierte ab der 71. Minuten in Überzahl. In der 77. Minute dann die vermeintliche Entscheidung: Keller scheiterte erst an Reimann, Futkeu setzte gegen Geschwill aber gut nach, sodass Klaus aus dem Rückraum noch einmal zum Abschluss kam und zum 2:4 traf.
Magdeburg kommt zurück - Kleeblatt schwimmt, jubelt am Ende aber doch
Doch trotz Überzahl und zwei Toren Vorsprung für die Spielvereinigung fand Magdeburg zurück in die Partie: Erneut war es der umtriebige Ghrieb, der die Fürther Defensive narrte und nach 83 Minuten mit einem Schlenzer ins lange Eck auf 3:4 verkürzte. Die Fürther schwammen nun gehörig - und kassierten tatsächlich noch den Ausgleich: In der 93. Minute fabrizierte Ziereis nach einer langen Hereingabe von Reimann per Kopf eine Kerze direkt vor dem eigenen Tor. Der Magdeburger Pesch bedankte sich und ließ die Arena beben - 4:4.
Doch das verrückte Spiel hatte tatsächlich noch eine Pointe parat. In der zehnminütigen Nachspielzeit suchte das Kleeblatt noch einmal den Weg nach vorne: Erst scheiterte König noch an Hugonet, der für seinen geschlagenen Schlussmann Reimann auf der Linie klärte (98.), dann schlug Marco John tatsächlich noch einmal zu: Von der linken Sechzehnerkante aus legte der Flügelverteidiger im ersten Spiel nach seiner langen Verletzung den Ball überlegt in die lange Ecke - das späte 4:5!
Am Ende durfte sich das Kleeblatt nach einer denkwürdigen Partie doch noch über den ersten Auswärtssieg der Saison freuen. Mit sechs Punkten aus den ersten vier Partien steht die Spielverteidigung nun auf dem zehnten Rang der Tabelle. Nach der Länderspielpause geht es für die Kleine-Elf am Sonntag, 14. September, im heimischen Ronhof gegen den 1. FC Kaiserslautern weiter.
